Die Faszination Ironman als Antrieb

Triathlet Andreas Maul von der SG Falkenstein ist auf der Langdistanz schon mehrfach unter zehn Stunden geblieben. Um die nächste Schallmauer zu knacken, trainiert er trotz 40 Stunden-Job fast täglich. Auch Rückschläge halten ihn dabei nicht auf.

Falkenstein.

Der Mann mit dem Hammer kam für Andreas Maul beim Knappenman in der Lausitz nach 204 von 226 Kilometern. Der 36-Jährige lag nach 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren voll im Plan. "Bis dahin wäre eine Zeit unter neun Stunden drin gewesen", erzählt er. Doch beim abschließenden Marathonlauf über 42,195 Kilometer brach der Vogtländer kurz vor der Hälfte ein. "Es war der Klassiker. Als hätte jemand den Stecker gezogen. Mir tat alles weh, ich hatte Angst, dass ich bei einer falschen Bewegung zusammenklappe. Da war nur noch joggen bis ins Ziel möglich", erinnert sich der Triathlet von der SG Falkenstein an den Wettkampf Ende August.

Trotz aller Schmerzen und Quälerei kam aufgeben für ihn aber nicht in Frage. "Man hadert die ganze Zeit mit sich. Aber man weiß auch, dass man es schon eine Stunde später, wenn man sich etwas erholt hat, bereuen würde, nicht gefinisht zu haben", erzählt Maul. Mit 9:34:47 Stunden wurde er 22. im Gesamtklassement und blieb erneut deutlich unter der für Freizeitsportler magischen Zehn-Stunden-Marke. Doch das war nur ein Grund, warum er den kleinen Einbruch zügig verarbeitet hatte. "Wenn man auf dem Niveau unterwegs ist, gehört ein gewisses Risiko dazu. Aber dann kann es eben auch mal nach hinten losgehen", sagt er. Im Nachhinein ist der Triathlet froh, dass er überhaupt einen Wettkampf bestreiten konnte. Der Knappenman war dieses Jahr der einzige Langdistanz-Triathlon in Deutschland. Den Startplatz organisierte sich Andreas Maul über eine Tauschbörse im Internet.

Sein Plan für 2020 sah eigentlich ganz anders aus: Der vor einigen Jahren nach Zwickau umgezogene Ausdauersportler hatte für die Ironmans im Juni in Hamburg und im September in Italien gemeldet. Doch daraus wurde coronabedingt nichts. Die vielen Absagen konnten seiner Motivation aber kaum etwas anhaben. "Wenn, dann hatte ich damit nur unterschwellig zu kämpfen. Ich trainiere grundsätzlich sehr gern, aber es ist natürlich immer schön, wenn du weißt, wohin du das Training steuerst. Von daher war es günstig, dass Hamburg zunächst auf September verschoben war und das als Ziel im Hinterkopf blieb", sagt Andreas Maul.

Um die 15 Stunden in der Woche fährt er Rad, geht laufen oder zieht in der Schwimmhalle seine Bahnen. Viele Konkurrenten, die teilweise noch mehr Zeit ins Training investieren, staunen, dass es Andreas Maul mit diesem Umfang auf eine persönliche Bestzeit von 9:07:47 h (2018) gebracht hat. Aus dem Start beim Einsteigertriathlon 2006 an der Talsperre Pöhl ist für den Fahrzeuglackierer erst ein Hobby und nun eine Lebenseinstellung geworden. "Der Sport erfüllt mich und gibt mir Struktur", sagt Andreas Maul. Seine Freundin ist Rückhalt und größter Fan zugleich. "Ich brauche einen freien Kopf, da wären Stress- oder Reibungspunkte im Umfeld kontraproduktiv", so der Triathlet.

Über seine Ziele für 2021 musste er sich den Kopf ohnehin nicht großartig zerbrechen. Er wird sich erneut auf die beiden Wettkämpfe vorbereiten, die er eigentlich in diesem Jahr in Angriff nehmen wollte. Das Training gestaltet er nach einem Standardplan, an den er sich aber nicht hundertprozentig halten wird. "Mit den Jahren habe ich ein ganz gutes Gefühl entwickelt, wann es Zeit ist, mal etwas rauszunehmen. Wenn du dich einmal dauermüde fühlst, ist es meistens schon zu spät."

Um die Neun-Stunden-Marke zu knacken, hat Andreas Maul noch einige Jahre Zeit. "Mit 36 bin ich im besten Triathlonalter", sagt der Athlet, der im Vorjahr einen Wettkampf im Krankenhaus beendet hatte, da ihm ein Passant ins Rad gelaufen war. "Auf 226 Kilometern kann viel passieren - vom technischen Defekt bis zu Magenproblemen. Du bist ständig im Selbstkrisenmanagement", sagt Andreas Maul. Von daher lässt sich auch die Qualifikation für den legendären Ironman auf Hawaii nicht wirklich planen. Gespart hat er dafür aber schon. Denn wenn es mit einem Startplatz klappt, soll die Reise nicht am Geld scheitern.

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