Alles auf Anfang in Vogtlandliga: Wacker soll nun doch absteigen

Erneut ist eine Entscheidung des Vogtländischen Fußball-Verbandes vom Sportgericht aufgehoben worden. Ein Ende des monatelangen Streits um Abstieg oder Nichtabstieg ist allerdings nicht in Sicht.

Plauen.

Zwei Spieltage nach Saisonbeginn soll der 1. FC Wacker Plauen die Fußball-Vogtlandliga verlassen und in die Vogtlandklasse eingestuft werden. Die bisher ausgetragenen Spiele - 2:5 gegen Irfersgrün und 2:0 gegen Schreiersgrün - werden annulliert. Das hat jetzt das Sportgericht des Vogtländischen Fußball-Verbandes (VFV) entschieden und damit einer Klage des FC Fortuna Plauen und des SV Grün-Weiß Wernesgrün stattgegeben. Für das VFV-Präsidium ist das die zweite Niederlage innerhalb weniger Wochen vor dem eigenen Sportgericht.

Ausgangspunkt des Rechtsstreits war der Entzug der Spielerlaubnis für den FC Werda für die Vogtlandliga in der Sommerpause durch den VFV wegen der vermeintlichen Nichterfüllung des Nachwuchssolls - der FC hatte Nachwuchsfußballer verpflichtet und sie mit Gastspielgenehmigung an ihre bisherigen Vereine wieder abgegeben. Dem sportlich eigentlich abgestiegenen 1. FC Wacker wurde daher mitgeteilt, dass er in der Liga bleiben dürfe. Die Werdaer wehrten sich jedoch erfolgreich gegen den Zwangsabstieg. Nachdem das Sportgericht des VFV die Rückstufung als ungerechtfertigt bewertet hatte, zog das VFV-Präsidium vor das Sportgericht des Sächsischen Fußball-Verbandes, das jedoch das Urteil der vogtländischen Kollegen bestätigte.

Daraufhin entschied sich der VFV, die Vogtlandliga mit 15 Mannschaften spielen zu lassen statt mit 14 - also mit Werda und Wacker - und die Vogtlandklasse mit 13. Das hatte zur Folge, dass es in beiden Ligen immer eine spielfreie Mannschaft gibt. Das rief nun andere Vereine auf den Plan, die kein Verständnis dafür aufbrachten, dass eine sportlich abgestiegene Mannschaft in der Liga bleiben darf. Fortuna und Wernesgrün klagten - mit dem bekannten Ergebnis.

VFV-Präsident Andreas Wehner, selbst Mitglied im Wernesgrüner Verein, zeigte sich im Gespräch mit der "Freien Presse" ernüchtert. "Wir sind mit dieser Sportgerichtsentscheidung natürlich nicht einverstanden, zumal wir einige inhaltliche Fehler sehen. Wir werden es aber akzeptieren, verzichten auf eine Berufung und müssen das Urteil jetzt eben umsetzen." Allerdings wird der Verband nicht, wie gefordert, einen neuen Spielplan erstellen, sondern Wacker in den derzeitigen einbauen. Was heißt, dass die Plauener jetzt immer auf den Verein treffen, der eigentlich spielfrei hätte. Das beträfe am bevorstehenden Wochenende den FSV Bau Weischlitz, der so schnell aber nicht mehr umschalten konnte. Nun soll Wacker sein erstes Vogtlandklasse-Spiel am 14. September gegen den VfB Plauen Nord bestreiten.

Wenn es denn dazu kommt. Denn Ruhe scheint in dieser verfahrenen Kiste längst nicht einzukehren. "Wir waren geschockt, als wir von dem Sportgerichtsurteil erfahren haben", sagte Wacker-Vereinschef Andreas Seidel der "Freien Presse". Sein Vorstand beschloss am Mittwochabend einstimmig, gegen die Einstufung in die Vogtlandklasse zu klagen.

"Dieser in Deutschland wohl einmalige Vorgang, dass eine Mannschaft nach zwei absolvierten Spieltagen absteigen muss, ist aus unserer Sicht nicht rechtens", heißt es in einer Stellungnahme, die der 1. FC Wacker am Donnerstag der "Freien Presse" zusandte. Es sei nicht nachvollziehbar, "dass wir - wohlgemerkt ohne eigenes Verschulden oder Zutun - nach insgesamt vier Pflichtspielen in der Saison 2019/ 2020 von einem Wettbewerb ausgeschlossen werden, in welchem wir bereits zwei Spiele absolvierten. Wir fühlen uns in der aktuellen Situation als Spielball, der von verschiedenen Verbandsinstitutionen herumgereicht wird. Dies lassen wir uns - im Sinne unserer Mitglieder/ innen und Spieler - nicht gefallen. Wir werden die zur Verfügung stehenden Mittel ergreifen, um gegen das unserer Meinung nach nicht rechtmäßige Urteil des Sportgerichts vorzugehen", heißt es in dem Schreiben.


Tabellenführer trifft auf starken Aufsteiger

Pikanterweise sollten am 3. Vogtlandliga-Spieltag Werda und Wacker Plauen - die Vereine, um die sich der Rechtsstreit um Abstieg und Nichtabstieg entzündete, - aufeinandertreffen. Das Spiel ist nach dem Urteil des Sportgerichts abgesagt, beide Vereine haben spielfrei, ebenso wie der FCFortuna Plauen. Der aktuelle Tabellenführer VfB Auerbach II trifft am Samstag, 15 Uhr auf den starken Aufsteiger SG Jößnitz. Der hat zuletzt mit dem Sieg in Kottengrün Selbstvertrauen getankt. Staffelfavorit Treuen peilt in Irfersgrün den zweiten Dreier der Saison an. Die noch punktlosen Rotschauer müssen nach Wernesgrün, das auch erst einen Zähler aufweist. Kottengrün, ebenfalls noch ohne Zähler, fährt zu den überraschend starken Unterlosaern, aktuell Zweiter. Syrau ist im Heimspiel Favorit gegen Rodewisch, ebenso wie Schreiersgrün gegen Erlbach. (pj)

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