Rote Karten gab es nur im Notfall

Ulf Ladenthin hat den VFC Adorf geprägt wie kaum ein Anderer. Für sein ehrenamtliches Engagement wurde er von Landrat Rolf Keil geehrt und ist nun der Vogtlandsportler der Woche.

Adorf.

Es hat schon etwas zu bedeuten, wenn sich ein Schiedsrichter auf einem Sportplatz sehen lassen kann, ohne mit bösen Worten empfangen oder verabschiedet zu werden. Ulf Ladenthin jedenfalls ist das nie passiert. Jahrelang war der heute 78-Jährige ein geachteter "Schwarzrock", pfiff in dieser Zeit rund 1000 Spiele, seit letztes 2001, als sich die Frauen von Taltitz und Rodewisch gegenüber standen. Ob er viele Rote Karten gezückt hat? "Fünf vielleicht, mehr aber nicht. Als Schiedsrichter musst du mit den Spielern reden und sie so beruhigen, wenn es mal hektisch zugeht. Karten gibt es nur im Notfall. Ich konnte mich überall sehen lassen und kann es immer noch."

14 Jahre Schiedsrichter für den VFC Adorf - das war nur eine Station im Verein. 1982 war es, als er, der aus Frankfurt/Oder stammt, ins Vogtland kam: "Ich war zur Kur in Bad Brambach und habe dort meine Frau Veronika kennen gelernt. In der ersten Zeit musste sie für mich dolmetschen, aber ansonsten bin ich gut aufgenommen worden und mit allen gleich klargekommen." Weil er schon damals ein Fußballnarr war, schaute er sich öfter Spiele der Adorfer an. "Frank Friedel hat mich damals angesprochen, ob ich nicht mitmachen will. Also habe ich mitgemacht."

Was im Grunde genommen leicht untertrieben ist, denn Ulf Ladenthin hat den Verein seitdem geprägt wie kaum ein Anderer und die Mitglieder wussten, was sie an ihm, der Außenstehenden ein wenig knurrig vorkommen mag, hatten. Er war bis zur Wende Vorsitzender, auch Kassierer, Trainer, Manager, Schiedsrichter wie gesagt und bis April diesen Jahres Platzwart. "Aus gesundheitlichen Gründen und in meinem Alter - irgendwann muss doch mal Schluss sein", sagt er über seinem Abschied.

Wie viele Kilometer Linien Ulf Ladenthin auf die Adorfer Plätze kreidete - er kann es beim besten Willen nicht sagen. "Ich war jeden Tag draußen, nicht nur vor Spielen. Es musste doch immer alles tipptopp in Ordnung sein, obwohl ich schon in Rente war." Was bedeutete: Rund 40 Mal in der Saison bei Wind und Wetter den Mäher aus dem Schuppen holen und nach der Rasenrasur wieder reinigen oder reparieren, nach jedem Spiel den Platz ausbessern, wenn nötig neu besäen, immer da und sich für nichts zu schade sein, wenn man gebraucht wird. Auch die Schüler der Schule oder die Leichtathleten vom ESV haben sich stets darauf verlassen können, dass die Anlagen in Schuss waren für den Sportunterricht oder das Training.

Dass Ulf Ladenthin jetzt sogar vom Landrat Dank und Anerkennung für sein ehrenamtliches Engagement erhielt, freut ihn sehr, vor allem innerlich. Dem VFC bleibt er natürlich treu, verfolgt jede Heimpartie und wird als Zuschauer auch morgen am Spielfeldrand stehen, wenn es im Pokal gegen Wernesgrün geht. Zwar wurde der nunmehr 78-Jährige zu einer Institution im Verein, aber was niemand wusste: Seinen früheren Spitznamen "Kleiner Muck". Warum dieser? "Damals im Oderbruch habe ich als junger Mann unter anderem bei Traktor Manschnow gespielt - ich war ein schneller Stürmer."

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