Neunjähriger fährt Erfolgskurs

Neben dem nationalen Titel hat Ben Wiegner aus Plauen in diesem Jahr auch den ADAC-Pocket-bike-Cup gewonnen. Der Erfolg mit all seinen Herausforderungen kommt dabei nicht von ungefähr.

Plauen.

Die Geschwindigkeit scheint er im Blut zu haben, auch wenn die kleine Pocketbike-Maschine, auf der Ben Wiegner in den vergangenen vier Jahren gefahren ist, noch nicht die ganz großen Geschwindigkeiten zulässt. Erfolgreich unterwegs ist er allemal. Der Neunjährige hat dieses Jahr auf dem für Kinder ausgelegten Klein-Motorrad den vom ADAC ausgetragenen Pocketbike-Cup gewonnen - eine Rennserie für Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, mit insgesamt 14 Saisonrennen. Durch den Gesamtsieg ist er automatisch auch Deutscher Pocketbike-Meister.

Der junge Rennfahrer stand in der Klasse der GRC-Maschinen schon vor dem letzten Renntag Ende September in Templin als Meister fest. Denn der Plauener dominierte die Rennserie in dieser Saison. Mehrmals konnte er Einzel- oder auch Doppelsiege einfahren, da an den Renntagen jeweils zwei Wettkämpfe ausgetragen wurden.

Ein Erfolgsgeheimnis kann der junge Rennsportler nicht direkt nennen. "Wenn ich am Start stehe, hoffe ich nur immer, dass ich gut ins Ziel komme. Aber: Vor meinem ersten Doppelsieg habe ich Jagdwurst gegessen. Seit dem esse ich die vor jedem Rennen", scherzt der Kleine. Seine Eltern bescheinigen ihm jedoch ein gewisses Naturtalent. "Ben schafft es, sich fahrtechnisch so ins Zeug zu legen, dass er fast immer vorne dabei ist, während die Motorräder technisch alle gleich sind und keiner dadurch einen Vorteil hat", so Vater Thomas Wiegner.

Ben schloss schon im vergangenen Jahr den Pocketbike-Cup als Vizemeister ab. Motiviert durch seinen neuen Erfolg, will er in der Saison 2019 in der nächst höheren Klasse, dem Minibike-Cup antreten. Das bedeutet eine größere Rennmaschine und auch mehr Wettkämpfe. "Da gilt es dann auch Gänge zu schalten und zu kuppeln. Auf dem Pocket konnte man nur Gas geben", erklärt Thomas Wiegner.

Motorradsport wird in der Familie groß geschrieben. Vater Thomas ist selbst zu DDR-Zeiten im Hobbybereich Rennen gefahren, Bens große Schwester saß ebenfalls auf der Rennmaschine und Stiefbruder Jonas (15) ging im September als Sieger der neu ins Leben gerufenen sächsischen Junior-Pitbike-Challenge hervor. Auch die großen Rennen der Weltmeisterschaft mit den Stars um Valentino Rossi flimmern über den heimischen Fernseher. "Ben ist da reingewachsen und hat einfach viel Spaß daran. Deshalb bekommt er von uns auch die vollste Unterstützung", so Thomas Wiegner.

Damit geht auch ein hoher finanzieller und logistischer Aufwand ein. Die Rennmaschinen, Kleidung sowie Fahrt- und Transportkosten zu den Veranstaltungen müssen selbst getragen werden. Sponsoren lassen sich schwer finden. Auch das Training liegt in der Eigenverantwortung. "Wenn Ben mal nicht auf dem Bike sitzt, dann muss er zu Hause auch mal auf die Matte und sich mit Übungen fit halten. Denn der Körper steht auf dem Motorrad unter ständiger Anspannung", so Mutter Katrin Ast-Wiegner.

Im Winter trainiert Ben in der Karthalle am Sachsenring und im Sommer auf einer Kartbahn in Bernsgrün. Freizeit gibt es nur sehr wenig. Vieles ist dem Sport untergeordnet. Auch sei man auf die Schule angewiesen, sodass Ben überhaupt an Rennen teilnehmen kann. Denn oft muss freitags zum Rennort gefahren werden. Auf die schulischen Leistungen hat der Sport jedoch keinen Einfluss. "Da gibt es bisher keine Probleme. Ben und viele andere lernen direkt an der Rennstrecke für die Schule. Wir sind dankbar, dass Bens Schule ihn an solchen Tagen freistellt", sagt Katrin Ast-Wiegner.

Wie weit es einmal für Ben im Motorradsport gehen wird, lässt sich noch nicht sagen. Aber er schaut schon zu den ganz Großen der Szene auf. Besonders zum dreifachen Weltmeister Dani Pedrosa aus Spanien, den Ben dieses Jahr beim Grand Prix auf dem Sachsenring im Fahrerlager treffen konnte. " Ich mag ihn sehr. Er ist ein ruhiger und sympathischer Typ. Er sagt nicht viel, er macht einfach sein Ding. So ähnlich bin ich auch", sagt Ben.

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