Vorfreude auf reformierte Liga

Durch die Neustrukturierung der Mittelsachsenklasse ergeben sich künftig mehr regionale Duelle im Unterhaus des Fußball-Kreisverbandes. Fast die halbe Kreisliga steigt auf.

Mittweida/Freiberg.

Trotz des Saisonabbruchs hat der Kreisverband Fußball (KVF) beschlossen, die Reform der Mittelsachsenklasse nicht zu verschieben. Aus einer Staffel mit 14 Teams werden zwei zu je zwölf Mannschaften. Dazu rücken aus den beiden Kreisligen bis zu elf Mannschaften nach oben.

"Wir nehmen unser Aufstiegsrecht auf jeden Fall wahr", sagt der Fußball-Abteilungsleiter des SSV Königshain-Wiederau, Heiko Heinig. Die verjüngte Mannschaft des Tabellendritten der Kreisliga Nord, die zudem im Viertelfinale des Kreispokals steht, sei der Herausforderung eine Liga höher allemal gewachsen. Zu den Aufsteigern gehört auch Nord-Tabellenführer Rotation Göritzhain. "Wir wollen hoch, hätten es aber gern sportlich geschafft", erklärt Vereinsvorsitzender Benjamin Zschage. Die Reform trotz des Abbruchs der Saison durchzuziehen, hält der Vereinschef, der selbst in der ersten Mannschaft spielt, für vertretbar. "Ambitionierte Vereine, die nicht nach oben können, fühlen sich jedoch bestimmt benachteiligt." Immerhin würden so die Leistungen der Hinrunde honoriert.

Für den Lunzenauer Vereinschef Tommy Haeder wäre dagegen eine Verschiebung sinnvoller gewesen. "Die Reform der Landesklasse wurde auch um ein Jahr vertagt", sagt er. Dass die ersten drei Mannschaften jeder Kreisliga-Staffel fest aufsteigen dürfen, sei in Ordnung. Haeder findet aber die Quotientenregelung ungünstig. "Zumal es im Mittelfeld der Tabelle sehr eng zugegangen war."

So könnte der Vierte der Kreisliga Nord, der Riechberger FC, sogar mit einem negativen Torverhältnis (19:23) aufsteigen. "Ich denke, dass die Mannschaft den Schritt wagt", sagt RFC-Schatzmeisterin Susanne Ulber. Aber auch der Vorstand werde nochmals dazu beraten. "Schließlich werden die Schiedsrichterkosten steigen, da wir dann auch wieder Linienrichter entschädigen müssen." Ähnliche Überlegungen gibt es beim Nord-Fünften, dem Rossauer FC. "Wir wollen in der Mittelsachsenklasse starten, die Staffelreform kommt uns entgegen", sagt Vereinschef Matthias Reinke. Zudem sei sie von den Vereinen gefordert worden. Er bezweifelt aber, dass in naher Zukunft auf Kreisebene der Ball rollt.

Definitiv in der Mittelsachsenklasse spielen wird in der kommenden Saison der VfB Saxonia Halsbrücke. Eigentlich sind Spielgemeinschaften, in diesem Fall Halsbrücke und Conradsdorf, in den beiden höchsten Ligen des Kreises nicht erlaubt. Doch das sei kein Problem, erklärt Mathias Ufer, der Vorsitzende des VfB: "Die Spielgemeinschaft wird zum Sommer aufgelöst. Wir treten dann wieder als Saxonia Halsbrücke an." Zuletzt seien nur noch zwei oder drei Spieler aus Conradsdorf im Kader gewesen, so Ufer. "Das können wir, auch dank unserer Jugendarbeit, abfedern." Die Halsbrücker befürworten die Reform. "Natürlich profitieren wir davon, als Dritter aufzusteigen", sagt Ufer. "Durch die Aufteilung sind die Reisewege kürzer und man hat mehr regionale Duelle. Das spricht für die Reform." Die Mannschaft sieht der VfB-Chef gewappnet für die neue Spielklasse: "Wir haben einen jungen Kader und sind gut aufgestellt. Ich bin optimistisch, dass wir mithalten können."

Auch bei der SG Dittmannsdorf freut man sich schon auf die Neuauflagen der Derbys gegen den ortsnachbarn Halsbrücke, hält sich ansonsten aber bedeckt. "Besser wäre es gewesen, man hätte das noch ein Jahr verschoben", sagt Abteilungsleiter Tony Zschommler. Der Staffeleinteilung sieht er gelassen entgegen. "Die Wege werden etwas kürzer, aber viel ändert sich für uns nicht", so Zschommler, der dafür eine qualitative Verschlechterung des Niveaus befürchtet. "Aber da muss man sehen, wie sich das entwickelt."

Die Kicker von Wacker Auerswalde interessiert die Reform der Mittelsachsenklasse nur sekundär. "Wir dürfen glücklicherweise in die Mittelsachsenliga", jubelt Vereinschef Denny Haunstein. "Das war unser erklärtes Ziel." Der 39-Jährige kann sich zudem über Platz 1 in der Torschützenliste freuen, gemeinsam mit dem Großhartmannsdorfer Tobias Neubert. 14-mal trafen beide.

Beim Siebenlehner SV, dem direkten Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg in die Mittelsachsenliga, ist man vor allem mit der Wertung der Saison nicht ganz so glücklich. "Es ist unbestritten, dass Auerswalde bis zum Abbruch die beste Mannschaft war und sich den Aufstieg verdient hat", sagt SSV-Trainer Andreas Schnobl. "Wir gucken jetzt natürlich dumm aus der Wäsche." Man habe darauf gehofft, dass der Kreisverband zwei Vereinen das Aufstiegsrecht ins "Oberhaus" gewährt, wie es laut Schnobl vor der Saison vom KVF kommuniziert wurde. Auch dass die Spielklassenreform durchgezogen wird, wundert den Siebenlehner Trainer. "Es hieß ja lange, dass sie verschoben wird." Aufwand und Nutzen sieht er in keinem Verhältnis. "Aber die Entscheidung wurde nun so getroffen, das müssen wir akzeptieren."

Enttäuscht ist Andreas Schnobl in erster Linie vom Verband, der die Vereine bei der Einteilung der Staffeln bislang nicht ins Boot geholt hat. "Viele Fragen sind noch unbeantwortet." Die Vereine habe seines Wissens nach aber noch niemand gefragt. "Mal sehen, ob da noch etwas kommt."

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