Im Finale fehlte nur ein Ruck

Ringen: Herzlicher Empfang für EM-Silbermedaillengewinner Franz Richter - Fokus liegt jetzt auf der WM

Ringer, Trainer, Funktionäre und Freunde haben am Mittwoch auf dem Flugplatz Berlin-Tegel für einen gebührenden Empfang des frischgebackenen Silbermedaillengewinners der Junioren-EM Franz Richter vom AV Germania Markneukirchen gesorgt. Schon bei den Titelkämpfen in Rom hatten ihn Glückwünsche von Landrat Rolf Keil und Markneukirchens Bürgermeister Andreas Rubner erreicht. Auch Harald Stern, Richters erster Trainer am Stützpunkt Frankfurt/Oder, ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Trainern und Freunden nach Berlin zu kommen. Vom AV Germania waren der Vorsitzende Jens Berndt, der sportliche Leiter Jörg Guttmann und Radi Ortwein in Berlin. Sie geleiteten Richter zur elterlichen Wohnung nach Leipzig. "Freie Presse" sprach mit dem Schwergewichtler.

"Freie Presse": Gratulation zur Silbermedaille. Sie haben in Rom vier Kämpfe bestritten, welcher war der schwerste ?

Franz Richter: Der schwerste Kampf war der gegen den Rumänen Barei. Der ist schwer auszurechnen und kämpft bis zur letzten Sekunde. Dabei ist er auch sehr wurfstark. Wir haben schon gegeneinander gerungen. Bislang hab ich zweimal verloren, aber jeder Kampf beginnt bei null, diesmal hab ich 5:4 gewonnen.

Dann kam das Halbfinale.

Ja da geht es eigentlich schon um alles oder nichts. Gewinnt man, ist zumindest Silber sicher, geht das Semifinale verloren, geht es um Bronze, im Falle einer weiteren Niederlage hat man Blech - also gar nichts. Deshalb hab ich alles reingeschmissen und den Kampf gegen den Georgier sicher gewonnen.

Sie sind 20 Jahre alt, absolvieren Ihr letztes Juniorenjahr. Ihr russischer Kontrahent im Finale sah weitaus älter aus, wie sieht man das aus Sicht des Ringers?

Er hat halt eine gültige Lizenz, da muss man dann durch, wenn die Verantwortlichen vom Weltverband nichts beanstanden. Aber ich habe ja schon in Bukarest gegen ihn gerungen und da in Führung liegend in letzter Minute verloren. Diesmal bin ich konzentriert in den Kampf gegangen, hatte nach einer Passivitätsverwarnung auch den Vorteil, Obermann zu sein, brachte aber die Rolle im Bodenkampf nicht durch. Ich denke schon, dass ich mit ihm auf Augenhöhe ringen kann.

Wann und wo haben Sie eigentlich mit dem Ringen begonnen?

Mit sechs Jahren in Leipzig. Mein Vater hat mich oft zu Wettkämpfen mitgenommen, da habe ich Lust bekommen. Mein weiterer Weg führte mich an das Sportgymna sium Leipzig, wo ich Sport und Schule nicht ganz unter einen Hut bekommen habe, weswegen ich 2011 nach Frankfurt an die Oder gewechselt bin, wo die Bedingungen besser waren. Gleichzeitig meldete mich mein Vater damals in seinen Heimatverein nach Markneukirchen um, für den ich seitdem ringe.

Und das nicht ohne Erfolg.

Ja, schon. 2012 gewann ich bei den B-Jugendlichen in Torgelow meinen ersten Deutschen Meistertitel. 2015 folgte bei den A-Jugendlichen der zweite Deutsche Meistertitel, bei den Europameisterschaften in Subo tica in Serbien verpasste ich Bronze und belegte den fünften Platz, und bei meinen ersten Weltmeisterschaften erreichte ich im gleichen Jahr den zwölften Platz. 2017 testete ich schon mal bei der Junioren-WM in Tamperein Finnland, wo ich gegen den Armenier David Ovasa pian knapp verlor und ausschied. Dieses Jahr gewann ich meinen dritten Deutschen Meistertitel, holte auch bei den Männern nach 2017 erneut die Bronzemedaille und wurde nach guten internationalen Vorbereitungsturnieren von Bundestrainer Maik Bullmann für die EM in Rom nominiert.

Nun EM-Silber, dabei verlief das Jahr nicht ganz nach Ihrem Wunsch, oder?

Nach dem dritten Platz beim Weltcup der Männer in Havanna im Februar hatte ich eine Virusinfek tion in der Ellenbeuge, durfte wochenlang nicht auf die Matte, erst kurz vor der Deutschen Meisterschaft gab es grünes Licht vom Arzt. Bei den Deutschen Meisterschaften der Männer habe ich mir im Halb finale einen Rippenbruch zugezogen. So wurde erst kurz vor der Abreise nach Rom entschieden, ob ich ringen kann. Mit durchgehendem, zielgerichtetem Training wäre vielleicht der Ruck im EM-Finale gegen den Russen noch gekommen.

Wie sieht Ihre Zukunft sportlich und beruflich aus?

Ich habe jetzt mein Jahr im Bundes-Freiwilligendienst hinter mir, werde im November den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr antreten und im Dezember Mitglied der Sportfördergruppe. Dort könnte ich dann ab 2019 auch ein Sportstu dium beginnen. Doch jetzt steht erst einmal die Junioren-Weltmeisterschaft im September im slowakischen Trnava an, darauf liegt derzeit der Fokus.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...