Entscheidung für VfB fällt leicht

Fußball: Sven Köhler fühlt sich in Auerbach wohl - Saisonabbruch in der Regionalliga ist für Trainer unvermeidlich

Auerbach.

Sven Köhler, Trainer des Fußball-Regionalligisten VfB Auerbach, hat vor wenigen Tagen seinen Vertrag bei den Vogtländern auf unbefristete Zeit verlängert. Marcus Schädlich sprach mit dem 54-Jährigen, der in seiner aktiven Zeit zwei Länderspiele für die DDR bestritt und über Trainerstationen bei Dynamo Dresden, dem Halleschen FC und den Chemnitzer FC nach Auerbach kam.

"Freie Presse": Wie schnell ist die Entscheidung zu Ihrer Vertragsverlängerung gefallen?

Sven Köhler: Wir hatten vor längerer Zeit bereits miteinander gesprochen und uns schnell geeinigt. In der Coronakrise waren für den Moment andere Dinge wichtiger, weshalb sich die Unterschrift noch hingezogen hat. Aber wir mussten nicht großartig verhandeln. Es ging mehr darum: Macht es mir so viel Spaß, dass ich trotz der etwas anderen Bedingungen weiter in Auerbach arbeiten möchte.

Wie fiel Ihre Antwort aus?

Ich arbeite gern mit den Jungs zusammen, die Zusammenarbeit mit Manager Volkhardt Kramer und Aufsichtsratschef Steffen Dünger ist sehr vertrauensvoll. Es macht mir Spaß. Das Gesamtpaket passt, sodass sich für mich nach zwei Jahren herausgestellt hat, dass wir die Zusammenarbeit fortführen werden.

Sie sprechen die etwas anderen Bedingungen in Auerbach an, wo Amateurfußball gespielt wird. Wie gehen Sie damit nach zwei Jahren um? Haben Sie sich schnell daran gewöhnt?

Ich habe keine zwei Jahre zum Eingewöhnen gebraucht. Es ging schneller. Am Anfang war es anders, gerade wenn du aus dem Profifußball kommst. Da musste ich mich schnell anpassen. Es sind sicherlich zwei, drei Trainingseinheiten weniger, aber der Fußball bleibt trotzdem derselbe. Darauf kommt es an.

Wie geht es aus Ihrer Sicht in der Regionalliga weiter?

Der Saisonabbruch ist alternativlos. Jetzt müssen wir sehen, welche Regelung greift. Also: Steigen Teams aus der 3. Liga ab? Steigt der Regionalliga-Erste auf? Oder spielen wir plötzlich mit 23 Mannschaft, und welche Regelungen greifen dann?

Damit müsste die Regionalliga die größte Last der Coronafolgen tragen. Was halten Sie davon?

Die Regionalliga interessiert doch keinen. Damit geht für mich viel Glaubwürdigkeit des Fußballs verloren, auch weil die oberen Ligen eine soziale Verantwortung des Fußball für sich reklamieren, die aber genauso in den unteren Klassen gilt. Es fehlt die Solidarität. Es zählen nur Bundesliga und 2. Bundesliga. Alles darunter nicht. Das ist schade.

Für den VfB lief die Saison bislang erfolgreich. Wie unglücklich ist es, dass sie nun nicht zu Ende geführt werden kann?

Auf der einen Seite ist es schade, weil auch die Lust auf Fußball wieder da ist. Auf der anderen Seite ist es trotzdem ein schönes Gefühl, es entspannt verfolgen zu können. Wir mussten uns keine Gedanken darüber machen, wie der Nordostdeutsche Fußballverband entscheiden würde, waren also nicht von anderen abhängig.

Ein Blick voraus: Wird sich das Gesicht der Mannschaft verändern?

Volkhardt Kramer und ich haben die Zeit genutzt, um mit allen Spielern über die neue Saison zu sprechen. Jetzt gilt es auszuloten, wer unter den Bedingungen, die wir anbieten, weiterhin bei uns spielen möchte und wer nicht. Wir warten auf eine schnelle Rückmeldung und sehen zunächst, was unsere Spieler entscheiden, bevor wir handeln. Grundsätzlich gilt: Die Zusammensetzung der Mannschaft war sehr gut. Daher wäre es schön, mit nicht allzu vielen Veränderungen fortzusetzen. Ergibt sich etwas anderes, müssen wir darauf reagieren.

War Ihre Vertragsverlängerung auch in diesem Zusammenhang ein Zeichen ans Team?

Ich hoffe es und ich habe das Gefühl, dass die Zusammenarbeit auch den Spielern viel Spaß macht.

Wie geht es mit Paul Horschig und Niklas Jeck weiter, die vom FC Erzgebirge Aue ausgeliehen sind.

Das liegt nicht in unserer Macht. Beide kennen unsere Meinung, aber wir sind natürlich abhängig von Aue. Und wenn Aue sagt, wir setzen auf sie, dann haben auch wir etwas erreicht: nämlich die Spieler in die Lage zu versetzen, ins Zweitliga-Team zu kommen. Wenn das nicht so ist, wissen beide, dass wir sie gern behalten würden.

Glauben Sie, dass es durch die Coronakrise und ihre Folgen zu Veränderungen auf dem Spielermarkt kommen wird?

Ich vermute schon. Es wird zu Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt der Spieler kommen, weil sich finanziell zwar nichts in der Spitze verändern wird, aber in der Breite. Die Kaderstärke der Klubs wird sich verändern. Vielleicht ist es auch eine Chance für Spieler aus dem eigenen Nachwuchs - auch in den höheren Ligen -, um Geld zu sparen.

Kann man sich trotz der Pause bereits Ziele für die neue Saison stecken?

Eigentlich nicht. Unsere Ziele bleiben aber ohnehin gleich. Wir versuchen, in der Regionalliga eine ganz gute Rolle zu spielen und möglichst keine Abstiegssorgen zu bekommen. Das ist uns in den zwei Jahren mit mir als Trainer gut gelungen. Wir mussten nicht zittern. Wie es jetzt aussieht, ist schwer zu sagen. Sicherlich werden wir finanzielle Einbußen haben, aber das betrifft alle Mannschaften.

Apropos Pause. Ist das Team in der Pause?

Wir loten derzeit aus, wie wir trainieren können. Im Moment treffen wir uns und trainieren in Gruppen. Wir lassen es ausklingen und werden hoffentlich Anfang Juli wieder beginnen. Das hängt aber davon ab, wann die neue Saison beginnt. Anfang Juli fangen wir nur wieder mit dem Training an, wenn die Saison Ende August/Anfang September beginnt. Dann hätten wir eine längere Vorbereitung, in der wir auch richtigen Fußball spielen können. Im Moment ist das nicht möglich, weil wir im Training größere Abstände halten müssen. Wenn du das vier, fünf Wochen lang machst, wird es für die Spieler nervig.

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