17-stündige Schinderei mit Happyend

Stephan Mende hat in den Alpen einen der härtesten Triathlon-Wettkämpfe der Welt mit Bravour gemeistert. Er ist der Vogtlandsportler der Woche.

Markneukirchen.

Die Ausfallquote sagt fast schon alles: Von 110 Athleten, die sich an die dritte Auflage des Livigno Extremtriathlons in den Alpen wagten, kamen 29 ins Ziel. Stephan Mende vom Triathlonteam Vogtland war einer von ihnen. Nach 16:33 h fand die Schinderei für ihn ein Ende. Er fiel nach 3,8 km Schwimmen in einem 15 Grad kalten Bergsee, 195 km Radfahren mit 5000 Höhenmetern und dem abschließenden Marathon mit nochmals 1200 Höhenmetern in die Arme seines Betreuerteams.

Nach dem Zieleinlauf überwältigten ihn die Gefühle. "Das habe ich so noch nie erlebt. Es war einfach unbeschreiblich", sagt der 37-jährige Markneukirchener, der als Siebenter im internationalen Feld zweitbester Deutscher wurde und damit seine eigenen Erwartungen übertraf. Mit dieser Leistung gehört er endgültig zu den ganz Harten in der Triathlonszene, auch für seinen Teamkameraden Stefan Henneberg, der als Betreuer mit nach Italien gekommen war. "Ich kenne keinen mit so viel Disziplin, Biss und Zähigkeit. Er hat mit einer stoischen Ruhe alle Widrigkeiten ertragen", schrieb "Henne" kurz nach dem Wettkampf auf der Facebookseite des Vereins.

Denn extrem waren beim Triathlon von Livigno, der 5.15 Uhr gestartet wird, nicht nur die Strecken, extrem war vor allem auch das Wetter. "Beim Schwimmen konnte man sich ja drauf einstellen, dass es früh noch dunkel und das Wasser kalt ist", berichtet Stephan Mende. Doch auch fürs Radfahren und Laufen waren die Rahmenbedingungen mit anhaltendem Regen, Schneeregen und einstelligen Temperaturen alles andere als optimal. "Kälte und Nässe ist genau das, was ich nicht so mag. Du hoffst die ganze Zeit, dass es aufhört zu regnen. Aber den Gefallen tut dir keiner und du kühlst allmählich aus und wirst regelrecht steif", sagt der gebürtige Reichenbacher.

So erwischte es den bei 1,78 m Körpergröße nur 64 kg schweren Triathleten ausgerechnet auf seiner Spezialdisziplin, dem Radfahren. Er machte auf den ersten 150 Kilometern zunächst mehr als 20 Plätze gut und fuhr bis auf Rang 4 vor. Doch die Auffahrt zum Stilfser Joch wurde zur Qual. "Ich bin regelrecht hochgeeiert und habe oben erstmal eine längere Pause eingelegt", erinnert er sich. Seine Familie und sein Freund Henneberg ver- und umsorgten ihn so gut es geht. "Die Top 10 hatte ich längst abgeschrieben. Aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Dafür hatte ich zu viel in die Vorbereitung investiert", sagt Stephan Mende.

Fast wie im Trance nahm der Vogtländer so nach elfeinhalbstündiger Wettkampfzeit die abschließenden 42,2 Laufkilometer hinauf in das auf 3000 m Höhe gelegene Skigebiet Carosello in Angriff. An der ersten Verpflegungsstelle war es die Information, dass er auf Platz 11 liegt, die neue Kräfte weckte. Begleitet von Stefan Henneberg, der seinen Teamkollegen immer wieder daran erinnerte, etwas zu essen und zu trinken, gelang Stephan Mende am Ende sogar die zweitschnellste Marathonzeit des Tages. Wahnsinn!

Dass der Musikinstrumentenbauer am Montag darauf schon wieder auf Arbeit ging, hatte einen einfachen Grund. Der Urlaub war nicht zuletzt aufgrund der intensiven Vorbereitung aufgebraucht. Das große Pensum ist es auch, das ihn daran zweifeln lässt, ob er ein zweites Mal in Livigno startet. Wobei er sagt: "Es würde mich schon interessieren, wie weit vor es bei besserem Wetter gegangen wäre..."

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