Den Kopf lässt keine hängen

Christiane Gotte, Kapitänin des Landesligisten SGJößnitz, bekam vom Sächsischen Fußballverband einen Fair-Play-Preis verliehen. Die damit verbundene Prämie hat sie nicht behalten.

Jößnitz.

Stell dir vor, du spielst gegen den haushohen Favoriten der Staffel, es steht noch 0:0, und du bekommst einen Elfmeter zugesprochen. Fast jeder würde versuchen, den unerwarteten Vorteil für sich zu nutzen. Nicht so Christiane Gotte. Die Kapitänsfrau des Fußball-Landesligisten SG Jößnitz ging in genau dieser Situation am dritten Spieltag der Fußball-Landesliga gegen Phoenix Leipzig, die Übermannschaft der Liga, zu Schiedsrichter Justin Reiche und klärte ihn auf, dass sein Elfmeterpfiff unberechtigt war. Nicht durch ein Foul sei sie im Strafraum zu Fall gekommen, sondern weil sie im Rasen hängen blieb. Reiche nahm seine Entscheidung zurück, Jößnitz verlor am Ende 0:12.

Für diese Geste bekam Christiane Gotte vorigen Sonntag den Fair-Play-Preis des Monats des Sächsischen Fußballverbandes von dessen Vizepräsidenten Christoph Kutschker verliehen. "Fair Play bedeutet für mich, respektvoll und ehrlich mit dem Schiedsrichtern und den Gegenspielerinnen umzugehen. Außerdem ist es nicht nur im Fußball wichtig sondern in allen Lebenslagen."

Den Blick über den Tellerrand hinaus bewies die 30-Jährige auch im Umgang mit der Prämie, die mit dem Preis verbunden ist. Eigentlich waren die 250 Euro für die Mannschaftskasse vorgesehen, doch Gotte und ihre Mitspielerinnen beschlossen unter der Woche, das Geld dem in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Fußball-Bundesligisten FF USV Jena zu spenden. "Das ist sicher nur ein kleiner Betrag, aber vielleicht kann er ja wie ein Schneeball, der eine Lawine auslöst, auch etwas Größeres bewirken", sagt sie der "Freien Presse".

Die Unterstützung für die Thüringerinnen kommt nicht von ungefähr. Christiane Gotte hat nach einem Jahr beim FC Erzgebirge Aue von 2007 bis 2013 beim USV Jena gespielt, zumeist in der zweiten Mannschaft, mit der sie 2011 auch den Aufstieg von der Regionalliga in die 2. Bundesliga schaffte. Die Plauenerin hatte mit 33 Toren in 20 Spielen daran gehörigen Anteil. 2012 debütierte sie sogar in der Jenaer Erstligamannschaft, mehr als zwei Einsätze sollten es dort nicht werden.

"2013 kam ich dann aus beruflichen Gründen nach Jößnitz zurück. Die Verbindungen nach Jena sind aber nie abgerissen, mit dem Trainer habe ich noch regelmäßig Kontakt, auch mit den Spielerinnen der zweiten Mannschaft gab es jetzt erst ein Treffen." Mit Maxi Lehnard aus Erlbach zählt dort eine weitere Vogtländerin zu den Leistungsträgern.

Mit der SG Jößnitz, bei der sie als Zehnjährige mit dem Fußballspielen begonnen hatte, durchlebt Christiane Gotte derzeit schwere Zeiten. Zwar begann es mit einem 5:1-Sieg gegen Mitaufsteiger Radebeul richtig gut, dass das aber die einzigen drei Punkte bisher bleiben sollten, konnte damals im August noch keiner ahnen. Der letzte Tabellenplatz ist die logische Folge. Für Christiane Gotte spiegelt das jedoch nicht das reale Leistungsvermögen ihrer Mannschaft wider: "Wir hatten ab dem ersten Spieltag viele Verletzte, darunter mehrere Leistungsträger. Das konnten wir nicht kompensieren."

Vom Köpfehängenlassen könne trotz teils heftiger Klatschen aber überhaupt keine Rede sein. "Es klingt vielleicht komisch, aber diese Niederlagen haben die Mannschaft enger zusammenrücken lassen. Wir haben in den vergangenen Wochen sehr viel gelernt." Was auch an dem Unterschied zur Landesklasse liegt, aus der die Jößnitzerinnen kamen. "Der ist wirklich krass, das Niveau ist sehr viel höher. Dass es da für uns als Aufsteiger schwierig wird, war uns klar."

Ziemlich weh taten die beiden jüngsten Niederlagen - 1:2 in Radebeul, 2:3 daheim gegen Spitzkunnersdorf. "Das waren beides schlagbare Gegner. Aber wenn du von 20Spielerinnen, mit denen wir in die Saison gegangen sind, nur noch gerade so elf zur Verfügung hast, merkt man das eben." Auch morgen zum letzten Spiel des Jahres wird Jößnitz nur eine Notelf aufbieten können. 14 Uhr wird auf dem Plauener Helbig-Platz das Spiel gegen den Tabellensiebenten SG Leipziger Verkehrsbetriebe angepfiffen. Das Hinspiel ging 2:6 verloren.

Egal, mit welchem Ergebnis es in die Winterpause geht, die Jößnitzer Kapitänin, die die Aral-Tankstelle in Falkenstein betreibt, ist überzeugt, dass ihre Mannschaft die rote Laterne im Frühjahr abgibt. "Die verletzten Spielerinnen kommen alle wieder, und wir sind durch die Erfahrungen der letzten Wochen stärker geworden. Wir werden noch ein paar Punkte holen."

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