Eine Vogtländerin auf Puckjagd

Ihre ersten Schritte auf dem Eis machte Alina Fiedler in ihrer Heimatstadt Klingenthal. Dort gibt es längst kein Stadion mehr. Ihrer Leidenschaft geht die 19-Jährige heute in Berlin nach.

Klingenthal.

Auch wenn ihr selbst am Wochenende kein Treffer gelang, blickt Eishockeyspielerin Alina Fiedler zufrieden auf die beiden Auswärtspartien der Eisbären Juniors in der Frauen-Bundesliga. Beim Tabellenführer ERC Ingolstadt unterlag die junge Berliner Mannschaft am Samstag zunächst 0:4. 18 Stunden später hieß es aus Sicht der Gäste 2:3. "Jede von uns kann sowohl mit ihrer persönlichen als auch unserer Teamleistung am Wochenende sehr zufrieden sein. Wir haben zwei gute Spiele absolviert und es Ingolstadt nicht leicht gemacht. Am Ende hat uns als junges Team etwas die Erfahrung gefehlt", erzählt Alina Fiedler. Nur fünf Spielerinnen im Eisbärenkader sind deutlich älter als Anfang 20. Hinzu kam bei den Partien, dass Berlin nur mit elf Frauen angereist war. Die Ingolstädterinnen hingegen hatten 16 Spielerinnen zur Verfügung.

Für die Eisbären läuft die Saison - trotz der fehlenden Punktausbeute zuletzt - besser als erwartet. In zwölf Spielen stehen fünf Siege und sieben Niederlagen zu Buche. Das macht in der sieben Mannschaften starken Bundesliga Tabellenplatz 5. Auf den angestrebten Rang 4, der zur Teilnahme an der Meisterschaftsrunde berechtigt, fehlen im Moment acht Zähler. Das kann sich am übernächsten Wochenende schnell ändern. Dann gastieren die Berlinerinnen beim Vierten in Mannheim, der schon drei Spiele mehr absolviert hat. "Da greifen wir neu an", sagt Alina Fiedler, die seit 2018 in der Hauptstadt lebt. Schon zuvor spielte sie für das Frauenteam der Eisbären Juniors, da noch ausgestattet mit einer Doppellizenz. So konnte Alina Fiedler weiter Erfahrung im Nachwuchs des ETC Crimmitschau sammeln.

Ihre ersten Schritte auf dem Eis machte die Klingenthalerin auf der heute nicht mehr existierenden Eisbahn ihrer Heimatstadt. "Mein Papa und mein großer Bruder haben Eishockey gespielt. So bin ich da reingerutscht. Ich hatte von Anfang an viel Spaß dabei", erzählt die 19-Jährige. Beim EHV Schönheide begann sie schließlich ihre Karriere auf zwei Kufen. Durch die Kooperation des Vereins aus dem Erzgebirge mit dem Traditionsklub ETC Crimmitschau lief die 1,60 Meter große Stürmerin später im rot-weißen Dress auf. Der Kontakt nach Berlin kam aber eher zufällig zustande. "Ich habe mich bei einem Trainingslager mit einer Spielerin aus Berlin unterhalten. Da kam der Gedanke auf zu wechseln. Ich wurde dann zu einem Trainingslager des Vereins in Weißwasser eingeladen und auch noch zu einer Probewoche in Berlin. Danach gab es die Doppellizenz", erinnert sich Alina Fiedler.

Um den Traum von einer weiteren Karriere im Eishockey leben zu können, zog die Klingenthalerin nach ihrem Realschulabschluss mit 16 Jahren nach Berlin. Neben dem Sport macht sie dort ihr Fachabitur und lebt im Haus der Athleten im Sportforum Hohenschönhausen - übrigens als Nachbarin von Eisschnellläufer Michael Roth aus Mylau. "Der Umzug in die Großstadt war schon eine ganz schöne Umstellung. Ich habe mich aber schnell ans Leben hier gewöhnt", sagt die Vogtländerin, die in ihrer Laufbahn schon einiges vorweisen kann. Im Januar 2019 gehörte sie zum deutschen Aufgebot bei der U-18-Weltmeisterschaft der Division I. Im vergangenen Februar gewann Fiedler mit dem Perspektivteam der Frauen den Legacy-Cup in Südkorea. "Ich will irgendwann gern den Sprung ins A-Nationalteam schaffen", gibt die 19-Jährige eines der Ziele für die Zukunft vor.

Dass sie auch in der Corona-Pandemie ihrem Sport nachgehen kann, verdankt Alina Fiedler der Einstufung der Frauen-Bundesliga als Profisport - immerhin sind einige Spielerinnen Olympiakader des Deutschen Eishockeybundes. Auf den Heimvorteil im legendären Wellblechpalast müssen die Berlinerinnen derzeit verzichten. Nur Ende Oktober konnten sie viermal in eigener Halle antreten. Seitdem sind Heimspiele aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich, und das Team war stets auswärts gefordert.

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