Mit breiter Brust ins erste Spiel

Mit Auswärtspartien steigen die beiden Plauener Oberligateams morgen in die neue Handballsaison ein. Die Ansprüche beider Teams sind dabei völlig unterschiedlich.

HBV Jena - HC Einheit Plauen. Mittendrin im Getümmel der besten Oberligateams aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen darf sich diese Saison wieder der HC Einheit Plauen bewähren. Eine schwere Aufgabe für das noch nicht gefestigte Team von Neutrainer Michel Wiesend. Klassenerhalt ist das Minimalziel. Gute Auftritte in einigen Testspielen machen Hoffnung. Dazu kommt ein junger, ehrgeiziger Trainer, der in seinem ersten Oberligajahr seine Fähigkeiten beweisen will. Wie schon in der vorigen Saison startet Einheit mit einem kleinen Kader. "Fast alle Oberligateams haben etliche Ab- und Zugänge. So ist deren Stärke schwer einzuschätzen. Wir wollen mit breiter Brust nach Jena fahren und die ersten Punkte sammeln", sagt Trainer Michel Wiesend. Punktet Einheit in den Spielen gegen die Oberliganeulinge - nächste Woche kommt Aufsteiger SV Oebisfelde nach Plauen - würde das Team gestärkt zum dritten Saisonspiel zum Titelfavoriten nach Naumburg fahren. "Außer Pascal Wolf, dessen Sprunggelenkverletzung hoffentlich bald ausgeheilt ist, sind alle einsatzbereit. Die Spieler fiebern schon dem Saisonstart entgegen. Florian Dobritz und Tom Mehler werden aber, um Spielpraxis zu bekommen, in der zweiten Mannschaft eingesetzt", so der Coach. Der Aufstieg in die Oberliga ist der größte Erfolg im Jenaer Männerhandball. 1990 bündelten man die Kräfte und gründete aus BSG Carl Zeiss, BSG Glaswerk, Dynamo und SG Zeiss Uni den neuen Verein HBV Jena. Die Thüringer hoffen, irgendwann in der 2. Bundesliga zu spielen. (tau)

SG Pirna/Heidenau - SV 04 Oberlosa. Das Team aus Pirna um Trainer Dusan Milicevic schloss die vergangene Saison auf Platz 10 ab. Traditionell bauen die Pirnaer auf eine starke Abwehr. Mit Torhüter Benas Vaicekauskas (Litauen), Regisseur Milan Valincic (Kroatien) und Kreisläufer Martin Durcek (Slowakei) holte man sich viel internationale Erfahrung ins Team. Die drei Neuen sollen mit den etablierten Leistungsträgern eine schlagkräftige Mannschaft bilden. Vergangene Saison verbauten sich die Pirnaer bessere Ergebnisse oftmals durch ihre überharte Gangart, so brachte es die Mannschaft auf 19 rote Karten und 159 Zeitstrafen. Im Vorjahr lange in den Kampf um den Klassenerhalt verwickelt, will die SG nun in deutliche ruhigere Fahrwasser steuern. Die im Großteil eingespielte Oberlosaer Mannschaft muss mit Marc Multhauf und Karel Kveton lediglich zwei Neue integrieren. Gegen die abwehrstarken Pirnaer bedarf es insbesondere eines hohen Tempos im Angriffsspiel und das konsequente Ausnutzen der Tormöglichkeiten. Trainer Petr Hazl blickt optimistisch auf die erste Saisonaufgabe. "Wir hatten in der Vorbereitung zwischendurch mal einen Hänger, zuletzt zeigte die Formkurve nach oben. Wenn wir unser Leistungsvermögen voll ausschöpfen, haben wir gute Chancen, in Pirna erfolgreich zu sein." Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz des angeschlagenen Keepers Erik Petzoldt. (rimi)


"Wir wollen und können mit Lockerheit attraktiven Handball spielen."

Ausgerechnet vom Ortsrivalen Oberlosa kommt der neue Trainer des HC Einheit Plauen, Michel Wiesend. Rainer Taubald sprach mit dem 39-Jährigen.

