Freundin auf der Tribüne beflügelt den Siegtorschützen

Vier Siege in Folge, den Klassenerhalt sicher - die Stimmung bei Fußball-Regionalligist VfB Auerbach ist blendend. Ein einstelliger Platz ist nun drin.

Auerbach.

Die Partystimmung kochte schnell über: Die Spieler sangen, die Fans jubelten. Der 2:1-Sieg des VfB Auerbach am Abend des Gründonnerstag gegen den ZFC Meuselwitz war ein besonderer. Nicht nur deshalb, weil es der vierte in Serie war, sondern vor allem auch, weil es der entscheidende Schritt in eine weitere Regionalligasaison war, nunmehr die achte für den VfB. Die Tür dahin machte Marcin Sieber mit seinem Tor kurz vor Schluss auf. Sein zweiter Saisontreffer war einer seiner wichtigsten.

Siebers Geheimnis: Immer wenn er besondere Tore schießt, hat er einen außergewöhnlichen Gast mit auf der Tribüne. "Schon als ich gegen Bautzen zwei Stück gemacht habe, saß kurzfristig mein ehemaliger Trainer auf der Tribüne", sagt der Defensivspieler. "Diesmal kam meine Freundin Jessica ganz unerwartet zum Spiel." Und natürlich dankte er ihr unmittelbar, nachdem der Ball im Tor lag. Mit dem Finger zeigte er vom Spielfeld in Richtung Liebster. "Zunächst wollte ich mit den Jungs jubeln, doch dann dachte ich mir: Das hast du ihr zu verdanken." Zumindest war die Freundin ein gutes Omen.

Rein sportlich hatte Sieber den Treffer dem zweiten Helden des Tages zu verdanken: Marcel Schlosser. Dessen gutes Auge für den Mitspieler, dessen Ruhe und präzise Flanke über 35 Meter bescherten den Sieg. "Ich habe Marcel lautstark angezeigt, dass ich mitgelaufen bin", sagte Sieber. "Ich bin fast von der Mittellinie in Richtung Tor gesprintet." Schlosser sah den 1,90-Meter-Recken, flankte zentimetergenau auf den Kopf, und Sieber drückte den Ball über die Linie.

Der Treffer und die Art und Weise, wie er herausgespielt war, zeigten, dass Auerbach nicht nur über viel Selbstvertrauen verfügt, sondern auch über spielerisches Vermögen. Und den nötigen Willen. "Die Auerbacher Spieler wissen genau, worauf es in der Regionalliga ankommt", sagte selbst der kritische Gästecoach Heiko Weber. Er hatte sich zuvor über die schlechten Bedingungen im Stadion beschwert. Eine Anklage, die Auerbach nicht stehen ließ. "Unsere Tore waren kein Zufall", entgegnete VfB-Coach Sven Köhler.

Womöglich ist es genau dieser Wille, der den Auerbachern den nächsten Klassenerhalt beschert hat. Ähnlich wie in den Vorjahren mussten die Vogtländer zum Jahreswechsel um den Klassenverbleib zittern. Bis zu den englischen Wochen im März und April dauerte es meist, bis der VfB eine Serie startete und die nötigen Punkte holte. Vorige Saison katapultierten vier Siege in Serie die Vogtländer ins sichere Mittelfeld. Nun lief es ähnlich: Sven Köhlers Team holte zwölf Punkte in 13 Tagen. "Mir wäre es lieber, wenn wir in der Hinrunde schon genug Punkte sammeln, um ein Polster zu haben", sagt Sieber. "Dann könnten wir die Rückrunde ruhiger angehen." Woran es liegt, dass es anders kam? "Das weiß ich leider auch nicht so recht", sagt Sieber. "Vielleicht brauchen wir den Druck." Selbst die vier Niederlagen im März hätten das Team nicht umgeworfen.

Angesichts eines Restprogramms mit Gegnern auf Augenhöhe könnte die Euphorie noch ein Stück andauern. "Vielleicht nehmen wir uns nun einen einstelligen Tabellenplatz als neues Saisonziel vor", so Sieber vor den Spielen gegen Viktoria Berlin, Bischofswerda, Fürstenwalde und Babelsberg. Und wenn es mal wieder eng wird, gibt es noch eine Hoffnung: Siebers Freundin Jessica muss einfach mal wieder unerwartet beim Spiel ihres Freundes vorbeischauen.

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