Ohne Druck können Wunder passieren

Der Verein Vogtland Bike richtet am Wochenende die Deutschen Meisterschaften der Radsportler im Enduro in Breitenbrunn auf dem Rabenberg aus. Chancen auf einen Podiumsplatz hat auch die 20-jährige Jößnitzerin Mirjam Kuhn, die in dieser Kategorie noch gar nicht so lang aktiv ist.

Bei ihrer Premiere bei der Deutschen Meisterschaft im Enduro fuhr Mirjam Kuhn vor zwei Jahren in Schöneck in der Eliteklasse auf Platz 8 erfahren, der Syrauer André Wagenknecht (rechts) wurde Zehnter.
In den Bergen fühlt sich Mirjam Kuhn wohl. Auch deswegen macht sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Kempten im Allgäu. Am Wochenende sicherte sich Mirjam Kuhn den zweiten Platz bei der Trail Trophy in Flims-Laax in der Schweiz. In dieser Rennserie hat sie Chancen auf den Gesamtsieg.

Von Clemens Zierold

"Miri, fahr für dich, hab Spaß und mach das, worauf du Bock hast", sagte vor zwei Jahren Michael Grunze, ein Mountainbike-Enthusiast, zu Mirjam Kuhn, als es an die Vorbereitung auf die Deutschen Enduromeisterschaften in Schöneck ging. Gesagt, getan.

"Damals war ich kurz davor, meine Karriere als Radsportlerin an den Nagel zu hängen. Doch dann habe ich mich in Enduro verliebt", erzählt die 20-jährige Sportlerin. Zwar war sie überaus erfolgreich beim Cross Country, aber es machte ihr einfach keinen Spaß mehr. Nun startet sie bei den Deutschen Enduromeisterschaften am Breitenbrunner Rabenberg, die am Sonntag vom Vogtland Bike Verein aus Schöneck organisiert werden, und hat sogar Aussichten auf einen Platz an der Sonne. Doch der Reihe nach.

Im zarten Alter von acht Jahren absolviert Mirjam Kuhn ihr erstes Radrennen in Seiffen. 2008 wurde Lizenzfahrerin, seitdem ging es stetig bergauf, obwohl sie doch lieber bergab fährt - und zwar am liebsten schnell und riskant. "In der U 15 und U 17 bin ich deutschlandweit Cross Country gefahren, ab der U 19 sogar international. Da waren Worldcups mit richtigen Teams dabei", erinnert sich Mirjam Kuhn.

Doch die Cross-Country-Szene war nicht das, was Mirjam wirklich wollte. "Dort sind alle extrem auf sich selbst fokussiert, da kommt kein richtiger Spaß auf", so Kuhn. Beim Cross Country starten alle zusammen, und es wird in Rundenform gefahren. Das heißt also auch, dass um jeden Platz verbittert und mit Haken und Ösen gekämpft wird. Das färbt natürlich auf das Miteinander ab. "Beim Enduro ist das ganz anders. Wir sind alle wie eine große Familie und unterstützen uns gegenseitig. Das sind einfach coole Leute", schwärmt die Sportlerin, die mittlerweile in Kempten zur Krankenschwester ausgebildet wird.

Die Ausbildung steht für sie auch an oberster Stelle. "Früher habe ich 15 bis 17 Stunden die Woche trainiert. Mittlerweile habe ich das Ganze auf gut zehn bis zwölf Stunden heruntergefahren. In zwei Jahren, wenn ich meine Ausbildung im Allgäu beendet habe, kann ich wieder voll angreifen. Aber beides parallel ist nicht zu schaffen", erklärt sie.

Mit ihren 20 Jahren macht die Jößnitzerin schon einen sehr erfahrenen Eindruck. Nach der Ausbildung soll es vielleicht in die Schweiz gehen. Ohne Absicherung kann sie sich das Mountainbiken nicht vorstellen. "Natürlich habe ich den Traum, mit Spaß auf dem Fahrrad Geld zu verdienen. Jeder möchte gern sein Hobby zum Beruf machen. Aber sollte das nicht klappen, habe ich eine abgeschlossene Ausbildung und bin jobtechnisch abgesichert", so Mirjam Kuhn. Doch das alles ist Zukunftsmusik. Mirjam lebt im Hier und Jetzt. Und das bedeutet für sie: Voller Fokus auf die Deutschen Meisterschaften am Rabenberg.

