Leichtathletik-EM: Die Region drückt einem Trio die Daumen

Wenn Lucas Jakubczyk, Sebastian Hendel und Antje Möldner-Schmidt nächste Woche in Berlin starten, wird in Syrau, Reichenbach und Lengenfeld mitgefiebert. So viel Vogtland-Power steckte lang nicht mehr in einem Sommer-Großereignis.

Berlin.

Für Lucas Jakubczyk sind in Sachen Europameisterschaft aller guten Dinge vier: Nach 2012, 2014 und 2016 wurde der in Syrau aufgewachsene Sprinter auch in diesem Jahr wieder vom Deutschen Leichtathletikverband für den Saisonhöhepunkt vom 6. bis 12. August nominiert. Das war für den 33-Jährigen jedoch alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Denn die WM im Vorjahr in London hatte ohne ihn stattgefunden. Doch mit einer Saisonbestzeit von 10,24 s über 100 Meter und Platz 3 bei der Deutschen Meisterschaft kamen die Trainer in diesem Jahr nicht am gebürtigen Vogtländer mit einer Bestzeit von 10,07 s (2014) vorbei. Die EM in der Hauptstadt ist für den Wahl-Berliner, der als Jugendlicher vom SC Syrau in die Hauptstadt wechselte, etwas ganz Besonderes: "Mit dem Start im Olympiastadion Berlin erfülle ich mir den Traum, unter den Augen meiner Familie, Freunde und dem einzigartigen Heimpublikum sprinten zu dürfen. Berlin, es wird sicher ein Fest. Ich freu mir!", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Bei den bisherigen drei EM-Teilnahmen hat Lucas Jakubczyk jeweils eine Medaille mit der deutschen Sprintstaffel gewonnen. Das beste Einzelresultat erzielte er 2014 als Fünfter.

Seiner EM-Premiere bei den Männern fiebert dagegen Sebastian Hendel entgegen. Der 22-Jährige vom LAV Reichenbach hat sich im Juni im belgischen Leiden mit einer Topzeit von 28:44,68 Minuten einen der drei deutschen Startplätze über die 10.000 Meter gesichert. Aufhorchen ließ der Student und junge Familienvater in der deutschen Leichtathletik-Szene außerdem als Deutscher Meister über 5000 und 10.000 Meter. "Das war im ersten Männerjahr so nicht zu erwarten", sagt Vater und Trainer Udo Hendel. Der ist zurecht stolz und hat für Familie, Freunde, Vereinskameraden und Fans längst Tickets für Berlin geordert. Daheim im Vogtland werden auch viele aktive Läufer nächsten Dienstag Daumen drückend vor dem Fernseher sitzen. Zum Saisoneinstieg im April hatte sich Sebastian Hendel schließlich noch an der Vogtlandmeisterschaft über 5000 Meter in Plauen beteiligt. Dass die EM vor Tausenden Zuschauern ein ganz anderes Kaliber wird, ist ihm klar. Doch Bangemachen gilt nicht. "Ich werde alles geben. Meisterschaftsrennen sind oft taktisch geprägt. Da ist vieles möglich", sagt er.

Das weiß mit Antje Möldner-Schmidt natürlich auch die erfolgreiche Hindernisläuferin mit vogtländischen Wurzeln. Die Eltern der in Potsdam geborenen und aufgewachsenen 34-Jährigen stammen aus Lengenfeld und sind vor einigen Jahren auch wieder in die Heimat zurückgekommen. Ihre Tochter startet inzwischen für den LC Cottbus und hat 2014 mit dem Gewinn des Europameistertitels ihren bislang größten Erfolg gefeiert. Zwei Jahre zuvor war sie die erste Deutsche, die über 3000 Meter Hindernis eine EM-Medaille gewann. Auch für Antje Möldner-Schmidt haben die Titelkämpfe nächste Woche in Berlin eine besondere Bedeutung. Denn sie hatte sich 2016 nach der Geburt einer kleinen Tochter entschieden, ihre Laufbahn fortzusetzen. Nach dreijähriger Pause knackte sie ausgerechnet an ihrem Geburtstag im Juni die Norm und legte später eine Saisonbestzeit von 9:39,25 Minuten nach. Bei der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg wurde sie Zweite hinter Gesa-Felicitas Krause, die bei der EM zu den Medaillenfavoritinnen gehört. Das Ziel von Antje Möldner-Schmidt, die auch Verwandte in Treuen und Wolfspfütz hat, ist der Endlauf. "Was dann passiert, werden wir sehen", sagte sie dieser Tage der "Lausitzer Rundschau".


Wann und wo die Fans nächste Woche vor dem Fernseher mitfiebern können?

Lucas Jakubczyk bestreitet am Montag, 16.30 Uhr seinen Vorlauf über 100 m. Am Dienstag überträgt das ZDF das Semifinale (19.30 Uhr) und den Endlauf (21.50 Uhr) live. Der Vorlauf der Staffel über 4 x 100 m am Sonntag (19.50 Uhr) ist ebenso wie das Finale (21.35 Uhr) als letzte EM-Entscheidung live im ARD zu sehen.

Sebastian Hendel ist am Dienstag, 20.20 Uhr dran. Der Endlauf über 10.000 Meter der Männer wird vom ZDF übertragen.

Antje Möldner-Schmidt hat in Berlin am Freitag, 12.25 Uhr ihren ersten Auftritt. Der Vorlauf über 3000 m Hindernis der Frauen läuft live in der ARD oder im Livestream. Der Endlauf am Sonntag, 20.15 Uhr wird ebenfalls vom Ersten übertragen.

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