Starker Auftritt auf der Bank

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Kraftsportler Rico Martinez aus Freiberg hat in Polen den WM-Titel im Bankdrücken erkämpft - bereits seinen zweiten.

Freiberg.

Rico Martinez stellt sein Licht nicht unter den Scheffel. "Freiberg hat wieder einen Weltmeister", steigt der Kraftsportler mit einem Schmunzeln ins Gespräch ein. Aber er hat auch allen Grund dazu, stolz zu sein. Denn Rico Martinez ist seit mehr als zehn Jahren überaus erfolgreich in der Kraftsportszene, wurde allein zehnmal in Folge Deutscher Meister in der Disziplin Bankdrücken. Der WM-Titel, den er sich gerade im polnischen Pabianice erkämpfte, ist sein mittlerweile zweiter. Bereits 2012 in Berlin hatte sich der Freiberger bei der Weltmeisterschaft im Powerlifting (Kraftdreikampf) die Goldmedaille im Bankdrücken erkämpft, 2018 war er in Ungarn Vizeweltmeister geworden.

Der aktuelle Titel der WPA (World Powerliftig Alliance), die ihren Sitz im US-Bundesstaat Vermont hat, ist dabei durchaus ein besonderer. Zum einen natürlich, weil auch die Kraftsportler unter den Corona-Einschränkungen leiden, Fitnessstudios seit Monaten geschlossen sind. "Ich bin im Moment komplett auf mich allein gestellt", sagt Rico Martinez, der sonst in der "Fitnessinsel" in Freiberg trainiert und dort seit Jahren von Frank Leukefeld betreut wird. So trainiert der 50-Jährige derzeit in einer privaten Gartenlaube, "wo ich mir ein kleines, behelfsmäßiges Studio eingerichtet habe". Am Trainingsumfang hat er jedoch kaum Abstriche gemacht - mindestens dreimal pro Woche stemmt der gelernte Metallurge, der seit einigen Jahren bei einer Sicherheitsfirma arbeitet, dort Hanteln und Gewichte.

Zudem musste der 1,78 Meter große Athlet in Polen in einer anderen Gewichtsklasse antreten - nach gesundheitlichen Problemen hatte Martinez im Vorfeld der WM deutlich an Gewicht eingebüßt, brachte statt seines normalen Wettkampfgewichts von 94 nur 86 Kilogramm auf die Waage. "Anfang April musste ich sogar in die Notaufnahme", erzählt der Freiberger. Eine WM-Absage sei für ihn trotzdem nicht infrage gekommen. "Ich wusste, dass ich es schaffe."

Bei den Titelkämpfen in Pabianice, knapp 20 Kilometer von Łódz, der drittgrößten Stadt Polens, entfernt, musste er aber in einer anderen Gewichtsklasse (U 90 kg) auf die Bank. Mit den 170 Kilogramm, die Martinez zur Hochstrecke brachte, war er nicht ganz zufrieden, er hat schließlich im Wettkampf bereits 200 Kilogramm geschafft. "Ich hatte mir ein bisschen mehr ausgerechnet." Doch in Anbetracht der Umstände könne er sehr gut damit leben - zumal er seine dritte internationale Goldmedaille erkämpfte. Neben seinen beiden WM-Titeln war der Freiberger 2019 auch Europameister im Bankdrücken geworden.

Dass er der einzige Starter in seiner Gewichtsklasse war, schmälert die Leistung von Martinez dabei auf keinen Fall. Schließlich hätte der 50-Jährige mit seiner Leistung auch im Limit bis 125 kg gewonnen. Und eine Altersklasse tiefer - Martinez startet in der AK 50 bis 54Jahre - wären seine 170 kg ebenso Gold wert gewesen. "Das war etwas Pech, ich hätte mich gern einer größeren Konkurrenz gestellt", sagt der Bergstädter. Bei der WM 2012 in Berlin hatte er sich in der Klasse Masters I (40 bis 50 Jahre) immerhin gegen acht internationale Konkurrenten durchgesetzt.

Insgesamt gingen 556 Kraftsportler aus 18 Nationen in Polen an den Start. Die Gastgeber hätten den Wettkampf trotz Corona "relativ locker gemanaget", so Martinez. Auch die Einreise ins momentane Hochrisikoland sei problemlos verlaufen. Der Freiberger hatte eine Einladung der Veranstalter erhalten und sich zuvor gemeinsam mit seiner Begleiterin einem Coronatest unterzogen.

Nach seinem Triumph, zu dem ihm auch Freibergs OB Sven Krüger beglückwünschte, hat Rico Martinez aber noch lange nicht genug in diesem Jahr. Im September will der gebürtige Freiberger - "unsere Familie hat sicher spanische Wurzeln, aber die liegen sehr, sehr weit zurück", sagt er schmunzelnd - bei der WM des Verbandes WUP starten, dann wieder in seiner angestammten Kategorie bis 100 kg. Zudem möchte er den aktuellen Weltrekord angreifen. Der stehe seit fünf Jahren bei 195 Kilogramm, so Martinez. Im Oktober soll es dann erneut nach Polen gehen, wenn die Titelkämpfe der GPC, eines weiteren Weltverbandes, auf dem Programm stehen.

Im kommenden Jahr will sich der Freiberger, der seit der Jugendzeit seine Muskeln stählt ("Ich bin schon der Schule in der AG Kraftsport gewesen.") und in den vergangenen Jahren mehr als 25 Wettkämpfe gewann, einen Lebenstraum erfüllen. "Ich war noch nie in Amerika", sagt Rico Martinez, "geschweige denn zum Titelkampf."

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