Fast täglich für den Verein auf Achse

Wilfried Jänner ist beim Reichenbacher Fußballclub als Technischer Leiter im Moment nicht wegzudenken. Er ist der Vogtlandsportler der Woche.

Reichenbach.

Dass Wilfried Jänner auf dem Gruppenfoto von der Auszeichnung der "Joker im Ehrenamt" des sächsischen Innenministeriums in Dresden fehlt, ist kein Versehen. Zwar hatte sich der 66-jährige Reichenbacher durchaus über die Einladung und das Ansinnen gefreut. "Es ist eine schöne Anerkennung dafür, dass man sich ehrenamtlich im Sport engagiert", sagt er.

Doch der Termin in der Landeshauptstadt am Freitagabend lag ungünstig. Wilfried Jänner musste am Tag darauf früh raus, um seine Fußballer der Lebenshilfe Reichenbach bei einem Turnier in Auerbach zu betreuen. Die Mannschaft hat er vor fast 15 Jahren selbst aufgebaut und ist für ihn eine Herzensangelegenheit. "Meine Truppe ist mir heilig, die geht immer vor", sagt Wilfried Jänner. Doch nicht nur deshalb ließ er die Fahrt nach Dresden weg und versetzte damit quasi den Sportminister. "Ich stehe auch nicht so gerne im Mittelpunkt", verrät er.

Dabei ist es kein Wunder, dass ihn der Reichenbacher FC als "Joker im Ehrenamt" vorgeschlagen hat. Wilfried Jänner, der wirklich Wilfried heißt, obwohl ihn fast alle nur "Winne" nennen, ist als Technischer Leiter beim Landesklasse-Verein so etwas wie das Mädchen für alles. Er hat für den kompletten Spielbetrieb den Hut auf. "Das geht von Spielverlegungen im Nachwuchs bis zum Ordnungsdienst und Catering bei den Spielen unserer ersten Männermannschaft", erzählt er. Auch die Koordination der Sportstätten und den Kontakt zur Stadtverwaltung läuft über Wilfried Jänner. So gesehen ist es kein Wunder, dass er beinahe täglich im Büro im Stadion am Wasserturm oder bei einer der Trainingseinheiten der RFC-Mannschaften anzutreffen ist.

Für den Verein war es ein echter Glücksfall, dass sich Wilfried Jänner, der zuvor unter anderem erfolgreich als Trainer in Neumark gearbeitet hatte, vor acht Jahren dem RFC anschloss. Die Hauptrolle spielten auch da seine Lebenshilfe-Kicker. "Sie wollten irgendwo richtig dazugehören", sagt der engagierte Mann. Der RFC nahm die Mannschaft auf. "Es gab am Anfang Berührungsängste. Aber die sind nach einem langwierigen Prozess weitgehend abgebaut", freut sich Wilfried Jänner.

Der übernahm am Wasserturm zunächst auch die Funktion des Schiedsrichter-Obmanns und sorgte in kurzer Zeit dafür, diese Baustelle beim RFC zu schließen. Als schließlich vor einigen Jahren der ehemalige Vereinschef Dieter Golla mit dem Wunsch auf ihn zukam, sich noch mehr im Vorstand einzubringen, konnte er wieder einmal nicht nein sagen. "Es macht mir einfach Spaß. Und wenn es doch mal Ärger gibt, habe ich meine Lebenshilfe-Truppe. Da bekommst du soviel zurück, das baut dich auf", sagt Wilfried Jänner, der zuletzt viele Jahre als Heilerziehungspfleger arbeitete und noch heute die Sportangebote der Lebenshilfe Reichenbach leitet.

Ob und wann er den "Joker im Ehrenamt" nachgereicht bekommt, weiß er bisher nicht. Termine sind rar gesät. Schließlich fungiert Wilfried Jänner auch noch als Vorsitzender des Jugendsportgerichts im Fußball-Kreisverband und steht zudem an der Spitze des Behindertenrates für Reichenbach und Umgebung.

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