Oberlosa fühlt sich betrogen

Nur ein Zähler sprang beim Heimauftakt der beiden Plauener Handball-Oberligisten heraus. Das hatten sie sich ganz anders vorgestellt.

SV 04 Oberlosa - USV Halle 31:31 (15:17). Glück, Pech und Frust gibt es normalerweise nicht im gleichen Moment. Der SV 04 aber erlebte am Samstagabend genau solch einen Gehirnfasching. Die Plauener Handballer hatten gegen Halle scheinbar schon verloren (26:29). Dann gingen sie in einem dramatischen Spiel sechs Sekunden vor Schluss mit zwei Toren (32:30) in Führung. Doch der Treffer von Weikert zählte nicht, weil er im Kreis gestanden haben soll. Es folgte ein Blitzfreiwurf durch die gesamte Helbig-Sporthalle, den der in den Kreis einfliegende Hallenser Kosak mit der Faust während der Schlusssirene zum 31:31-Ausgleich ins Tor boxte. Wahnsinn! Vor allem fragten sich die 559 Oberlosaer Fans: Hatte Weikert bei seinem Sprungwurf wirklich die Kreislinie berührt? "Nein, niemals! Ich wurde vollkommen freigespielt, hatte Zeit zu schauen, dass ich nicht übertrete. Das war ein reguläres Tor", beteuerte der Plauener. Der sonst so gefasste SV-Trainer Hazl war denn auch außer sich. Immer wieder rannte er zum Schiedsrichtergespann Hempel und Tralles. Bis zur Pressekonferenz hatte sich Hazl aber wieder beruhigt: "Man denkt immer, man hat im Handball schon alles erlebt. Und dann kommt solch ein Abend", legte er das Ganze gedanklich zu den Akten. Sein Spieler Multhauf fügte hinzu: "Wir haben heute in der ersten Halbzeit bereits ein Gegentor mehr kassiert als in der Vorwoche beim 17:16-Sieg in Pirna im ganzen Spiel. Das sagt alles über unsere Abwehrleistung." Erst in den letzten zehn Minuten gelang es den Plauenern, die bärenstarken Hallenser zu bändigen. Zwischenzeitlich lag der SV 04 sogar fünf Tore hinten (16:21, 35. Minute). Als viele schon die Heimniederlage kommen sahen, nahm Oberlosa USV-Leitwolf Sogalla (5 Tore) per Manndeckung aus dem Rennen. Und Multhauf machte mit einem Hattrick aus dem 28:30-Rückstand eine 31:30-Führung. Was danach passiert, wird lange in Erinnerung bleiben.

Oberlosa: Klaus, Flämig - Kveton (1 Tor), Wetzel (2), Weikert (2), Peschke (3/davon 3Siebenmeter), Roth (3), Englert (1), Trommer-Ernst, Mertig (2), Richter (5), Hertel, Kolomaznik (4), Multhauf (8).

HC Einheit Plauen - SV Oebisfelde 23:34 (10:20). Nach der 24:29-Auftaktniederlage gegen Neuling HBV Jena unterlagen die Plauener nach einem oberligauntauglichen Auftritt auch gegen Neuling Oebisfelde. Das bewirkte Kopfschütteln und Sprachlosigkeit unter den etwa 350 Besuchern in der Einheit-Arena. Einheit agierte ohne Ehrgeiz und Kämpferherz in der Abwehr sowie ideenlos, fehlerhaft und wurfschwach im Angriff. Folglich kamen die Gäste zu einem mühelosen, auch in dieser Höhe verdienten Sieg. Konsterniert resümierte HC-Trainer Wiesend: "Es war leider nicht das erhoffte Freispielen unter der schweren Last, die auf den Schultern sitzt. Ich möchte mich für diese Vorstellung der Mannschaft bei den Zuschauern entschuldigen. Es wird harte Worte geben, denn so ein Spiel kann man nicht so stehen lassen." Nach drei Minuten lag Einheit nach Treffern von Schliephake (2) und Kamm 0:3 zurück. "Vor dem Spiel waren die Köpfe wahrscheinlich schon beim Sieg, nicht beim Arbeiten. Schwierig, dann aus dem Loch rauszukommen", so der Einheit-Trainer. Kies und Rahn verkürzten auf 2:3. Vogel und Schroeter für den SV sowie Rahn und Pecek trafen zum 4:5. Neuzugang Rajic wurde eingewechselt. Doch Wiesend beorderte nach wenigen Minuten den bewegungsarmen und wurfschwachen Kroaten wieder auf die Bank. Bei der Pressekonferenz vor Wochen sagte der noch: "Ich gebe bei Einheit jetzt Vollgas." Einheit blieb bis zum Stand von 7:10 (20. Minute) auf Tuchfühlung. Vier Treffer in Folge zum 7:14 brachten die Gäste endgültig auf die Siegerstraße. Auch die Manndeckung des zwölffachen Torschützen Schroeter brachte wenig. "Oft entscheidet die Tagesform. Schroeter hat im ersten Spiel gegen Aschersleben nicht getroffen", wunderte sich Wiesend. Beim Halbzeitstand von 10:20 war das Spiel entschieden. Nach leichtem Aufbäumen der Plauener endete die zweite Halbzeit 13:14. In dieser kam der langzeitverletzte Wolf zum Einsatz und bewies mit drei Toren seine Treffsicherheit. "Das vielleicht einzig Positive heute ist seine gute Leistung im Angriff", meinte Wiesend. Der Trainer notierte 28 Fehlwürfe seines Teams, was die schwache Angriffsleistung dokumentiert. Auch der sonst treffsichere Linksaußen Rahn hatte freistehend vier Fehlwürfe. Mit den Trainingsleistungen zuletzt war der Coach zufrieden. Doch die Wahrheit liegt beim Punktspiel auf dem Parkett. Und dort müssen die Plauener schnellstens die Kurve kriegen, sonst ist der Abstieg frühzeitig programmiert.

Einheit: Misar, Pour - Beketov (1), Dobritz, Rajic, Krüger (3/1), Wolf (3), Höpner, Zverina (1), Kies (4), Sbiral (2), Rahn (2), Danowski (5/2), Pecek (2).

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