Nervenstarke Senkrechtstarterin verblüfft alle

Anna Goller aus Plauen hat vor wenigen Tagen an den Deutschen Meisterschaften im Schießen mit der Luftpistole teilgenommen. Sie ist die Vogtlandsportlerin der Woche.

Plauen.

Das muss Anna Goller erst einmal jemand nachmachen: Erst seit gut anderthalb Jahren betreibt die 20-Jährige des Sportschießen aktiv - und schon im zweiten Jahr hat sie es zu den Deutschen Meisterschaften geschafft. Zu ihrer eigenen Überraschung und natürlich auch zu der ihrer Trainer und Sportkameraden bei der 1. Bürgerlichen Schützengilde zu Oelsnitz brachte Anna Goller im März von den Landesmeisterschaften mit der Luftpistole aus Brandis bei Leipzig die Silbermedaille in der Altersklasse Juniorinnen I mit. Damit verbunden war die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften auf der Olympiaanlage von 1972 in München-Hochbrück.

Platz 36 unter 40 Starterinnen sprang für Anna Goller vor wenigen Tagen beim Wettkampf in München heraus. "Damit bin ich total zufrieden. Ich war allerdings sehr aufgeregt, sonst hätte es vielleicht sogar noch ein, zwei Plätze besser sein können", sagt die junge Plauenerin. "Dieses Riesengelände, diese große Anzahl an Schützen, die dort gleichzeitig schießen - das ist schon Wahnsinn! Und diesen vielen Eindrücken lenken einen vielleicht auch ein bisschen ab." Dabei ist gerade das sich Fokussieren, das Ausblenden aller äußeren Einflüsse eine ihrer großen Stärken. "Beim Schießen kehrt man ganz in sich, taucht in eine ganz andere Welt ein", schildert sie ihr Empfinden.

Stolz auf Anna Gollers kometenhafte Entwicklung ist man natürlich auch bei ihrem Verein in Oelsnitz. Dessen sportlicher Leiter, Aron Fläschendräger, war schon nach der Silbermedaille bei den Landesmeisterschaften baff: "Wenn man bedenkt, dass Anna erst seit Anfang 2018 dem Schießsport nachgeht, ist ihre persönliche Bestleistung von 352 von 400 möglichen Ringen, die sie da geschossen hat, aller Ehren Wert. Ihre Konkurrentinnen betreiben diesen Sport immerhin schon bis zu rund zehn Jahren. Auch in München zeigte sie ihre gewohnte Nervenstärke, den nötigen Ehrgeiz und schoss ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Sie ist unsere erste Jungschützin, die es bis zur Deutschen Meisterschaft schaffte. Darauf sind wir sehr stolz!"

Zum Schießsport kam die gelernte Mediengestalterin, die jetzt ein freiwilliges soziales Jahr antritt, über einen Cousin. Der hat ihr immer wieder mal davon vorgeschwärmt, sodass sie sich entschloss, einmal am Vereinstraining der Oelsnitzer probehalber teilzunehmen. Das hat ihr auf Anhieb Spaß gemacht. Dass die Jungschützen des Vereins auf der Anlage am Plauener Treffer trainieren, kommt ihr natürlich entgegen. Allerdings lernte sie auch schnell, dass dieser Sport nicht nur Konzentrationsvermögen und ein gutes Auge verlangt. "Die Waffe lange ruhig zu halten, ist ganz schon schwer. Ich musste erst ordentlich Krafttraining machen, damit ich das Zittern in Armen und Beinen in den Griff bekomme."

Inzwischen ist ein reichliches Jahr vergangen und Anna Goller schon festes Mitglied der Oelsnitzer Mannschaft in der Landesliga im Luftpistolenschießen. "Ich fühle mich in der Schützengilde sehr wohl, bin dort super aufgenommen worden und habe durch den Schießsport neue Freunde gefunden."

Die Zeit bei den Jungschützen geht für die Plauenerin allerdings nun langsam zu Ende. "Ab 2020 schieße ich in der Damenklasse, da wird es deutlich härter. Aber ich will dranbleiben und mich weiter verbessern. Wenn ich mich dann noch einmal für eine Deutsche Meisterschaft qualifizieren und dort noch ein bisschen besser abschneiden kann, dann wäre das toll."

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