Am vergangenen Wochenende startete sie bei der Trail Trophy in Flims-Laax in der Schweiz, obwohl der Plan eigentlich ein anderer war. "Angesichts der Deutschen Meisterschaften wollte ich eigentlich ein ruhiges Rennen fahren. Da ich in der Gesamtwertung der Trail Trophy aber sehr gut dastehe, wollte ich dort mitmachen, und das hat sich auch gelohnt", erzählt Mirjam Kuhn. Nach zwei Stürzen und einem heftigen Kettenschaden landete sie als beste Deutsche auf dem zweiten Platz. Zudem holte sie mit dem Sponsorenteam von Mikes Bikes in der Teamwertung den ersten Platz. Also kann die vogtländische Mountainbikerin mit breiter Brust nach Breitenbrunn reisen. Nach dem harten Wettkampf in der Schweiz steht für sie derzeit eine Urlaubswoche in der vogtländischen Heimat zur Regeneration an. "Viel Schwimmen und Dehnen und natürlich Schlafen - dann kann es auch langsam wieder aufs Rad gehen", beschreibt sie ihre Vorbereitung in dieser Woche.

Bei den Deutschen Meisterschaften vor zwei Jahren in Schöneck bekam sie nach ihrem ersten Auftritt auf der Endurobühne das Bike vom Deutschen Meister Christian Textor ausgeliehen. "Ich brauch es nicht und ich möchte dich unterstützen, weil du großes Talent hast", bekam die damals 18-jährige Quereinsteigerin von dem erfahrenen Radsportler mit auf den Weg. Das hat sie mittlerweile zurückgegeben und startet am Samstag mit ihrem eigenen in den Wettkampf.

Am Samstagabend betritt sie das erste Mal die Bühne. "Dann steht der Prolog an. Die Elite der Männer und Frauen startet bei Dunkelheit mit Licht auf eine Wertungsstrecke. Das macht mir immer besonderen Spaß, weil die Leute extrem nah an der Strecke sind und einen lautstark unterstützen", erklärt Kuhn.

Am Sonntag geht es dann richtig los, mit den verschiedenen Wertungsdurchgängen. Am späteren Nachmittag dürften alle Entscheidungen gefallen sein, und die neuen Deutschen Meister werden ausgezeichnet. Mirjam Kuhn selbst möchte locker an die Sache herangehen. "Es ist schwer zu sagen, in welche Richtung der Wettkampf gehen wird. Ich möchte einfach nur Spaß haben und ohne Druck fahren. Dann können auch Wunder passieren", erklärt sie. Natürlich liebäugle sie mit einer Medaille, aber die Liste der Anwärterinnen auf einen Podiumsplatz sei lang. Dementsprechend erwartet sie auch einen engen und sehr spannenden Wettkampf in Breitenbrunn. "Bremsen auf und schauen, was passiert", ergänzt sie schmunzelnd.

Mit Rabenberg hat sie schon gute Erfahrungen gemacht. Ihren ersten Sieg in einem Endurorennen errang sie dort, und auch in dieser Saison konnte sie auf dem Rabenberg schon jubeln. Der Verein Vogtland Bike und das Rabenberger Trailcenter haben die Endurostrecke allerdings für die Deutschen Meisterschaften komplett neu gestaltet. Spannung und waghalsige Rennen sind also garantiert.

Was ist eigentlich Enduro?

Enduro ist eine Wettkampfdisziplin für Mountainbiker, die sich auf das ursprüngliche Fahren eines Mountainbikes stützt. Sprich: Bergauf- und Bergabfahren und Schauen, wer am schnellsten war. Bei den Endurostrecken handelt es sich um Rundstrecken von circa 40 bis 50 Kilometer, die eine Fahrzeit von drei bis vier Stunden benötigen. Allerdings wird der Rundkurs nicht nacheinander abgefahren, sondern in einzelne Stages (Etappen) unterteilt. Auf jeder wird die Zeit gemessen. Wer am Ende die beste Zeit in der Gesamtwertung stehen hat, gewinnt. Im Prinzip ist Enduro eine Mischung aus Cross Country, bei dem alle Teilnehmer in einer Rundenform starten, und dem klassischen Downhill, bei dem man allein schnellstmöglich den Berg hinunterkommen soll. Die speziellen Endurobikes wurden so entwickelt, dass man steile Berge hinauffahren kann und in Downhillmanier Richtung Tal brettern kann. (czi)

0Kommentare Kommentar schreiben