Mädchen für alles fliegt nach Spanien

Lilli Lorenz vom FSV Bau Weischlitz darf sich seit kurzem "Fußballheldin" nennen - Sie macht ihren Verein sogar in Ghana bekannt

Die 20-jährige Lilli Lorenz ist Jugendleiterin beim FSV Bau Weischlitz. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeichnete sie vor kurzem in seiner Aktion "Junges Ehrenamt" aus. Clemens Zierold unterhielt sich mit der Studentin für internationales Management.

"Freie Presse": Wie kam es zu der Auszeichnung?

Lilli Lorenz: Unser Vorsitzender Uwe Köhler und die anderen Vorstandsmitglieder hatten mich nominiert. Es ist eine riesige Ehre und Anerkennung für mich, überhaupt nominiert zu werden. Dass ich dann auch noch ausgewählt wurde, hat das gekrönt.

Nun werden Sie vom DFB nach Spanien zu einer Bildungsreise geschickt. Was erwartet Sie dort?

Ich hoffe, neue interessante Bekanntschaften mit verschiedensten Sicht- und Herangehensweisen zu machen. Ich freue mich auf den Erfahrungsaustausch, Anregungen und Ideen, die ich mit nach Weischlitz bringen kann. Vielleicht gibt es ja auch Kontakte, um unsere Mannschaften bundesweite Erfahrungen sammeln zu lassen. Ich weiß, dass einige theoretische und praktische Lerneinheiten durch DFB-Referenten vorgesehen sind. Die praktischen Einheiten würde ich denen überlassen, die das auch können. Ich sammle lieber Ideen und bringe die für die Trainer zu Hause mit.

Was sind Ihre Aufgaben im Verein?

Die Arbeit beim FSV ist ein schöner, wenn auch oft anstrengender Ausgleich zu meinem dualen Studium. Seit über drei Jahren bin ich mit meinen jetzt 20 Jahren hauptsächlich für unsere recht große Jugendabteilung zuständig, für Saisonplanung, Events für die Kids, Kommunika tion mit den Trainern, Organisation der Trainingszeiten, den Auftritt in sozialen Medien, das Beschaffen von Vereins- und Spielkleidung, die Organisation von Veranstaltungen und vieles mehr. Hauptsächlich versuche ich, neue, junge Sichtweisen und Ansätze in die Vereinsarbeit einzubringen. Außerdem habe ich für Jeden zu jeder Zeit ein offenes Ohr.

Eine sehr vielfältige Arbeit, die wahrscheinlich einiges an Freizeit raubt. Vorigen Sommer mit dem Hochwasser, den vogtländischen Pokalfinals in Weischlitz und dem Benefizturnier dürfte es wenig Entspannung gegeben haben. Kommt man als Ehrenamtlerin da irgendwann an seine Grenzen?

In der Tat war der Sommer sehr vollgepackt. Aber wenn man sich immer wieder darauf besinnt, wofür man es macht, wie zum Beispiel strahlende Kinderaugen, ist alles im grünen Bereich. Zudem sei gesagt, dass man in Weischlitz nie allein ist. Wir haben eine große Anzahl an Mitgliedern, die mindestens dieselbe Zeit und denselben Aufwand in den Verein stecken und sich gegenseitig sehr unterstützen. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Außerdem wächst man immer mit seinen Aufgaben. In Sachen Ehrenamt war mein Vater mir immer ein Vorbild.

Nicht nur im Fußball sind Sie engagiert. Neben Ihrem Stu dium setzen Sie sich auch im sozialen Bereich ein, Sie waren zum Beispiel in Afrika unterwegs. Worum ging es da?

2017 war ich in Tansania und Südafrika, Anfang vorigen Jahres in Ghana - Erlebnisse, die mich sehr geprägt und erfüllt haben. Ich habe in örtlichen Grundschulen gearbeitet und versucht, den Kindern dort einige Grundlagen in Mathematik und Englisch mit auf den Weg zu geben. Die Dankbarkeit und Wärme, die ich dort erfahren habe, waren einschneidende Erfahrungen und regen zum Umdenken an. Ich denke und hoffe, dass das nicht die letzten Trips dieser Art waren. In Ghana habe ich einen Koffer mit getragenen Fußballtrikots aus Weischlitz gespendet, wofür ich mit vielen dankbar lachenden Kindergesichtern belohnt wurde.

Sie sind generell gern auf Reisen. Kürzlich hielten Sie sich in Schweden auf, waren danach bis Weihnachten in Israel. Managen Sie auch aus der Ferne Ihren Verein?

Ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten mein Bestes. In der heutigen Zeit, wo vieles auch online zu regeln geht, stellt das kein großes Problem dar. Zudem habe ich immer einen starken Rückhalt durch meine Familie und die Trainer vor Ort in Weischlitz.

Der Fußball ist traditionell in Männerhand. Mit Ihrem Know-how und den Erfahrungen, die Sie gesammelt haben und in Spanien ausbauen wollen, haben Sie vielen sogenannten Fußballfachmännern einiges voraus. Kommen die Männer mit Ihrer fachlichen Kompetenz klar?

Eine gute Frage. Ich denke, als junge Frau wird man oft unterschätzt. Das ist manchmal gar nicht nur von Nachteil. Ich würde mich nicht in Diskussionen um Spieltaktiken einbringen, aber in organisatorischen und administrativen Bezügen kann durchaus auch eine junge Frau voll auf der Höhe sein. In meinem Verein gibt es da keine Probleme, weil dort jeder das macht, was er am besten kann. Ich arbeite gern mit den Männern zusammen. Geht es aber um Angelegenheiten außerhalb meines Vereins, trifft man schon auf Vorurteile. Das macht aber nichts, da muss man sich dann eben beweisen und Charakter zeigen. Diese Herausforderung nehme ich gern an. Man trifft aber auch immer wieder Menschen, vor allem aus der jüngeren Ehrenamtsgeneration, die damit kein Problem haben und es eher als coole Sache sehen.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann in einem größeren Verein die Geschicke zu leiten? Was wünschen Sie sich für die Zukunft des FSV Bau Weischlitz?

Schwer vorstellbar, dass sich je so ein Angebot für mich auftun würde. Generell - Stand jetzt - möchte ich gern in meiner Heimat bleiben, und das grenzt das Ganze schon stark ein. Aber man soll niemals nie sagen. Sicherlich würde ich ein paar Gedanken daran verlieren, das wäre auf jeden Fall eine große Herausforderung. Für unseren Verein wünsche ich mir weiterhin einen so tollen Zusammenhalt wie ich ihn vorigen Sommer erst spüren konnte. Auch wünsche ich mir, dass der einfache, nichtkommerzielle Dorffußball und der damit verbundene Spaß am Teamsport noch viele Jahre weiter bestehen und wir lange von unserer Jugendarbeit in den Männerteams zehren können. Denn dafür opfern die vielen Ehrenamtler ihre Zeit und Energie. An dieser Stelle möchte ich mich bei all unseren Trainern und Helfern für ihre tägliche Arbeit bedanken. Das kommt leider oft zu kurz, obwohl es doch keine Selbstverständlichkeit ist.

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