"Freie Presse": Wir war Ihr sportlichen Werdegang beim SV 04?

Michel Wiesend: In den Jugendteams begann meine Handballkarriere. 1998 spielte ich erstmals bei den Männern. Gleichzeitig trainierte ich den Nachwuchs. Ich bin stolz, dass ich Spieler wie Flämig, Hertel oder Trommer-Ernst, heute alle Stammspieler im Oberligateam, unter meinen Fittichen hatte. Insgesamt war ich 18 Jahre Trainer bei Oberlosa und machte in dieser Zeit den B-Lizenz-Trainerschein. Nach Ende meiner Spielerlaufbahn war ich zuletzt vier Jahre von der Bezirksliga bis in die Sachsenliga Trainer der zweiten Mannschaft.

Dann suchten Sie eine neue Herausforderung?

Ja. Zuvor hatte ich aus privaten Gründen in der vergangenen Saison meine Handballaktivitäten unterbrochen. Ich wollte meinen sportlichen Werdegang als Trainer weiterführen und vor allem mit meiner höheren Qualifizierung den nächsten Schritt gehen.

Wie kam es dann zum Engagement beim Stadtrivalen?

Ich erfuhr Ende Juni aus der Presse, dass der HC Einheit Plauen immer noch auf Trainersuche ist. Nach Gesprächen mit Spielern des Vereins habe ich beim Vorstand angefragt, ob ich helfen kann, vielleicht als Co-Trainer, so war meine Vorstellung. Ich hatte danach ein gutes Gespräch, das mich beeindruckte. Das Angebot, das Amt des Cheftrainers zu übernehmen, hat mich aber dann doch überrascht. Ich hatte auch noch andere Angebote von außerhalb Plauens. Aber als voll Berufstätiger habe ich nach kurzer Bedenkzeit zugesagt.

Wie ist Ihre Gefühlslage, beim ewigen Rivalen anzuheuern?

Natürlich musste ich erst mal tief durchatmen, als ich die Einheit-Arena zum Gespräch mit dem Vorstand betrat. Jahrzehntelang war auch ich mit der Rivalität der beiden Vereine konfrontiert. Doch letztlich ist die sportliche Aufgabe wichtiger, weniger die Logos, die man zu vertreten hat.

Wie ist der Stand Ihres Teams?

Unser Spielerkader steht. Der Trainingsrückstand aus dem vergangenen Saisonende ist groß, die Fitness aber gut. Deshalb muss zunächst viel über den Willen kommen. Unsere drei Neuen Danowski, Kies und Rajic haben viel Potenzial. Testspiele zeigten unsere Stärken, deckten aber auch unsere Schwächen auf. Um die zu beseitigen gibt es noch viel Arbeit für mich und Co-Trainer Jan Richter, der vorerst nicht mehr spielen wird.

Das Saisonziel ist Klassenerhalt?

Ja, als Mindestziel. Doch ich habe die Videos des vergangenen Spieljahres gesehen. Sehr viele Spiele wurden nur knapp verloren. Oft fehlte das Glück, das man bei unserem schnellen Sport braucht. Ich hoffe deshalb, dass wir uns trotz unseres derzeitig kleinen Kaders, vielleicht gibt es noch den einen oder anderen Neuzugang, im Mittelfeld platzieren.

Mit welcher Handballphilosophie wollen Sie das erreichen?

Mannschaftlich geschlossen auftreten, schnelles Umschaltspiel und mentale Stärke. Jeder muss die ihm zugeordnete Aufgabe lösen, und wir müssen unsere Stärken zur Geltung bringen. Wir wollen und können mit Lockerheit attraktiven Handball spielen. Wir haben als Abstiegskandidat doch keine Bringepflicht.

Wer sind Ihre Favoriten?

Elbflorenz II, Köthen, Burgenland und Oberlosa sind Titelfavoriten. Die Aufsteiger und die Teams im hinteren Drittel spielen gegen den Abstieg.

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