Auerbach lässt zu viele Chancen in Berlin liegen

Fußball-Regionalliga: Der VfB verpasst bei Hertha II eine "Pokalsensation"

Berlin.

In der vergangenen Saison hatte der VfB Auerbach den großen Traum von einem Spiel im DFB-Pokal verpasst. Gestern erlebten die Regionalliga-Kicker, wie es sich anfühlen dürfte, wenn ein Viertligist im Pokal auf einen großen Profi-Klub trifft. David gegen Goliath, krasser Außenseiter gegen ausgebuffte Favoriten-Elf. Der einzige Unterschied für den VfB bei Hertha BSC II: Statt 120.000 Euro Antrittsprämie gab es für die Vogtländer nur Spesen und eine ärgerliche 0:2-Niederlage.

Berlins Trainer Ante Covic griff gleich auf sechs Spieler aus dem Profi-Kader zurück, darunter der frühere Dresdner Alexander Esswein, der tschechische Nationalspieler Vladimir Darida und der ehemalige Auer Pascal Köpke. Allein diese Namen sprechen für sich. Und wenn dann auch die Trainersöhne Maurice Covic und Palko Dardai dazukommen, steht fest: Gegen so einen Gegner ist Auerbach klar unterlegen. Auf dem Papier. "Das ist schon in Ordnung und legitim", wiegelte Auerbachs Trainer Sven Köhler ab. "Wenn ich in der Berliner Rolle wäre, würde ich es genauso machen." Kein Vorwurf also der Wettbewerbsverzerrung.

Ganz im Gegenteil: Der Trainer gab seinen Jungs die Richtung vor - und die lautete: Mit Selbstbewusstsein und Freude diese Herausforderung annehmen. "Wir haben uns daran hochgezogen und versucht, das Beste daraus zu machen." Denn oft kommt es im DFB-Pokal vor, dass auch mal der Außenseiter den vermeintlichen Favoriten schlägt. Wie dies funktionieren könnte, zeigte Auerbach unweit des großen Olympiastadions in Berlin. Der VfB suchte die Zweikämpfe und versuchte, Berlin nicht ins Spiel kommen zu lassen. Und das gelang sogar: Denn über 90 Minuten gab es nur wenige Spielphasen, in denen Berlin drückend überlegen war.

Das hatte Hertha aber auch nicht nötig: Denn Auerbach unterlief früh der entscheidende Fehler: Bei einem schnellen Gegenzug standen die Defensivspieler zu weit weg: Köpke nahm den Ball herunter, leitete ihn weiter auf Muhammed Kiprit. Und der traf überlegt aus 20 Metern (4.). "Das kann schon mal passieren", sagte Sven Köhler. "Allerdings hätten wir zuvor in Führung gehen müssen." Marc-Philipp Zimmermann fehlte der Torriecher, als er aus Nahdistanz den Ball unmittelbar vorm 0:1 nicht im Tor unterbrachte. Das war ärgerlich, denn wenn der Underdog den Favoriten ärgern will, muss er solche Situationen nutzen. Noch bitterer: Es waren nicht die einzigen Szenen, die nach einem VfB-Tor rochen. Nur: Es kam nichts Zählbares dabei heraus: Vaclav Heger (6.), Marc-Philipp Zimmermann (29.) und André Herold (31.) ließen die Gelb-Schwarzen verzweifeln.

So bewahrheitete sich diesmal nicht die Pokalweisheit, dass es keine Kleinen mehr gibt, sondern ein anderer Fußball-Gemeinplatz: Wer seine Chancen nicht macht, wird bestraft. Nach der Pause hatte Auerbach zwar mehr vom Spiel, aber das Tor machte Berlin. Bei einem Freistoß verlängerte Marcel Schlosser unglücklich den Ball, Köpke nahm an, tanzte Stürmerkollege Zimmermann aus und drückte den Ball über die Linie (56.). "Das Tor darf nicht fallen", sagte Köhler. Es war die gefühlte Vorentscheidung, zumal Heger nochmals die Chance zum Anschlusstreffer vergab (80.).

Statistik Auerbach: St. Schmidt - Heger, Sieber/V, Lietz, Stock/V - P. Müller, Herold (67. Mielke) - Wild (67. Miertschink), Kadric, Schlosser (82. Shoshi) - Zimmermann. Tore: 1:0 Kiprit (4.), 2:0 Köpke (56.). Zuschauer: 358. SR: Lämmchen (Meuselwitz).

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...