Schnelle Läufe und weite Würfe

180 Aktive haben an den Kreismeisterschaften der Leichtathleten in Freiberg teilgenommen. Diesmal wurden die Sieger sogar vor Ort geehrt - wenn auch auf unkonventionelle Art und Weise.

Freiberg.

Wer bei einem Finale über die 100 Meter als Erster die Ziellinie überquert, ist normalerweise auch der Sieger, hat allen Grund zu feiern. Aber normal ist ein Sprintwettkampf derzeit nicht. Da die Hygieneregeln vorschreiben, dass bei Leichtathletik-Wettkämpfen im Moment maximal drei Bahnen genutzt werden dürfen, teilt sich auch das Finale in zwei Durchgänge auf. Zur neuen Normalität gehört der anschließende Ellenbogencheck zwischen Sportlern und Betreuern, wenn der Gewinner mit etwas Abstand von seinem Triumph erfährt. Ebenso verzögert ist der Jubel der Zaungäste, der nur mit etwas Glück bei richtigem Wind für die Aktiven zu hören ist. Aber bei den Kreismeisterschaften am Sonntag auf dem Platz der Einheit in Freiberg ging es erneut einen Schritt weiter zurück in die Normalität. So waren diesmal auch Staffelläufe wieder erlaubt - und sogar ein Siegerpodest stand erstmals seit langem bereit.

Dieses durfte aber nur der Gewinner besteigen. Die Zweit- und Drittplatzierten hielten den Sicherheitsabstand ein. Die Medaillen wurden auf einem Brett gebracht, umlegen mussten sich die Aktiven die Plaketten selbst. "Diese Art der Zeremonie ist einer Meisterschaft eigentlich nicht würdig, aber nicht anders möglich. Es ist eben ein verrücktes Jahr", sagt Sylvio Christ, der Geschäftsführer des ausrichtenden TVL Freiberg. Insgesamt 180 Sportler aus 28 Vereinen lieferten sich auf dem Platz der Einheit trotzdem spannende Wettkämpfe. Anders als am Wochenende zuvor beim Bergstadtmeeting spielte diesmal auch das Wetter nicht verrückt. "Da wir nur schwachen Wind hatten, können diesmal alle Leistungen gewertet werden", freut sich Christ.

Er hatte trotz seiner organisatorischen Aufgaben auch seine Funktion als Trainer nicht vernachlässigt. Die Ratschläge, die er unter anderem Moritz Otto (TVL Freiberg) beim Kugelstoßen gab, trugen Früchte. Mit 12,65Metern gewann der Freiberger in der Altersklasse M 15 die Silbermedaille. Sein Rivale Maximilian Skarke (Döbelner SV/12,79 m) hatte diesmal aber die Nase vorn. "Er ist immer mein ärgster Konkurrent beim Kugelstoßen, und heute war er besser", sagt Moritz Otto, der zuvor im Weitsprung Dritter wurde. "Damit hatte ich weniger gerechnet, da ich mich eigentlich in den Wurfdisziplinen wohler fühle - aber Bronze nehme ich natürlich gern mit", so der 15-Jährige, der mit 5,02 Metern seine Bestweite nur um drei Zentimeter verfehlte.

Wenige Meter neben der Sprunggrube knackte Luise Schmidt (LG Mittweida) dagegen ihre Bestmarke im Speerwerfen. Die 14-Jährige beförderte das 500 Gramm schwere Wurfgerät auf 30,05 Meter und verbesserte sich um stolze 75 Zentimeter. "Für die Kader-Norm reicht die Weite zwar noch nicht, aber ich werde weiter daran arbeiten", sagt Luise Schmidt, die neben Gold im Speerwerfen auch beim Kugelstoßen (9,57 m) ganz oben auf dem Podest stand. Zudem holte sie Silber im Weitsprung (4,62 m).

In derselben Altersklasse war Emily Liebscher (TSG Oederan) die Schnellste über 100 Meter. Die junge Sprinterin lief nach 13,40 Sekunden über die Ziellinie. "Die Zeit war besser als erwartet. Ich hatte mich auf der Strecke eigentlich langsamer gefühlt", schildert die Oederanerin.

Für sie war es erst der zweite Auftritt über die 100 Meter überhaupt, denn in ihrer bisherigen AK 13 wird nur über 75 Meter gesprintet. "Die längere Strecke kommt mir zu Gute, da ich hintenraus immer schneller bin." Das zeigte Emily Liebscher dann auch in der Staffel, bei der sie mit Josefine Stange, Jessica Storm und Anna Weichelt in 52,46 s ihren zweiten Kreismeistertitel holte.

Kreismeisterin wäre Tereza Láchová mit ihren Ergebnissen im Kugelstoßen und Weitsprung auch geworden. Sie kommt jedoch nicht aus Mittelsachsen, sondern aus Tschechien. Als einzige internationale Teilnehmerin ging sie für den JAC Brno an den Start. Da in Tschechien bereits seit dem 1. Juli Ferien sind, finden derzeit keine Wettkämpfe in ihrer Altersklasse statt. Um aber weiter Wettkampfluft zu schnuppern, nahmen die 14-Jährige und ihr Vater Ludek die weite Anreise gern in Kauf. Für das Podest kam Tereza Láchová nicht in Frage, "aber die erzielten Ergebnisse sind mir wichtiger als Medaillen und Urkunden."

Außerdem waren auf dem Platz der Einheit Sportler aus ganz Sachsen sowie Berlin, Hessen und Thüringen dabei. Der Freiberger PSV stellte mit 31 Startern die meisten Teilnehmer, vor der LG Mittweida (30), dem TVL Freiberg (14) und Fortschritt Mittweida (14). Erfolgreichste Aktive waren Patrick Biendara (M 14/5Titel) und Maximilian Skarke vom Döbelner SV (M15/4) sowie Christoph Rössler (TSV Fortschritt Mittweida), der in der M 12 viermal Gold holte.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.