Der Neue erwartet 100 Prozent Hingabe

Der VfB Auerbach startet in seine siebente Regionalligasaison. In der setzt er auf Sven Köhler (52), einen erfahrenen Fußballlehrer. Dessen bisherige Trainerbilanz könnte bei den Vogtländern für verhaltenen Optimismus sorgen.

Auerbach.

Angesichts der Zusammensetzung der Regionalliga und der Möglichkeit, als Meister der Spielzeit 2018/19 direkt in die 3.Bundesliga aufsteigen zu können, dürfte dem VfB Auerbach eine spannende, dramatische und enge Saison bevorstehen. Der neue VfB-Trainer Sven Köhler sieht sich dieser Herausforderung gewachsen: "Ich bin in meiner gesamten Trainerkarriere noch nie abgestiegen und musste sehr schwere Zeiten sowie schwierige Situationen überstehen."

Der heute 52-Jährige begann als Spieler bei Motor Brand Langenau, ehe er 1978 an die Sportschule wechselte und mit einer kurzen Unterbrechung in Aue im Nachwuchs des FC Karl-Marx-Stadt und später bis 2002 beim Chemnitzer FC spielte. Danach ging es für ein Jahr zu Dynamo Dresden. Er war damals seinem langjährigen Trainer Christoph Franke in die Landeshauptstadt gefolgt, bevor seine Spielerkarriere verletzungsbedingt endete. Fortan änderte sich die Sichtweise des Verteidigers Köhler auf dem Feld in die Perspektive des Co-Trainers beziehungsweise Trainers auf der Bank. Als Co-Trainer bei Dynamo Dresden und Trainer der Bundesliga-Junioren konnte Köhler erste Erfahrungen sammeln.

Von 2007 bis 2015 arbeitete er danach als verantwortlicher Trainer beim Halleschen FC. Sein Trainereinstand dort begann mit einem 0:0 beim VFC Plauen in der Oberliga Süd. Die Partie im Vogtlandstadion sahen aus heutiger Sicht sagenhafte 2700 Zuschauer! Bei HFC spielte David Bergner als Libero. Eine Position, die es heute so nicht mehr gibt. Dieser David Bergner ist heute Cheftrainer des Chemnitzer FC.

In seinem zweiten Spiel als Trainer ging es für Sven Köhler zu Hause gegen die Chemnitzer. Halle verlor 0:2. Für Chemnitz spielten unter anderem Chris Löwe (heute Profi in Huddersfield in England, vorher Kaiserslautern und Borussia Dortmund) sowie Marcel Schlosser, der seit drei Jahren für den VfB Auerbach aufläuft.

Sven Köhler führte den Halleschen FC schließlich 2012 in die 3.Liga und damit in den Profifußball. Bis 2015 - also insgesamt acht Jahre - betreute er die Hallenser. Er brachte es dabei auf 295 Spiele auf der Trainerbank - für heutige Verhältnisse ungewöhnlich lange. "Die Zeiten sind vorbei, in denen ein Spieler oder Trainer viele Jahre nur einem Verein die Treue hielt. Da gibt es nur noch wenige Ausnahmen", schätzt der Neu-Auerbacher die Situation ein und fährt fort: "Es gibt zu viele Leute in verantwortlichen Positionen im Fußball mit zu wenig Ahnung, aber lauter Stimme. Als Trainer bist du von vielen Faktoren abhängig. Neben guter Arbeit gehört auch eine Portion Glück dazu, ob du drei Punkte, einen Punkt oder nichts holst. Fußball ist reiner Ergebnissport, der über dein Schicksal als Trainer schnell entscheidet."

In der Saison 2015/16 war Köhler in 54 Spielen Trainer des Chemnitzer FC. Nachdem sein Vertrag auslief, wechselte er als Fußballexperte zum MDR und analysierte die Spiele der mitteldeutschen Vereine. Somit blieb er hautnah am Geschehen dran. Trainer ist für ihn ein schöner Beruf, der so seine Tücken hat. "Bei Vereinen klafft zwischen dem Anspruchsdenken und der Realität oft eine Lücke. Am Ende trifft es oft den Trainer, der in diese Lücke fällt." Trotzdem sei er mit viel Freude und Engagement dabei.

