Radsport lässt Thomas Barth nicht los

Langjähriger Kapitän des DDR-Friedensfahrt-Teams feiert 60. Geburtstag

Zeulenroda.

Ein stämmiger Radsportler rauscht auf dem Mountainbike in Richtung Göltzschtalbrücke. "Ich will rauf auf den Kuhberg", ruft er. "Vielleicht düse ich noch zur Talsperre Zeulenroda oder in den Pöllwitzer Wald." Bevor er weiter in die Pedale tritt, stoppt der Mann im Sportdress. Er ist Thomas Barth, langjähriger Kapitän der DDR-Friedensfahrt-Mannschaft. Am 12. Februar feiert der Olympiavierte von Moskau 1980 seinen 60. Geburtstag.

"Ich habe 30 Kilogramm zuviel auf den Rippen", erzählt der in Zeulenroda geborene einstige Radprofi lachend. "Mir fällt es schwer, gutem Essen zu widerstehen." Nicht nur deshalb, sondern auch um den Kopf freizubekommen, steigt er heute noch gern aufs Rad. Seine Lieblingsstrecke schlängelt sich vom thüringischen Vogtland durch Greiz ins sächsische Vogtland.

Über seinen 60. will er eigentlich nicht reden. Er kommt ins Grübeln und fragt sich: Wo ist die Zeit nur hin? Erfolg, Triumph und Stolz haben seinen Weg geprägt. 30 Jahre hat er Erfahrungen in der DDR gemacht, 30 Jahre ist er nun schon "Steuerzahler in der BRD". Mit Mitstreitern der DDR-Nationalmannschaft hatte er 1990 in Kolumbien bei Torte und Kaffee am Geburtstagstisch gehockt, als sie über Kurzwellenradio hörten. dass Deutschland am 3. Oktober 1990 vereint wird. "Das war für uns unfassbar." Im September 1990 zur Straßen-WM in Japan hatte Barth seinen letzten DDR-Einsatz. 1992, nach drei Jahren im wiedervereinigten Deutschland, beendete er seine aktive Karriere.

Thomas Barth fuhr damals für die SG Wismut Gera, war 1977 und 1978 Juniorenweltmeister mit der Straßenmannschaft und lenkte zwischen 1980 und 1989 als Kapitän die DDR-Friedensfahrtauswahl. An der Seite von Olympiasieger Olaf Ludwig, Straßen-Weltmeister Bernd Drogan, Uwe Raab und Uwe Ampler führte er das Sextett 1982, 1983, 1986, 1987, 1988 und 1989 zum Sieg. Er selbst gewann 1982 die Mittelmeer-Rundfahrt in der Türkei, 1985 den Rumänien-Cup und die Griechenland-Rundfahrt, 1986 die Rundfahrten in Rheinland-Pfalz, 1988 Rund um die Braunkohle und 1989 in Belgien. Seine Karriere krönte er 1991, als er die Tour de France komplett durchfuhr. Sein bestes Etappenergebnis war ein achter Platz.

Wie viele ehemalige Profis stieg Thomas Barth nach seiner aktiven Zeit ins Radsportgeschäft ein. Er blieb bodenständig und seiner Heimat treu. Seit 27 Jahren ist er als Vertriebsleiter für einen deutschen und einen taiwanischen Fahrradhersteller tätig. Bis zum Aus der Friedensfahrt 2006 hielt er als Technischer Direktor die Fäden auf deutschem Boden in seinen Händen. 1998 hatte er von Täve Schur die Amtsgeschäfte als Präsident des deutschen Vereins Friedensfahrt übernommen. Zu den Klassebolzern von einst hält er engen Kontakt. Viele erwartet er an seinem Geburtstag in Leitlitz, einem Ortsteil der Stadt Zeulenroda-Triebes. Dort hatte er am 27. April 1972 die "Kleine Friedensfahrt" als sein erstes Radrennen gewonnen. "Da wurde ich als Zwölfjähriger vom Radsportvirus infiziert." 1974 begann Barths Zeit als aktiver Radsportler in Gera. Und seitdem ließ der Sport ihn nicht mehr los.


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