Vizemeister auf dem Favoritenschild

Mittelsachsens Kicker gehören in dieser Saison zu den schnellsten: Als einer der ersten Kreisverbände in Sachsen startet der KVF Mittelsachsen in die neue Punktspielserie. Bei der Meisterfrage sind sich die meisten Trainer einig.

Laufen erwartungsvoll dem Saisonstart entgegen: Die Fußballer des TSV Flöha. Für den erneuten Kampf um die mittelsächsische Fußball-Krone sieht sich der amtierende Meister aber noch nicht gerüstet.

Von Steffen Bauer, Knut Berger und Robin Seidler

Manuel Kluge hat - zumindest zu Beginn der neuen Saison - ein Päckchen zu tragen. Der SV Lichtenberg, den der 28-Jährige seit Anfang des Jahres trainiert, steht bei den meisten Trainern der Mittelsachsenliga ganz oben auf der Liste der Titelfavoriten. Fast alle seiner 13Übungsleiterkollegen sehen den Vizemeister des Vorjahres als Nummer 1 der Saison 2018/19.

Kluge lässt sich davon aber nicht unter Druck setzen. Die Weiterentwicklung der Mannschaft hat Priorität, sagt der langjährige Kapitän, der nach einem Kreuzbandriss auf die Trainerbank gewechselt war. Mit Maximilian (19) und Philipp Molnar (21), Felix Krause (23) und A-Junior Max Eckhardt verstärken vier Talente den Kader. "Wir müssen erst schauen, wie die Truppe zusammenwächst", wehrt Kluge alle Vorschusslorbeeren ab. Die Vorbereitung (unter anderem 2:2 gegen SV Olbernhau) war vielversprechend - "dennoch gibt es keinen Aufstiegsdruck", betont Lichtenbergs Fußball-Chef Holger Kunath.

Auch der Trainer des Titelverteidigers aus Flöha, Steffen Bergmann, erwartet den SVL weit vorn. Sein Team sieht Bergmann für eine erneute Jagd auf die mittelsächsische Fußball-Krone noch nicht gerüstet. "Die Truppe muss sich nach personellen Veränderungen erst einmal finden." Man habe viel Kritik einstecken müssen, "weil wir als Meister das Aufstiegsrecht nicht wahrgenommen haben", sagt der Flöhaer Trainer. "Jetzt können andere Vereine zeigen, dass sie das besser organisieren können."

Auch für Steffen Günther, Trainer von Lichtenbergs erstem Gegner Oederaner SC, ist der SVL Meisterschaftsaspirant Nummer 1. "Wir wollen uns auf keinen Fall in den Regionen der Vorsaison bewegen", stellt der Coach des Vorjahreselften klar. Inwieweit der Pokalsieg als Leistungskatalysator wirken kann, bleibe abzuwarten.

Matthias Zänker hält nicht viel vom angeblich schwierigen zweiten Jahr der Aufsteiger. "Sollte an dieser Theorie etwas dran sein, wollen wir sie natürlich widerlegen", sagt der Trainer des SV Fortuna Langenau, der mit seinem Team die zweite Saison in der Mittelsachsenliga in Angriff nimmt. "Wir wollen wieder eine gute Rolle spielen." Für den Coach des Vorjahresfünften heißt das, im oberen Tabellendrittel mitzumischen. Zur Fortuna kamen in der Sommerpause sechs Neue, darunter Christopher Martin aus Flöha. In Sachen Meisterschaft sieht Zänker den SV Lichtenberg im Fokus, aber auch Großwaltersdorf sollte vorn mitmischen können.

Robert Hohlfeld, der Trainer des TSV Großwaltersdorf/Eppendorf, muss beim Thema Meisterschaftsfavorit erst einmal überlegen. "Das ist eine schwere Frage", so Hohlfeld - der dann aber Lichtenberg und Flöha im Titelrennen sieht. "Insgesamt ist die Staffel leistungsmäßig aber noch weiter zusammengerückt", erklärt der TSV-Trainer. Sein Team will an die Leistung der Vorsaison anknüpfen und um die Plätze 2 bis 5 mitspielen. "Der Aufstieg ist für uns definitiv kein Thema."

Bei Landesklasse-Absteiger Barkas Frankenberg steckt man sich in dieser Saison keine Ziele. "Das geht auch schlecht mit einer komplett neuen Mannschaft", sagt Spielertrainer David Tuschy. Acht Akteure haben den Verein verlassen. Barkas kompensiert den Aderlass größtenteils mit Spielern der zweiten Mannschaft und der A-Junioren. "Wir wollen so viele Punkte wie möglich holen und bewerten die Situation im Winter dann erneut", so Tuschy.

Bei Frankenbergs erstem Gegner, Germania Mittweida II, hat sich personell gar nichts getan. Für Trainer Jörg Herrmann wird es schwer, den 3. Platz der Vorsaison zu wiederholen. "Die Konkurrenz ist stark." Auch Herrmann hat Lichtenberg, Flöha, aber auch Fortuna Langenau als Titelkandidaten auf den Zettel.

Der BSC Motor Rochlitz startet nach einer turbulenten Sommerpause mit langer Trainersuche sowie mageren Testspielergebnissen vorsichtig in die neue Spielzeit. "Wir haben bisher kein Saisonziel ausgegeben" erklärt Torsten Jandt von der Fußball-Abteilungsleitung des BSC. "Wir warten erst einmal die ersten drei Spieltage ab."

Der BSC Freiberg II startet mit einer großen Hypothek: Kapitän und Torjäger Henry Zielke fällt wegen eines Kreuzbandrisses aus. "Dennoch wollen wir am Ende auf einen einstelligen Tabellenplatz", sagt Trainer Jens Hesse. Dabei hoffe er, stets einen schlagkräftigen Kader zur Verfügung zu haben. Als Titelkandidaten sieht er Flöha und Lichtenberg.

Für Steffen Teichert, den neuen Trainer des FSV Motor Brand-Erbisdorf, ist der SVL Meisterschaftsfavorit Nummer 1. "Die Mannschaft hat viel Potenzial und ist absolut gefestigt", schätzt der 49-Jährige, der zuvor Co-Trainer in Lichtenberg war, ein. Die Motor-Mannschaft will Teichert mit Mario Jurk wieder aufbauen und ein Stück weiter nach vorn führen: "Als 13. des Vorjahres kann das Ziel nur Klassenerhalt heißen", sagt Teichert. Das soll aber so schnell wie möglich erreicht werden.

Auch der TSV Langhennersdorf, schaut zunächst nach unten. "Ziel ist der Klassenerhalt", erklärt Ulrich Butze, der Fußball-Chef des Vorjahreszehnten. Die Truppe sei komplett zusammengeblieben, "aber wir haben noch einige Langzeitverletzte".

David Kirsch, der Trainer des SV Mulda, muss zu Saisonbeginn sogar auf zehn Spieler seines Kaders verzichten. "Ich hoffe, dass ich am Sonntag eine komplette Elf zusammenbekommen", sagt Kirsch. "Die ersten Wochen werden ganz, ganz schwer für uns."

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