Leidenschaft holt einen Punkt

Fußball-Regionalliga: Der VfB Auerbach erkämpft beim favorisierten FC Rot-Weiß Erfurt einen Punkt. Der Gast hatte sogar die besten Chancen.

Thomas Stock schirmt den Ball vor Pierre Becken ab. Das Foto kann symptomatisch für das gesamte Spiel stehen. Die Auerbacher ließen gegen den Favoriten nichts anbrennen und verhinderten so einen Fehlstart.

Von Marcus Schädlich

Fußball-Regionalligist VfB Auerbach hat am Samstagnachmittag bei saunaähnlichen Temperaturen im Erfurter Steigerwaldstadion nicht nur der Hitze erfolgreich getrotzt, sondern mit dem 0:0 auch dem sich vor der Partie siegesbewusst gebenden Drittliga-Absteigern des FC Rot-Weiß Erfurt einen Punkt abgetrotzt. Das torlose Remis war dabei nicht einmal unverdient. Mit etwas mehr Glück hätte es sogar einen Dreier geben können. Allerdings wäre das wohl des Guten etwas zuviel gewesen. Beide Teams hatten sich bei beinahe irregulären Bedingungen einen Punkt redlich verdient. "Es hat sich ganz schön aufgeheizt", sagte Auerbachs Felix Kunert nach dem Spiel, das passenderweise zur Mittagszeit im prallen Sonnenschein angepfiffen wurde.

Doch die Auerbacher behielten dabei einen kühlen Kopf. Die Gäste agierten gegen den Favoriten clever, kauften Erfurt den Schneid ab. Damit zeigte das VfB-Team einerseits eine Reaktion auf das 1:4 gegen den BFC Dynamo - so schlecht, wie das Ergebnis glauben machen könnte, war der VfB ohnehin nicht. Aber in Erfurt legte Auerbach noch eine Schippe drauf. Andererseits lag die Steigerung jetzt auch daran, dass Trainer Sven Köhler die Startformation änderte und damit ein glückliches Händchen hatte. Mit Alexander Mattern brachte er im defensiven Mittelfeld einen wichtigen Spieler, der sowohl nach hinten Lücken schloss und zudem auch nach vorn Akzente setzte. Er hätte der Matchwinner werden können, wenn sein Kopfball kurz vor dem Pausenpfiff nur Millimeter tiefer gelandet wäre. Mattern, der Ende August den Verein in Richtung Schweden verlässt, traf aber nur die Latte.

Die Chance wenige Minuten vor dem Pausenpfiff war so etwas wie der verdiente Lohn einer engagierten ersten Halbzeit. Auerbach arbeitete, Auerbach kämpfte. Das beeindruckte Erfurt. Nach gutem Beginn der Gastgeber vor ihrer lautstarken, 4661 Zuschauer großen Kulisse lag der Ball auch schon im Netz. Bei Shalas Kopfball soll der jedoch den Ellbogen gegen Auerbachs Vaclav Heger eingesetzt haben. "Schwachsinn", kommentierte Erfurts Coach Thomas Brdaric. Komplett aufzulösen war die Szene allerdings nicht. Auerbach hatte dabei wohl einfach das Spielglück, das gegen den BFC Dynamo bei dem umstrittenen Elfmeter fehlte. In der Erfurter Tropenhitze wäre es eine Herkulesaufgabe gewesen, einen Rückstand zu egalisieren. Gerecht wäre die Führung - in Anbetracht der gesamten ersten Halbzeit - auch nicht gewesen. "Wir haben sehr gut aktiv verteidigt", sagte Sven Köhler.

Gut verteidigt, aber die Belohnung verpasst - so könnte ein Fazit der zweiten Halbzeit lauten. Obgleich Brdaric nachlassende Kräfte bei den Gästen ausmachte, fehlte seinem Team die Inspiration, Auerbachs leidenschaftlich arbeitende Defensive zu überwinden. Eckbälle, schnelle Anspiele in die Spitze oder der Versuch, über Einzelaktionen in die Gefahrenzone zu kommen - all das führte nicht zu einem Tor der Erfurter. Und so hatte tatsächlich Auerbach die beste Chance des Spiels: Amer Kadric spielte lehrbuchreif Felix Kunert frei. Der hatte Zeit und Raum allein vor RWE-Keeper Cichos - aber keinen kühlen Kopf. "Die Annahme war nicht gut, oder ich hätte eher abschließen müssen", ärgerte er sich selbst. "Ich werde wohl noch ein Stück über diese Chance nachdenken." Oder es schnell besser machen. Schon am Mittwoch hat er womöglich die nächste Gelegenheit. Dann spielt Auerbach bei der VSG Altglienicke. Da die Partie 18 Uhr beginnt, dürfte die größte Hitze des Tages wohl auch vorüber sein. Und wenn nicht: Auerbach hat in Erfurt bewiesen, dass die Mannschaft auch damit umgehen kann.

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