Heber stemmen Meisterschaft gemeinsam

Nicht nur sportlich verliefen die nationalen Titelkämpfe für den AC Atlas Plauen sehr gut. Bei der Organisation konnte der Verein auf die Hilfe aus Rodewisch zählen.

Plauen.

Marcel Hinkelmann kann gut mit der Bronzemedaille bei der Deutschen Meisterschaft leben. "Die Jungen sollen doch nachziehen", sagte er zum Erfolg seines Vereinskameraden Tom Ritter, der mit zwei Kilogramm Vorsprung im Zweikampf knapp vor dem 33-Jährigen auf dem Silberplatz bei den Männern landete. In der Gewichtsklasse bis 56 kg lieferten sich die zwei Sportler vom AC Atlas Plauen am Freitagabend einen schönen Zweikampf, der für den erst 16-Jährigen Tom Ritter zudem mit der Silbermedaille bei den Junioren endete. "Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn ich die Kadernorm nicht ganz erreicht habe", sagte der Schüler des Plauener Diesterweggymnasiums. Zu der fehlten ihm nach 78 kg im Reißen und 100 kg im Stoßen sieben Kilogramm.

Der gemeinsame Wettkampf war fast so etwas wie eine kleine Staffelstabübergabe innerhalb des Vereins. Während Routinier Hinkelmann in den vergangenen Jahren bei den Männern regelmäßig auf dem Podest stand - es könnte die zehnte Medaille gewesen sein, genau wusste er es nicht - war es für Ritter der erste Erfolg bei den Männern. Erst seit vier Jahren ist er beim Gewichtheben dabei, spielte vorher Handball beim HC Einheit Plauen. Bei einer Sichtung im Sportunterricht fiel er den Trainern des AC Atlas auf. "Vor allem meine persönliche Senkgeschwindigkeit ist sehr gut. Die zeigt an, wie schnell ich unter die Hantel komme", erklärt Ritter. Viermal pro Woche geht es für den 16-Jährigen, der schon Deutscher Meister der Jugend war, zum Training. Einen Wechsel an die Sportschule lehnte er vor einiger Zeit ab. In Plauen ist er verwurzelt, Freunde und Familie wollte er für den Sport nicht verlassen: "Ich habe die Entscheidung nicht bereut. Mal schauen, wie weit es mit dem Sport geht, vielleicht klappt es mit der Jugend-EM."

Dass sich der Sport und die berufliche Karriere gut vereinbaren lassen, dafür hat Tom Ritter im eigenen Verein die besten Beispiele. Marcel Hinkelmann etwa schafft es, als Abteilungsleiter in der Fleischereigenossenschaft noch bis zu dreimal pro Woche zum Training. Seine Schwester Nancy feierte nach einer Trainingspause aufgrund ihres Wirtschaftswissenschaftsstudiums am Freitag ein gelungenes Comeback, wurde Dritte bei den Frauen und Deutsche Meisterin bei den Juniorinnen in der Klasse bis 48 kg. Die drei Atlas-Heber waren an den Wettkampftagen aber nicht nur sportlich gefordert, nach ihren eigenen Auftritten auf der Heberbühne reihten sie sich in die Vielzahl der ehrenamtlichen Helfer ein.

Nicht ganz in den Kampf um die Medaillen eingreifen konnte Benjamin Meisel von der TSG Rodewisch. In der Klasse bis 77 kg wurde er Neunter. Sportlich war er zwar der einzige Starter seines Vereins, in der Turnhalle an der Plauener Kasernenstraße waren am Freitag und Samstag trotzdem eine Reihe von Rodewischern anzutreffen. Sie unterstützten den AC Atlas bei der gesamten Organisation, stellten zum Beispiel eine komplette Hantelsteckertruppe. "Auch aus Eibau waren drei Leute mit da, vom sächsischen Verband kam ebenfalls Hilfe. Sonst wäre das kaum zu stemmen gewesen", sagte Bernd Schmiedel vom AC Atlas. Zum zweiten Mal nach 2004 hatten sich die Plauener um die Ausrichtung der Meisterschaft beworben, waren zu dem Zeitpunkt aber noch von 140 bis 150 Teilnehmern ausgegangen. Die Rekordzahl von 175 Sportlern stellte sie vor große Herausforderungen. Statt sonst acht mussten zehn Gruppen gebildet werden, jeweils von morgens bis in den späten Abend hinein lief der Wettkampf. "Eigentlich müsste es bis Sonntag gehen bei den vielen Teilnehmern. Aber auch wenn die Tage sehr stressig waren, bereuen tun wir die Bewerbung um die Ausrichtung nicht", so Schmiedel, der die gesamte Veranstaltung als gute Werbung für Plauen und das Gewichtheben sieht.

Zufrieden mit der Organisation der Meisterschaft zeigte sich auch Alexander Meinhardt-Heib, Vizepräsident Sport beim Bundesverband Deutscher Gewichtheber, dessen Erwartungen an die Plauener erfüllt wurden. "Der Verein betreibt den Sport seit vielen Jahrzehnten mit viel Antrieb und sehr leistungsorientiert. Wir waren uns sicher, dass es eine Veranstaltung auf Topniveau wird. Die Halle ist voll mit Menschen, die sich fürs Gewichtheben interessieren, das macht uns sehr zufrieden", sagte Meinhardt Heib, für den das Wochenende auch eine kleine Reise in die Vergangenheit war. 1998 verlor er mit seinem Bundesligateam beim AC Atlas Plauen. "Ich habe mir das so genau gemerkt, weil wir in der Folgewoche abgestiegen sind." (mit mm)

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