Handballer sind hin- und hergerissen

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Die Meinung zur WM in Ägypten sind bei den Plauener Oberligisten geteilt. In der Favoritenfrage äußern sich die meisten allerdings ähnlich.

Plauen.

Darf der Handballsport während einer Pandemie eine Weltmeisterschaft austragen? Diese Frage stellt man sich auch in den beiden Plauener Oberliga-Vereinen. Beim HC Einheit und beim SV 04 Oberlosa ist man angesichts des Für und Wider hin- und hergerissen. Am heutigen Freitagabend drücken alle der deutschen Nationalmannschaft gegen Uruguay die Daumen. Der Anwurf erfolgt 18 Uhr. Das Spiel wird live in der ARD übertragen.

Sabrina Lukas findet es einerseits schön, eine Handball-WM im Fernsehen verfolgen zu können. "Andererseits finde ich es befremdlich, dass ein solches Event stattfindet. Mit dem coronabedingten Rückzug der Tschechen und des Teams der USA sieht man ja, wie hoch das Risiko ist", gibt die Vorstandsfrau vom HC Einheit zu bedenken. Verfolgen wird die junge Mama die Spiele, "wenn das zwischen Homeoffice und Kinderbetreuung möglich ist. Ein Favorit ist für mich schwer zu benennen, weil viele Teams nicht mit ihren stärksten Kadern antreten, wie man am Beispiel der Deutschen sehen kann, wo einige Leistungsträger auf eine Teilnahme verzichtet haben. Ich tippe auf Dänemark."

"Einen Topfavoriten gibt es für mich dieses Jahr nicht", schätzt der Oberlosaer Abwehrchef Torsten Wetzel ein. Er findet es schön, dass Handball weiter stattfinden kann und der Sport im TV präsent ist. "Damit kann man wenigstens etwas Ablenkung in der trostlosen Zeit finden." Zugleich ist Wetzel gespannt: "Ich hoffe, dass die Hygienekonzepte aufgehen und alle gesund wiederkommen, damit für die Vereine keine weiteren Schäden entstehen. Zwei Mannschaften haben schon abgesagt. Mal sehen, ob das Turnier überhaupt durchgespielt werden kann."

Der Oberlosaer bedauert es sehr, dass er mit seinen Mannschaftskameraden die Spiele nicht wie gewohnt zusammen im Bistro der Helbig-Halle verfolgen kann. "Daher werde ich zu Hause mit der Familie schauen", sagt der 30-Jährige.

Einheit-Trainer Jan Richter mutmaßt: "Favoriten sind vielleicht Dänemark und Norwegen. Aber diese WM könnte ein Festival der Überraschungen werden." Auch Richter ist wankelmütig: "Für unseren Sport finde ich die Austragung schön. Jetzt, wo die Leute Zeit haben, schauen mehr Menschen Handball. Weil das Ganze nun auch wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen deutlich präsenter ist als vor Corona, ist das natürlich gut für unsere Sportart. Zugleich hat diese Weltmeisterschaft aber natürlich ein Geschmäckle, genau wie jedes Fußballspiel. Die Spiele schauen wir alle zu Hause. Wir werden danach sicher im Mannschafts-Chat unsere Meinungen austauschen."

Der Oberlosaer Torhüter und Manager Carsten Klaus ist sehr gespannt: "Wenn es Ägypten gelingt, das Turnier in ähnlicher Form zu veranstalten wie es Dänemark im Dezember vorigen Jahres mit der Frauen-EM geschafft hat, finde ich es in Ordnung. Da die WM ohne Zuschauer gespielt wird, könnte sie sozusagen wie in einer Art Blase stattfinden. Ich bin ein wenig skeptisch, ob die Ägypter die zum Beispiel in Deutschland inzwischen üblichen Hygienemaßnahmen wirklich diszipliniert umsetzen."

Als Sportinteressierter verfolge er natürlich die kontroversen Diskussionen. "Und dann stelle ich mir die Frage: Was würden wir in dieser schlimmen Zeit alle tun, wenn jetzt kein Wintersport, keine Fußball-Bundesliga und kein Handball stattfinden würde? Diese trostlose Zeit wäre dann noch schlimmer, und es gäbe gar keine andere Thematik mehr als Corona." Auch Carsten Klaus sieht Dänemark und Norwegen in der Favoritenrolle. Deutschland sollte nach seiner Meinung die Vorrunde gegen Uruguay und die Kapverdischen Inseln sowie Ungarn überstehen. "Und dann sehen wir weiter, ob es der jungen Truppe gelingt, solch einen Teamspirit zu entwickeln wie zum Beispiel 2016." Deutschland war damals als Gruppenzweiter der Vorrunde gestartet und als Gruppenzweiter der Hauptrunde ins Halbfinale eingezogen. Durch Siege gegen Norwegen und im Finale gegen Spanien sorgte Deutschland für eine Sensation.

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