Schwergewicht feiert 60-Jähriges

Hunderte Meister hat der Judoverein Ippon Rodewisch bislang hervorgebracht, von der Welt- bis zur Bezirksklasse. Entsprechend groß fiel das Geburtstagsfest am Samstag auf der Schlossinsel aus.

Rodewisch.

Einen Riesenerfolg zu feiern, dafür braucht es oft den ganzen Abend. Aber wie begeht man auf passende Weise sechs Jahrzehnte Sportgeschichte mit Erfolgen am laufenden Band? Auch nicht anders, sagte sich offensichtlich der Judoverein Ippon Rodewisch und lud am Samstag allerhand Gäste in sein Zelt auf der Schlossinsel ein: Stadt- und Landessportbund-Vertreter, befreundete Judoka aus Deutschland und Polen, außerdem etliche andere Gratulanten und Wegbegleiter.

Dass ein Schwergewicht unter den vogtländischen Sportlern und einer der erfolgreichsten sächsischen Judovereine feierte, ließ sich unter anderem an der langen Liste Ausgezeichneter ablesen - von Veteranen bis zu vielversprechenden Heranwachsenden. Vielleicht schaffen auch Mädchen und Jungen der Auerbacher Sonnenhofschule, deren Trommelgruppe Hakuna Matata zur Eröffnung spielte, den Sprung auf die Matten des JV Ippon. Leistungssportler aus Rodewisch halfen beim Aufbau einer Judo Schul-AG. Kooperiert wird seit mehreren Jahren. Auch mit acht anderen Schulen und einer Kita im Einzugsbereich.

Bürgermeisterin Kerstin Schöniger zollte dem Verein vor allem für seine "stabile Jugendarbeit" Anerkennung. Wenn weit abseits der Heimat der Name Rodewisch falle, werde die Stadt oft mit dem Judosport in Verbindung gebracht. Kein Wunder. Ist doch der JV Ippon seit jeher ganz vorne am Ball. Allein von 1958 bis 1989 holten die Judoka 31 Medaillen bei internationalen Turnieren, dazu 80 DDR-Meistertitel. 1996 stieg die 1. Männer-Mannschaft in die Bundesliga auf und holte später mehrmals Bronze. Spezialität der Frauen scheint die Landesliga zu sein. Auf diesem Niveau siegten sie ab 2002 dreimal in Folge.

Die 1. Männer-Mannschaft ist derzeit in der Verbandsliga "zuhause". Hier bestehe eine Chance, in die 2. Bundesliga aufzusteigen, sagte Vereinspräsident Torsten Paul. Dieses Jahr will man davon allerdings noch Abstand nehmen. "Sportlich wäre es möglich gewesen", betonte der Judo-Chef. Warum also verschieben? "Für die Bundesliga ist ein größerer Kader vonnöten. Sechs Gewichtsklassen sind zu besetzen - doppelt oder dreifach", erklärte Paul. "Dafür brauchen wir 15 bis 18 Mann." Mann heißt: Männer oder Frauen. Schließlich sind 15 Prozent der Vereinsmitglieder weiblich.

Bekanntestes Beispiel Rodewischer Leistungsstärke im Judosport ist wohl Henry Stöhr. 1993 Vizeweltmeister, mehrfacher Europameister, SSilbermedaillengewinner bei Olympia 1988, außerdem Seniorenweltmeister 2001 und 2004 - das gilt es für deutsche Sportler seiner Zunft zu toppen. Relativ dicht auf den Fersen sind ihm Männer wie Hans-Herbert Luderer, der übrigens genauso alt ist wie der Verein. Ein Name fiel am Samstag aber besonders oft. Und zwar derjenige von Heinz Kölbel, verstorbener Ex-Präsident und "Judovater". Er legte 1958 in der Turnhalle des heutigen Rodewischer Gymnasiums den Grundstein.

Einst Kaderschmiede, heute Nachwuchs-Lieferer für die Leipziger Sportschule und seit 1991 Landesleistungsstützpunkt des Judoverbandes Sachsen, hat der JV Ippon Rodewisch gegenwärtig 281 Mitglieder. 61 Prozent sind Kinder und Jugendliche. Da durfte am Samstag durchaus mal gefragt werden: Wie schafft es ein Kleinstadtverein wie Ippon Rodewisch durchweg in die oberen Ränge? "Mit ganz verrückten Trainern und ehrgeizigen Akteuren im Hintergrund", antwortete Torsten Paul. "Aber natürlich auch mit unseren Talenten."

Ehrenmedaillen vom Landessportbund

in Silber erhielten: Hans-Herbert Luderer, Gerd Hübner, Ivonne Reisch, Bettina Hüllebrand und Torsten Paul; über Ehrenmedaillen in Bronze freuten sich: René Klessing, Maxi Blei, Thomas Luderer und Wolfgang Schmidt.

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