Sommer-Grand-Prix: Mit Überflieger Schlierenzauer ist wieder zu rechnen

Zum elften Mal gastieren die weltbesten Ski-Adler zum Finale des Sommer-Grand-Prix in Klingenthal. Ein Österreicher hat besonders gute Erinnerungen an die Vogtland-Arena.

Klingenthal.

Ein bärenstarker Weltmeister Dawid Kubacki, die deutschen Ski-Adler in Lauerposition und die vereinte Hoffnung auf besseres Wetter: So lässt sich die Qualifikation für das Sommer-Grand-Prix-Finale am Freitagabend in Klingenthal zusammenfassen. Der Pole gewann im Regen vor 1100 unerschütterlichen Fans in der Vogtland-Arena, in der sich Sachsens Lokalmatador Richard Freitag als Siebenter ebenso für einen gelungenen Abschluss der Sommerserie beim heutigen Wettkampf empfahl.

Eher unauffällig im Feld der 66 Skispringer landete Gregor Schlierenzauer mit 124,5 Metern auf Rang 29 der Quali. Doch in der Szene sind sich Trainer und Aktive einig: Mit dem Österreicher ist im kommenden Winter wieder zu rechnen. Ein unglaublich schönes Gefühl muss es bereits im August gewesen sein, als Schlierenzauer beim Grand Prix in Hinterzarten das erste Mal seit knapp vier Jahren wieder bei einem Einzel auf dem Podest stand. In Hinzenbach wurde er am Sonntag Vierter. Nationaltrainer Andi Felder ist jedenfalls zufrieden mit der Entwicklung: "Gregor hat im Sommer gute Sachen gemacht. Hier auf der Großschanze ist es noch nicht ganz aufgegangen", sagte Felder über den Mann, der von 2007 bis 2009 fünf Siege in Klingenthal feierte.

Manche Athleten zerbrechen daran, wenn sie einmal soviel gewonnen haben wie Schlierenzauer, dann aber anderen den Vortritt lassen müssen. Der Tiroler wurde schon früh als Jahrhundertspringer geadelt. Vierschanzentournee gewonnen, Weltmeister, Olympiasieger (Team), Rekordmann mit 53 Weltcupsiegen, Skiflug-Weltmeister - beweisen müsste sich der 29-Jährige eigentlich nichts mehr. 2015/16 ging es erstmals nicht so stetig auf der Karriereleiter nach oben wie gewohnt. Die Absage der Skiflug-WM vor der Haustür am Kulm 2016, im selben Jahr dann im März der Kreuzbandriss beim Alpinfahren in Kanada - der Überflieger war am Boden. 2017/18 dann der erste Winter, in dem der Austria-Adler zwar zum damaligen Weltrekord auf 253,5 Meter flog, aber auch erstmals ohne Medaille (Team-Vierter bei Olympia in Südkorea) von einem Großereignis heimkehrte. Und fast schon kurios, wie Schlierenzauer diesen olympischen Winter im Nachgang betrachtet: "Es war meine wertvollste Saison. Ich habe danach erkannt, dass die Kehrseite der Medaille ein wesentlicher Bestandteil eines erfüllten Lebens ist", lässt er seine Fans auf der Homepage wissen.

Schlierenzauer selbst nennt es einen Wandel. Und zu dem gehört auch seit diesem Sommer die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bundestrainer Werner Schuster. Sein Landsmann hatte Schlierenzauer schon zu Jugendzeiten auf den Weg gebracht. Nun arbeiten sie wieder zusammen. Schlierenzauer wirkt fokussiert. Schusters Beraterfunktion sei mit dem Österreichischen Skiverband konkret geregelt. "Die Rückendeckung des Verbandes war richtungsweisend für mich", teilte das Ehrenmitglied des VSC Klingenthal mit, als es vor Monaten über seine Zukunft nachdachte. Einfach aufzuhören schien dem Altmeister nach eigenem Bekunden zu einfach: "Das entspricht nicht meiner Mentalität." Andreas Felder sieht die Zusammenarbeit mit Schuster auch nicht problematisch: "Er hat volles Vertrauen zu Werner. Und das ist bei Gregor am wichtigsten."

Die Besten in der Qualifikation und die besten Deutschen: 1. Dawid Kubacki 139,5 m/133,5 Punkte, 2. Jakub Wolny (beide Polen) 142,0/133,2, 3. Ryoyu Kobayashi (Japan), 138,5/129,5 ... 7. Richard Freitag (Aue), 133,0/122,5, 18. Stephan Leyhe (Willingen) 130,0/114, 22. Karl Geiger (Oberstdorf) 126,5/109,1). Neun der zwölf deutschen Springer haben sich für das Finale am heutigen Samstag qualifiziert; Wettkampf, 14.45 Uhr: Probe, 16 Uhr: 1. Durchgang, 17.15 Uhr: Finale.

Lob vom FIS-Rennchef für Klingenthaler

Auf seiner Abschiedstournee lobte der Renndirektor des Internationalen Skiverbandes FIS, Walter Hofer (Foto), die Ausrichter vom ansässigen Verein VSC. "Seit vielen Jahren ist Klingenthal ein absolut verlässlicher Partner der FIS", lobte der Österreicher, der nach der Wintersaison sein Amt an den Italiener Sandro Pertile weitergibt und in den Ruhestand geht. Die steten Bemühungen um eine Verbesserung der Infrastruktur (festes Windnetz, Videowand, Mehrzweckgebäude) in der Vogtland-Arena sollten dazu führen, dass Klingenthal "auch in Zukunft ein wichtiger Baustein unseres Wettkampfkalenders bleibt", sagte Walter Hofer.

Nächstes Projekt ist die feste Installation eines Windnetzes im kommenden Jahr. Für das Weltcupspringen im Dezember wird wie am Freitag und Samstag das mobile Windsegel genutzt. Dies ist eine Vorgabe der FIS. Das im Vorwinter angelegte Schneedepot ist über den Sommer etwa um die Hälfte geschmolzen. Laut Pistenbully-Chef Thomas Meisinger würde der Schnee aktuell für die Hälfte des Aufsprunghanges reichen.

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