Der Dirigent ist zurück

Der langzeitverletzte André Herold hat in Chemnitz sein Comeback gegeben. Vor allem die zweite Hälfte war schon ganz ordentlich.

Chemnitz.

So kennt man ihn: André Herold spricht, er dirigiert und weist seine Mitspieler an, was sie tun sollen. Auf dem Platz ist der schmächtige Mittelfeldspieler ein Lautsprecher. "Jeder in Auerbach identifiziert mich damit, dass ich viele rede", sagt er. Lange Zeit sprach er vor allem neben dem Spielfeld. Beinahe zwei Jahre lang war Herold auf dem Platz kaum zu sehen. Eine Leidenszeit, die nun ein Ende fand. Nachdem er die gesamte Vorbereitung unter VfB-Trainer Sven Köhler beschwerdefrei absolvierte, kam am Samstag sein großer Tag. Beim 1:2 beim Chemnitzer FC stand der 23-Jährige in der Auerbacher Startelf.

Zuletzt hatte er am 15. Mai 2016 gespielt. Dann schmissen Rückenbeschwerden das Talent aus der Bahn. Ab und an testete er den malträtierten Körper in der Zweiten. "Ein Dreivierteljahr habe ich gar keinen Sport betreiben können", sagt er. "Nicht mal Schwimmen war drin." Es waren schmerzhafte Monate für einen, der den Fußball liebt und lebt. "André ist ein strategisch denkender Fußballer", sagt VfB-Manager Volkhardt Kramer. Einer, der im Mittelfeld die Fäden ziehen kann. Nachdem nun die Lücke in der Auerbacher Zentrale immer größer wurde, rutschte Herold fast automatisch in die Startformation. Daniel Tarczal verletzt, Philipp Kötzsch nicht mehr im Verein - genau wie Alexander Mattern. VfB-Coach Sven Köhler hat keinen nominellen Sechser - bis auf André Herold. Und so ließ er ihn von der Leine, gleich neben seinem Kumpel, den einst ebenfalls Langzeitverletzten Philipp Müller. Ausgerechnet in Chemnitz. "Das war trotzdem ein Vorteil, denn keiner hat etwas von uns erwartet. Wir konnten nur überraschen", sagt Herold.

Allerdings: Es hätte auch mit einer bösen Überraschung für die Vogtländer ausgehen können. "Nach dem 0:2 hätten wir auch hier mit 0:4 vom Platz gehen können", sagt Köhler. "Die Gefahr bestand." Dann wäre Herolds Startelf-Comeback in die Hose gegangen. "Wir sind schlecht reingekommen", gibt er zu. "Ein Gegentor nach einem Standard ist immer blöd. Dann laufen wir auch noch in einen Konter, und schon steht es 0:2." Und das vor einer respekteinflößenden Kulisse. "Wir wussten aber: Wenn wir ein Tor machen, dann ist alles wieder offen. Ein 1:2 ist ein ekliges Ergebnis."

Wahre Worte des Rückkehrers: Von Chemnitz kam nicht mehr viel, Auerbach war drauf und dran, für eine Überraschung zu sorgen. Der Spielverlauf wäre dann ein Symbol für Herolds Rückkehr gewesen: Nicht aufgeben, immer wieder aufstehen. "Am Anfang habe ich nicht gebraucht, um mich anzupassen. Aber je mehr Ruhe wir in unser Spiel bekommen haben, desto besser lief es", sagt der Rebesgrüner, der seine Karriere beim VfB im Nachwuchs begann und über den Umweg FC Erzgebirge Aue zu seinem Heimatverein zurückkehrte. "Trotzdem war das Ergebnis bitter. Wir haben aufs 2:2 gedrückt, es fiel aber nicht."

Und wie ist Herolds Leistung einzuschätzen? Der Coach war durchaus zufrieden. "Er hat - wie alle in der zweiten Halbzeit - das gebracht, was er kann. In der ersten Halbzeit hat man ihm angemerkt, dass er lange nicht gespielt hat." Nach dem Seitenwechsel habe er das übernommen, was er kann: lautstarkes Organisieren. "Das ist seine Stärke." Nur eine Aktion blieb negativ hängen: Als Herold als letzter Mann den Ball vertändelte. Doch solche Fehler dürfte er abstellen, wenn er demnächst mehr Spielpraxis sammelt. "Ich traue mir zu, in der Stammelf zu spielen", gibt er sich kämpferisch. Auch im Hinblick auf mögliche Transfers, die der VfB noch fürs defensive Mittelfeld tätigen könnte.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...