Zwei Talente schwimmen nach vorn

Bei Kristin und Magnus Bergmann vom ATSV Freiberg kehrt nach Corona der Alltag zurück. Bei einem ersten Wettkampf am Landesstützpunkt konnten beide zudem glänzen.

Freiberg.

Zwar haben in Sachsen gerade die Ferien begonnen, doch für Kristin und Magnus Bergmann gibt es noch keine Pause. Drei Wochen trainieren die beiden jungen Schwimmer des ATSV Freiberg noch weiter, ehe eine kurze Auszeit wartet. Ab der fünften Ferienwoche geht es dann aber schon wieder zurück ins Becken, sagt Trainer Ralph Jandt, der die beiden Leistungssportler am Landesstützpunkt Chemnitz unter seinen Fittichen hat.

Dabei hätten sich die zwei Sportgymnasiasten aus Freiberg durchaus schon jetzt ihre Ferien verdient. Denn bei einem Test des Stützpunktes, der kürzlich im Sportforum Chemnitz über die Bühne ging, haben die beiden ATSV-Asse ihre Leistungsstärke gerade nachdrücklich unterstrichen. So schwamm sich Kristin Bergmann über 50 Meter Rücken in 0:32,88 min an die Spitze der nationalen Bestenliste ihres Jahrgangs 2008, während Bruder Magnus (14) über 50 Meter Delfin in 0:29,08 min glänzte.

"Kristin ist ein Toptalent", lobt Jandt. Die Zwölfjährige, die seit 2018 am Sportgymnasium Chemnitz lernt und trainiert, sei in allen Dis- ziplinen unter den zehn besten Schwimmerinnen ihres Jahrgangs in Deutschland. Dass sie beim internen Wettkampf, einem Mehrkampf über je 50Meter Delfin, Rücken, Brust und Freistil sowie 200Meter Lagen, dennoch "nur" Zweite wurde, liege daran, "dass mit Yara Riefstahl auch die absolute Nummer 1 dieses Jahrgangs in Deutschland bei uns trainiert", erklärt der 56-jährige Übungsleiter, der ebenfalls aus Mittelsachsen kommt. Jandt ist gebürtiger Rochlitzer, unterrichtet Sport und Gemeinschaftskunde am Sportgymnasium und ist seit 17 Jahren als Schwimmtrainer tätig.

Magnus Bergmann stehe seiner erfolgreichen Schwester, die im Vorjahr bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften der AK 11 Bronze gewann, kaum noch nach, so Jandt - obwohl er erst seit Februar in Chemnitz trainiert. Der 14-Jährige, der bereits 2,01Meter misst, habe innerhalb kurzer Zeit den Sprung unter die Besten in Sachsen geschafft. "Er hat sich toll entwickelt", lobt der Trainer den Achtklässler. "Ich wollte ihn unbedingt in meiner Gruppe am Landesstützpunkt haben."

Der Wettkampf wie auch das Training, das Mitte Juni wieder anlief, waren "ein großer Schritt zurück in die Normalität", so Jandt. Der Test im Sportforum sei sogar der erste Schwimmwettkampf auf einer 50-m-Bahn in Deutschland überhaupt nach Corona gewesen.

Der normale Trainingsplan umfasst jetzt wieder 13 Einheiten pro Woche für die Schwimmtalente, darunter fünfmal Athletik, erklärt der Übungsleiter, der früher selbst vier Jahre die Sportschule besuchte. Im Becken kommen wöchentlich 25 bis 30 Kilometer zusammen. Aber auch im "Homeoffice" während der Corona-Zwangspause hatten Kristin und Magnus Bergmann mehrmals täglich trainiert, so Mutter Silvia. "Jetzt sind sie sehr froh, wieder ins Wasser zu dürfen und dass alles normal läuft." Zumindest fast: Da sie zeitweise nicht ins Internat konnten, zogen sie mit einigen Teamkollegen in eine Ferienwohnung, während die Trainer sich bereit erklärt hatten, "die Kinder täglich zu fahren und auch mit zu übernachten", berichtet Silvia Bergmann. "Toll, dass es solche Trainer gibt."

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44 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    klapa
    23.07.2020

    Danke für die Info, 891994.

    'Leider hängen aber Förderungen im Bereich des Leistungssportes auch sehr stark vom Geldbeutel der Eltern ab.'

    Dass sich Übungsleiter mit großem Engagement um den regionalen Kindersport auch im Schwimmsport bemühen und da auch Wochenenden dran hängen, ist mir aus meinem Bekanntenkreis geläufig.

    Aus Gesprächen erfährt man allerdings auch, dass von oberhalb dieser Ebene kaum Unterstützung daher kommt.

    Daraus leite ich die Vermutung ab, dass es so etwas wie ein zentrales Talentesichtungsprogramm wenigstens in groben Umrissen einschließlich der daraus abzuleitenden finanziellen Unterstützung für die betreffenden Familien beim DSV nicht gibt. Richtig?

  • 2
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    891994
    23.07.2020

    Das mit der Sichtung von Talenten ist unterschiedlich. Es gibt Vereine, die auch in die KITAs gehen, aber die meisten bieten Schwimmlernkurse an und führen dann mit einem Teil der Kinder das Anfängertraining fort. Da erkennt man dann schon langsam Talente. Ab und zu gibt es aber auch "Spätentwickler". Leider hängen aber Förderungen im Bereich des Leistungssportes auch sehr stark vom Geldbeutel der Eltern ab.

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    klapa
    22.07.2020

    Beruht eigentlich das Finden von Talenten im DSV nach wir vor mehr oder weniger auf Zufällen oder gibt es so etwas wie ein System, mit dessen Hilfe man talentierte Mädchen und Jungen finden und erreichen kann.

    Filtern und Sichten ist in allen gesellschaftlichen Bereichen ein gängige System. Beim DSV auch?

    Oder ist es für die Offiziellen viel beliebter, sich im Licht aufgehender Sterne zu sonnen, wenn es denn passiert?

  • 2
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    891994
    22.07.2020

    Gut, dass es im Schwimmsport endlich wieder einigermaßen normal zugeht. Ein Schwimmer kann nicht nur Athleiktraining machen, er benötigt auch ein gutes Wassergefühl. Der Weg zurück ins Becken hätte allerdings viel früher vollzogen werden können, denn Chlor desinfiziert.