Nächster Halt: Weltmeisterschaft

Der Plauener Christian Fröhlich hat sich den Europameistertitel der Altersklasse U19 im Poolbillard gesichert. Der 16-Jährige möchte noch viele solcher Erfolge feiern und sein Hobby gerne zum Beruf machen. Doch das ist gar nicht so leicht.

Plauen/Veldhoven.

Christian Fröhlich staunte nicht schlecht, als er Mitte Juli das Hotel Königshof im niederländischen Veldhoven betrat, in dem die 40. Europameisterschaft im Poolbillard ausgetragen wurde. "Zum einen war das Hotel so groß, dass man bis auf das Zimmer fünf Minuten laufen musste. Zum anderen standen dort 60 Billardtische. Es war mit 500 Teilnehmern das bisher größte Billardturnier in Europa", erzählt der 16-jährige Gymnasiast. Doch zum Spaß oder um die Atmosphäre zu genießen war Fröhlich nicht angereist. Gemeinsam mit weit über 50 weiteren Billardspielern aus ganz Deutschland sollte möglichst viele Erfolge bei der Europameisterschaft erspielt werden. Am Ende konnte sich der Plauener zwei Goldmedaillen umhängen und einen großen Pokal mit nach Hause nehmen.

"In eineinhalb Wochen hatte ich über 30 Matches zu spielen. Das sind drei bis vier Spiele pro Tag. Dabei bin ich in vier Einzelwettbewerben und im Teamwettbewerb angetreten", so Fröhlich. Viel Freizeit hatte er also nicht. Und als dann auch noch die ersten Misserfolge im Turnier kamen, nagte das schon ziemlich am 16-Jährigen. "Das war meine erste Europameisterschaft, deshalb wusste ich nicht genau, was auf mich zukommen wird. Als Team wollten wir wie in den vergangenen vier Jahren auf alle Fälle gewinnen", erinnert er sich. In den ersten beiden Einzeldisziplinen funktionierte bei ihm noch nicht alles perfekt. Jeweils im Viertelfinale war da Schluss. Das wollte er nicht auf sich sitzen lassen.

"Die Niederlagen haben mich sehr traurig gemacht. Aber dann habe ich mich dazu entschieden, in der dritten, der 8-Ball-Disziplin, noch einmal alle Kräfte zu bündeln. Das hat prima geklappt. Ich schaffte es bis ins Finale gegen meinen Teamkollegen Alen Salic und konnte das auch noch gewinnen. Das war klasse", freut sich der junge Billardspieler über seinen ersten Europameistertitel. Im vierten Einzelwettkampf, im 9-Ball, schaffte er es direkt noch einmal ins Finale, musste sich dort aber dem Bosnier Sanjin Pehlivanovic geschlagen geben.

Nach dem Einzel stand der Teamwettkampf an. Gemeinsam mit Alen Salic und Luca Menn schlug Christian Fröhlich im Finale das russische Team. Mit dem Europameistertitel hat sich der Plauener, der zudem in der 2. Bundesliga der Herren für den 1. PBC Gera spielt, für die Weltmeisterschaften in Moskau Ende Oktober qualifiziert. "Das wird das absolute Highlight meiner bisherigen Karriere", freut sich der 16-Jährige.

Mit der Europameisterschaft war die intensive Sommertour für Christian Fröhlich noch nicht ganz beendet. Direkt im Anschluss ging es in Veldhoven mit einem Turnier der Eurotour weiter. "Das ist die professionellste Tour Europas. Dort treffen sich alle Topspieler. Das Ganze findet sechsmal im Jahr immer in anderen Ländern statt", erklärt er. Solch eine Turnierteilnahme bedeutet für einen Billardspieler immer auch einen erheblichen finanziellen Aufwand. "Anreise, Unterkunft und Verpflegung muss man alles selbst stemmen, zumal es für unter 18-Jährige keine Preisgelder oder ähnliches gibt. Deswegen ist man auch immer wieder auf Sponsoren angewiesen. Zwei habe ich schon, aber über mehr Unterstützung würde ich mich riesig freuen", so Fröhlich.

Laut dem Plauener gibt es weltweit nur eine Handvoll Spieler, die wirklich gut von ihrem Sport leben können. Dennoch möchte der Elftklässler möglichst sein Hobby zum Beruf machen. Das Zeug dazu hat er allemal. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg, der auch gute Sponsoren benötigt.

Bis dahin möchte sich Christian Fröhlich aber erst mal ein ordentliches Standbein aufbauen, das Abitur machen und danach vielleicht studieren. Und bis es soweit ist, hat er noch einige Zeit, um zu trainieren. Das tut er derzeit fünfmal in der Woche für je zwei bis drei Stunden. Die Hälfte davon absolviert er in Gera bei seinem Verein, die andere Hälfte individuell in Plauen. Die restlichen Tage geht er ins Fitnessstudio, denn ein Billardspieler muss auch körperlich auf einem ausgezeichneten Level sein. "Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. So ein Wettbewerb zehrt unwahrscheinlich an den Kräften. Die Konzentration muss über die gesamte Dauer des Spiels - das kann bis zu eineinhalb Stunden gehen - gewährleistet sein. Das geht nur, wenn man fit ist", erklärt er.

Ende September wird es wieder Ernst für das Plauener Billard-Ass. Dann beginnt die Saison der 2. Bundesliga der Männer. In der mit acht Mannschaften besetzten Staffel spielte sein Team aus Gera in der vergangenen Spielzeit gegen den Abstieg und konnte diesen verhindern. Trotzdem sicherte sich Christian Fröhlich innerhalb der Liga den zweiten Platz in der Einzelrangliste - als 16-Jähriger unter den Männern. Deswegen ist es auch sein Ziel, irgendwann einmal in der 1. Bundesliga an den Tisch zu gehen, auch wenn es bei Turnieren mehr zu verdienen gibt und der Weg zum Profi nur darüber geht.

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