"Weiter neue Wege gehen"

Fußball: Der neue Frankenberger Abteilungsleiter Thomas Wickleder über Vereinskodex, Konzepte und Visionen

Frankenberg.

Die Fußballer des SV Barkas Frankenberg haben einen neuen Chef. Thomas Wick- leder steht seit einigen Tagen an der Spitze der 300-köpfigen Abteilung, die Barkas zum mitgliederstärksten Verein im Kreisverband Fußball macht. Mit dem 57-jährigen Pharmareferenten hat Steffen Bauer gesprochen.

Freie Presse: Herr Wickleder, eigentlich hatten Sie ja bislang mit dem Frankenberger Fußball gar nicht viel zu tun?

Thomas Wickleder: Stimmt. Ich habe zwar bis zur A-Jugend selbst gespielt, aber in Chemnitz bei Germania. Ich bin jedoch schon seit vielen Jahren Mitglied bei Barkas und jetzt auch durch meinen Sohn Moritz mit dem Verein verbunden. Er hat in Chemnitz und Hohenstein-Ernstthal das Fußball-Abc erlernt und spielt seit zwei Jahren in Frankenberg. Als ich kürzlich gefragt wurde, ob ich nicht vielleicht in der Abteilungsleitung mitarbeiten möchte, habe ich mich letztlich schnell überzeugen lassen.

Und haben jetzt gleich einen ganzen Aufgabenberg vor sich. Zudem ist es beim SV Barkas nicht immer ruhig zugegangen ...

Das ist ein Punkt, an dem wir arbeiten. Wir hatten zuletzt unter anderem Probleme, was die Disziplin angeht - und das betrifft nicht nur gelbe oder rote Karten. Wir wollen deshalb zur Verbesserung der Außendarstellung einen Vereinskodex erarbeiten, bei dem der Gedanke des Fair-Play unbedingt im Mittelpunkt steht - auf und neben dem Platz.

Was haben Sie in den nächsten zwei Jahren noch alles auf dem Zettel stehen?

Nachdem die alte Abteilungsleitung um Tommy Krumbiegel schon viele neue Ideen angegangen ist und unseren Jugendbereich auf ein neues Niveau gehoben hat, wollen wir diesen Weg weitergehen. Und natürlich steht auch die Konsolidierung der Männermannschaften sowie mittelfristig der Wiederaufstieg in die Landesklasse auf dem Plan.

Der Barkas-Nachwuchs spielt inzwischen mit drei Teams in der zweithöchsten sächsischen Liga. Das Ziel Talentezentrum scheint keinesfalls nur eine Vision?

Wir werden im Frühjahr ein neues beziehungsweise verfeinertes Konzept vorstellen, wie wir das Ziel Nachwuchsschmiede in Mittelsachsen erreichen können. Wir möchten zum Beispiel allen Teams lizenzierte Trainer an die Seite stellen, um das Niveau langfristig abzusichern und noch anzuheben. Dazu ist aber auch ein solides finanzielles Konzept notwendig.

Haben Sie noch andere Visionen?

Wir haben auf alle Fälle viel vor - und wollen dabei alles auch auf viel mehr Schultern verteilen als bisher. Zum neu zusammengestellten sogenannten Kompetenzteam gehören elf Personen. Und eine Vision ist sicherlich, hier in Mittelsachsen ein wirklich bedeutendes Talentezentrum zu schaffen. Ein neuer Ansatz wäre zum Beispiel die Gründung eines Fördervereins.

In Sachen Mitgliederentwicklung scheint Barkas auch auf der Überholspur?

Mit rund 300 Mitgliedern sind wir der mitgliederstärkste Fußballverein in Mittelsachsen, davon sind mehr als zwei Drittel Kinder und Jugendliche. Diese Basis müssen wir festigen und pflegen. Durch die Spielgemeinschaft mit Wacker Auerswalde im D- und C-Juniorenbereich konnten wir zudem unsere Kapazitäten erweitern. Wir wollen die Zusammenarbeit jetzt auch auf den Schiedsrichterbereich ausdehnen. Auf dieser Ebene müssen wir mehr investieren.

Ausgerecht bei den ersten Männern, dem Aushängeschild in jedem Verein, läuft es auch in dieser Saison alles andere als rund. Nach drei Niederlagen am Stück steckt das Team sogar mitten im Abstiegskampf.

Wir sehen diese Spielzeit als Übergangsjahr. Wir hatten nach dem Abstieg aus der Landesklasse einen großen Aderlass. Viele Leistungsträger haben uns verlassen, andere sind verletzt. Das Ziel für 2018/19 kann deshalb nur Klassenerhalt heißen - und das wird bei unserer dünnen Personaldecke schwer genug. Wir müssen uns im Männerbereich gegenseitig helfen und vor allem kontinuierlich schon junge Spieler aus der A-Jugend heranführen.

Im Kreispokal ist Ihre Mannschaft noch im Rennen, und an den Achtelfinalgegner am Sonntag, dürften Sie auch ganz gute Erinnerungen haben?

Wir sind bei Germania Mittweida mit einem 1:0-Auswärtssieg in die Saison gestartet, wobei mein Sohn Moritz früh das goldene Tor erzielte. Wir wollen das Spiel am Sonntag nutzen, um uns für den Rest der Saison neu zu motivieren. Wir werden den Pokalwettbewerb keinesfalls herschenken, um uns auf den Abstiegskampf in der Mittelsachsenliga zu konzentrieren. Die Fans im Hammertal bekommen einen ordentlichen Kampf geboten.

Was erwarten Sie als Chef der größten Fußball-Abteilung im Landkreis vom morgigen Verbandstag des KVF Mittelsachsen?

Unter anderem, dass man auch auf Verbandsebene frischen Wind hineinbringt. So müsste zum Beispiel die Nachwuchsarbeit der Vereine vom KVF mehr unterstützt werden. Wir hoffen und erwarten, dass auch beim Kreisverband bald neue Wege eingeschlagen werden.

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