Sohn schafft zwei Runden mehr

Trotz technischem Defekt und mentaler Niedergeschlagenheit kämpfen sich die Büschels aus Plauen einen Tag lang auf dem Rad ab. Der Lohn war die gemeinsame Zieleinfahrt.

Oberrabenstein.

Am Ende ließen es sich Kevin und Ulf Büschel nicht nehmen, gemeinsam durchs Ziel zu fahren. In den 24 Stunden zuvor hatte sich jeder der beiden auf seine eigene Art beim Heavy24 - einem der härtesten 24-Stunden-Mountainbikerennen Deutschlands - am Stausee Oberrabenstein bei Chemnitz durchgekämpft. Sohn Kevin musste in der Nacht seinen Plan von nur kurzen Pausen aufgeben. "Gegen 0.45 Uhr hatte ich einen kleinen technischen Defekt am Rad. Während der repariert wurde, war ich bei der Physiotherapie. Und da habe ich einfach gemerkt, wie kaputt ich vor allem mental bin. Nach zwei Stunden Schlaf ging es wieder und ich bin zurück aufs Rad", erzählt der 23-Jährige, der für das Team Vogtland Bike fährt, im Gespräch mit "Freie Presse". Vater Ulf hingegen legte drei kürzere Schlafpausen ein, denn "irgendwann macht der Körper einfach schlapp."

Der 52-Jährige hatte ursprünglich gar nicht als Einzelstarter antreten wollen. Doch sein Mitstreiter im Zweierteam verletzte sich vor vier Wochen bei einem Sturz und so entschied sich der Plauener, kurzfristig umzumelden. Am Ende war er genauso wie Sohn Kevin mit seinem Ergebnis zufrieden. 35 Mal bewältigte er die 9,6 Kilometer lange Runde mit ihren 150 Höhenmetern und lag damit als 19. Nur zwei Plätze hinter seinem Filius, der zwei Runden mehr fuhr. "Die Anstiege waren zwar relativ flach, aber nach vielen Stunden kommt dir das trotzdem so vor wie ein steiler Berg. Die Wurzelpassagen im Wald schlauchen ganz schön und irgendwann willst du keine Wurzeln mehr sehen", sagt Ulf. Aufgrund der Trockenheit machte den beiden Plauenern der Staub zu schaffen. Nachts sei das im Licht der Helmlampen erst so richtig aufgefallen, erzählt Kevin.

Ihm taten nach den 24 Stunden nicht etwa die Beine, sondern besonders die Hände und Füße weh: "Durch die Wurzeln musst du ständig Schläge abfedern. Die Radschuhe mit ihrer harten Sohle werden dann irgendwann ziemlich unbequem, sonst hat man sie ja nie so lange an." Der 23-Jährige weiß wovon er spricht. In den vergangenen Jahren hat er schon einige herausfordernde Touren auf dem Mountainbike gemeistert, oft gemeinsam mit seinem Vater. So absolvierten beide den Stoneman Miriquidi im Erzgebirge mehrfach an nur einem Tag oder starteten beim Sellaronda Hero in Südtirol, bei dem auf 86 Kilometer mehr als 4000 Höhenmeter zu bewältigen sind. Anfang August geht es mit ihrer Truppe von mountainbikebegeisterten Vogtländern zur jährlichen Alpenüberquerung. "Wenn wir dann einmal in Italien sind, fahren wir zwei dann auch gleich noch den Stoneman in den Dolomiten", sagt Kevin Büschel.

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