Bis heute Köhlers erster Ansprechpartner in Sachen Fußball ist sein früherer Trainer Christoph Franke. Er hält engen Kontakt zu dem inzwischen 73-Jährigen, philosophiert gerne mit ihm über Fußball und die Welt. Köhler und Franke sind sehr bodenständige Personen, arbeiteten nur in der Region. Christoph Franke war über 142 Spiele Co-Trainer des großen Hans Meyer. Sven Köhler wiederum wurde unter Hans Meyer 1988 zum Stammspieler in der DDR-Oberliga.

Als Spieler lief Köhlers Fußballweg kontinuierlich ab. Von der Juniorenauswahl der DDR über den Oberliga-Stammspieler und Vizemeister 1990 ging es mit den Karl-Marx-Städtern/Chemnitzern in den damaligen UEFA-Pokal. Dort bestritt er acht Spiele, unter anderem gegen Borussia Dortmund, Boavista Porto und Juventus Turin. Im Pokalfinale 1990 verlor er mit dem FCK 0:1 gegen den BFC Dynamo mit Andreas Thom. Es folgte mit dem Chemnitzer FC 1992 der Aufstieg in die 2.Bundesliga.

Neben dem UEFA-Cup gibt es für Sven Köhler auch eine kurze Karriere in der Nationalmannschaft. 1989 war er beim 4:0-Sieg der DDR in Kairo gegen Ägypten dabei. Das zweite und letzte Auswahlspiel bestritt er zwei Monate später im WM-Qualifikationsspiel gegen die UdSSR (0:3). Fünfmal lief Köhler für die Nachwuchsnationalmannschaft auf. In der DDR-Oberliga bestritt er 97 Spiele und erzielte sieben Tore. In der 2.Bundesliga gelangen ihm in 125Spielen vier Tore.

"Insgesamt war es eine schöne und sehr lehrreiche Zeit. Die Rahmenbedingungen kann man mit heute nicht mehr vergleichen. Spieler von heute würde die Hände über den Kopf zusammenschlagen und kehrt machen. Viele können gar nicht schätzen, welcher Aufwand für sie und um sie herum betrieben wird. Fünf-Sterne-Hotels, Prachtbedingungen, und alles wird ihnen abgenommen, um sich auf Fußball konzentrieren zu können. Im Vordergrund steht oft nur noch der Kommerz", kritisiert Köhler.

Neben dem Job als Regionalligatrainer widmet er sich gerne dem Nachwuchs und arbeitet in der Fußballferienschule mit. Ziel in der neuen Saison mit dem VfB Auerbach ist natürlich der Klassenerhalt. "Auerbach ist für mich eine Herausforderung. Warum sollte ich warten, bis ein Trainerjob vom Himmel fällt? Ich habe mich bewusst für den VfB entschieden", versichert er. Die ersten Wochen in Auerbach zeigten ihm, dass da andere Bedingungen herrschen, als er bisher gewöhnt war. "Wir müssen Punkt für Punkt für den Klassenerhalt erarbeiten. Eine fußballerische Grundregel ist hohe Disziplin. Wir werden andere Mannschaften nicht auseinanderspielen können", blickt Köhler in die Zukunft. Die neue Regionalligasaison dürfte eine Zweiklassengesellschaft werden. Nordhausen, Erfurt, Chemnitz, Lok Leipzig und weitere Teams verfolgen andere Ziele als Auerbach und verfügen über ganz andere Möglichkeiten. "Träumen darf jeder, aber wir müssen die Realität akzeptieren."

In der Vorbereitung zeigen aus seiner Sicht bisher alle Spieler, dass sie mit hoher Bereitschaft und Willen den Vorstellungen des Trainers folgen. Köhler sieht den Erfolg, "wenn jeder 100 Prozent Engagement zeigt und sich voll mit dem Verein identifiziert. Nicht jeder muss lebenslang für einen Verein spielen, aber er sollte in seinem jeweiligen Verein immer seine beste Leistung bringen", rät der Trainer vor allem seinen jungen Spielern. Sven Köhler ist sich absolut sicher: "Zusammen als Team und mit den Fans werden wir das Saisonziel schaffen."

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