Motorrad-Trial bleibt keine reine Männerdomäne mehr

In Oelsnitz haben die ersten Frauen ihre Liebe zum Geschicklichkeitssport auf zwei schmalen Reifen gefunden. Wann sie richtig loslegen können, steht jedoch noch nicht fest.

Oelsnitz.

Die Coronakrise hat auch den Trialsportlern im wahrsten Sinne des Wortes den Motor abgewürgt. Die Motorrad-Geschicklichkeitsfahrer dürfen derzeit weder ihre Maschinen aus der Garage holen noch trainieren. Ihre Ostdeutsche Meisterschaft konnte noch nicht begonnen werden. Der am 22. März in Flöha angesetzte Auftaktlauf musste bereits abgesagt werden. Die nächste Veranstaltung, Anfang Mai ausgerechnet im als Corona-Hotspot bekannt gewordenen oberfränkischen Mitterteich geplant, dürfte ebenfalls ausfallen. Wann und ob die Saison für die in der Ostdeutschen Trialmeisterschaft vereinten Vereine und die zahlreichen Privatfahrer startet, steht derzeit noch in den Sternen.

"Wir haben außer der Vorgabe, nicht zu trainieren und uns nicht treffen zu dürfen, derzeit keinerlei Ansage, wie es weitergehen soll", sagt Marcel Ranacher, Vorsitzender des Motorsportclubs Oelsnitz, der die vogtländische Fahne in den ostdeutschen Titelkämpfen hochhält. Ranacher, der direkt neben der Oelsnitzer Trialstrecke eine Zweiradwerkstatt betreibt, sieht dennoch gute Chancen, dass zumindest ein Teil der Läufe ausgetragen werden kann: "Ich persönlich glaube, dass wir spätestens nach der Sommerpause im Juli endlich fahren können", sagt er.

Das wäre ein Glück für seinen im März 2018 gegründeten Oelsnitzer Club. Die von ihm ausgerichtete Doppelveranstaltung steht stets am Ende des Wettkampfkalenders. Am 12. und 13. September soll auf dem Terrain im Industriegebiet unterhalb des Areals der Stadtwerke eine Vorentscheidung im Kampf um die Titel fallen.

Gut ein Dutzend Starter wollen die Oelsnitzer in den diesjährigen Wettbewerb schicken. Der wurde sogar um eine Klasse erweitert. Erstmals gibt es eine Frauenklasse. "Die Idee geisterte ja schon ein Stück durch die Köpfe der Verantwortlichen", erzählt Ranacher. "Auf einer Beratung in Leipzig kam die Sache auf den Tisch, wurde von allen Beteiligten begeistert aufgenommen und innerhalb von zehn Minuten beschlossen."

So fiebern mit Marcel Ranachers Schwester Susann und Tochter Jasmin zwei enge Verwandte des Vereinschefs ihrem Wettkampfdebüt entgegen. "Wir wollen zeigen, dass Trial auch ein Sport für Frauen sein kann", sagt die 18-jährige Jasmin Ranacher. "Ich fahre auch privat Motorrad, trainiere seit ungefähr zwei Jahren mit der Trialmaschine. Obwohl ich anfangs sehr skeptisch war, hat es mich jetzt gepackt, auch wenn dieser Sport alles andere als einfach ist." Ähnlich geht es Susann Ranacher: "Mich fasziniert, dass es nicht um Schnelligkeit geht, sondern um Gefühl und Gleichgewicht", erzählt die 39-Jährige, die seit vorigem Jahr übt. "Und dass man auch nachdenken muss, wie man am besten über ein Hindernis drüberkommt. Wir hoffen nun, dass es baldmöglichst wieder losgeht."


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