Marcel Schlosser will sich selbst beschenken

Bei der VSG Altglienicke in Berlin muss FußballRegionalligist VfB Auerbach heute antreten. Der Gastgeber ist kein Verein wie jeder andere.

VfB-Routinier Marcel Schlosser hatte ein Angebot vom heutigen Gegner Altglienicke vorliegen, mit dessen Trainer er befreundet ist. Schlosser entschied sich, in Auerbach zu bleiben.

Von Marcus Schädlich

Volkssport Gemeinschaft Altglienicke - der Name des nächsten Gegners des VfB Auerbach in der Fußball-Regionalliga (Anstoß heute, 18 Uhr) klingt nicht unbedingt sexy, nicht so schillernd wie Rot-Weiß Erfurt oder Chemnitzer FC. "Der Name klingt wie ein Stadtteilverein Berlins", sagt selbst Auerbachs Sven Köhler. Das führt dazu, dass man die VSG leicht unterschätzt - aber nicht der Auerbacher Coach. "Das ist eine sehr gut besetzte Mannschaft. Wir fahren als Außenseiter nach Berlin", sagt er.

Köhler muss es wissen, hat er die VSG doch beim Auftaktspiel gegen Rot-Weiß Erfurt gesehen. Trotz der 0:3-Niederlage hat er einen Gegner ausgemacht, der über einen hochkarätigen Kader verfügt. "Die Berliner haben eine solide Defensive, mit Pepic einen überdurchschnittlichen Regionalliga-Spieler im zentralen Mittelfeld und mit Quiring ebenfalls. Und mit Ede einen, der schon mal Bundesliga gespielt hat." Eben jener Ede traf beim 3:2-Sieg bei Hertha BSC II doppelt. Zu Wochenbeginn kam mit Benjamin Förster noch ein weiterer Spieler mit einem klangvollen Namen hinzu. Er wechselte aus Cottbus nach Berlin.

Dabei muss Altglienicke froh sein, überhaupt noch in der Regionalliga zu spielen. Von einem Last-Minute-Klassenerhalt in der vergangenen Saison zu sprechen, ist fast schon geschmeichelt. Die VSG erreichte die Qualifikation zu ihrer zweiten Regionalliga-Saison erst nach Saisonende. Das Team war bereits abgestiegen. Dann gewann Energie Cottbus die Relegation und die Mannschaft aus Treptow-Köpenick blieb in der vierten Liga.

Der Verein legte in den vergangenen Jahren einen fulminanten Aufstieg hin, spielte die VSG doch in der Saison 2006/07 noch in der Kreisliga. Da ist es nicht verwunderlich, dass dieser sportliche Erfolg den Verein beinahe überrumpelte. Bis heute hat die VSG - obwohl dies in den NOFV-Bestimmungen festgelegt ist - keine eigene regionalligataugliche Spielstätte. Der Verein weicht in den Jahn-Sportpark aus. Bei einem Zuschauerschnitt von 372 in der 20.000-Zuschauer-Arena ist das nicht immer vergnüglich. Zum Auftakt gegen Erfurt kamen aber schon einmal knapp über 1000 Zuschauer. Wenn es nicht die Tradition oder eine breite Fanbasis sind, muss es also andere Gründe geben, weshalb die VSG namhafte Spieler in ihren Reihen hat.

Vielleicht ist es der Trainer Andreas Zimmermann. Einer, der für den VfB aufläuft, hätte es deshalb auch beinahe nach Berlin gezogen. Marcel Schlosser verbindet mit Zimmermann eine innige Freundschaft. "Ich habe in der Saison 2013/14 unter ihm in Jena gespielt und in 30Spielen 27 Scorer-Punkte erzielt", sagt Schlosser. "Das war eine geile Saison. Daraus ist über die Jahre eine Freundschaft entstanden." Die ist so eng, dass Zimmermann im Sommer bei Schlosser anklopfte und nachfragte, ob er nicht zur VSG wechselt. "Ich bin aber in Auerbach geblieben, weil ich mich pudelwohl fühle."

Daher muss seine Freundschaft zu Zimmermann heute ruhen. "Für 90 Minuten wird sie das", sagt Schlosser. Er will die drei Punkte aus Berlin mitbringen: "Wenn meine Jungs und ich eine Leistung wie in Erfurt bringen, dann haben wir gute Chancen, etwas mit ins Vogtland zu nehmen." Es wäre das passende Geburtstagsgeschenk für Schlosser, der am heutigen Mittwoch 31 Jahre alt wird. "Das ist aber nur Nebensache", sagt er. "Die drei Punkte würde ich trotzdem gern haben."

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