Sportbund verliert rund 1300 Mitglieder

Die Corona-Pandemie setzt dem Amateur- und Breitensport seit fast einem Jahr zu. Die Verantwortlichen im Vogtland beklagen vor allem die fehlenden Perspektiven.

Plauen.

Die vogtländische Sportlandschaft reiht sich in die negativen Meldungen der vergangenen Wochen ein. Wie überall in Sachsen gab es auch in der Region 2020 einen deutlichen Rückgang der Mitgliederzahlen im organisierten Sport. 1290 Mitglieder haben die Vereine verloren. Mit der Gesamtzahl von 36.137 Mitgliedern liegt der Kreissportbund (KSB) Vogtland nach einem stetigen Wachstum plötzlich wieder auf dem Niveau aus dem Jahr 2012. "Ich bin ein bisschen vorsichtig, den Rückgang nur auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu beziehen. Es gab sicherlich auch eine gewisse Bereinigung von Mitgliedern, die eigentlich schon lange nicht mehr in den Vereinen sind. Im vergangenen Jahr blieb für die Vorstände vielleicht mehr Zeit, die Bestandsmeldung in aller Ruhe zu machen", sagt KSB-Geschäftsführer Michael Degenkolb.

Vor allem in zwei Altersbereichen ist ein deutlicher Schwund zu verzeichnen. Bei den Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre sind es 690 Mitglieder weniger. Zudem haben die Vereine 500 Frauen und Männer weniger zwischen 27 und 49 Jahren gemeldet. "Aus dem Gefühl heraus würde ich schon sagen, dass die Austritte mehr geworden sind als vor Corona und der Rückgang nicht nur daran liegt, dass die Neuanmeldungen fehlen. Gerade für Eltern fehlt ein Stück weit die Perspektive, auch wenn ein Verein natürlich nicht mit einem kommerziellen Anbieter zu vergleichen ist. Aber wer vielleicht selbst in Kurzarbeit ist, muss einfach aufs Geld schauen", erklärt Michael Degenkolb.

Trotz sinkender Mitgliederzahlen hat sich bei den größten Vereinen im Vogtland nur wenig geändert. An der Spitze steht weiterhin die SG Jößnitz (939 Mitglieder/ -21). Dahinter folgen wie schon im Vorjahr der SV 04 Plauen-Oberlosa (714), der SVV Plauen (486/-15) und der SC Syrau (474/-5). Von Platz 6 auf Rang 5 nach vorn gerückt ist der VSC Klingenthal (438/-7). Organisiert sind die Vogtländer in 352 Vereinen. Das sind fünf weniger als noch 2019, was Michael Degenkolb aber keine Sorgen macht: "Die Anzahl der Vereine ist nicht entscheidend. Für uns als Kreissportbund ist es bei Auflösungen wichtig, dass die Mitglieder in anderen Vereinen aufgefangen werden. Das hat in der Vergangenheit immer gut funktioniert." Beim Blick auf die Statistik des Landessportbundes fällt zudem auf, dass das Vogtland im Vergleich zu ähnlich großen Landkreisen wie etwa Meißen oder der Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge deutlich mehr Vereine hat. Den 352 zwischen Bad Brambach, Mühltroff und Neumark stehen in den beiden genannten nur 262 sowie 304 gegenüber.

Angesichts der derzeit immer noch geltenden massiven Einschränkungen im Amateur- und Breitensport schaut Michael Degenkolb mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. "Ich befürchte wirklich, dass das schlimmere Jahr noch kommt. Gerade mit Blick auf die Mitgliederzahlen und die Finanzen der Vereine", sagt der Geschäftsführer des Kreissportbundes. Auch wenn aufgrund fehlender Wettkämpfe und Punktspiele viele Vereine derzeit weniger Ausgaben hätten, könnten sie nicht noch ein Jahr ohne Veranstaltungen überstehen. "Gewisse Kosten für die Infrastruktur laufen ja trotzdem weiter. Irgendwann sind da die Rücklagen, aufgebraucht", betont Degenkolb. Hinzu komme die fehlende Perspektive, wann Trainings- und Sportbetrieb wieder möglich sind. Er bemängelt ebenso wie viele Vereinsvertreter, dass der Sport derzeit in den Überlegungen der Politik fast keine Rolle spielt. Gleichzeitig lässt sich der KSB-Geschäftsführer nicht seinen Optimismus nehmen: "Ich bin mir sicher, dass die Kraft des Sports so groß ist, dass er sich wieder erholen kann, sobald es zu Öffnungen kommt. Zudem glaube ich, dass die Ehrenamtlichen so für ihre Arbeit brennen, dass sie sich dann viel einfallen lassen, um die lange Pause aufzuholen."


"Perspektive muss her"

Mit 939 Mitgliedern ist die SG Jößnitz weiter größter Verein im Vogtland. Mit deren Vorsitzenden Marcel Singer (Foto) sprach Anika Heber.

Freie Presse: 21 Mitglieder hat die SG Jößnitz 2020 verloren. Das klingt erst einmal nicht viel.

Marcel Singer: Das ist ja vor allem ein statistischer Wert. Im Regelfall haben wir pro Jahr im Schnitt 130 Abgänge und 150 neue Mitglieder. Ersteres ist 2020 in etwa konstant geblieben. Was fehlt, sind die Zugänge.

Macht sich das für den Verein finanziell bemerkbar?

Da 80 Prozent unserer Mitglieder schon seit vielen Jahren dabei sind, spüren wir die Auswirkungen bisher kaum. Ohne die Beiträge sähe es aber düster aus. Deshalb muss man ganz klar danke sagen an die Mitglieder, dass sie ihre Beiträge weiter zahlen.

Seit November gibt es keinen Spiel- und Trainingsbetrieb. Wie viel passiert im Verein derzeit online?

Was die einzelnen Abteilungen anbieten, kann ich gar nicht genau sagen. Wir haben insgesamt 80 Übungsleiter. Sie machen das alle im Ehrenamt und müssen schauen, wie es mit Arbeit und Privatleben vereinbar ist. Wir als Vorstand können dank der modernen Medien gut Kontakt halten zu den einzelnen Abteilungen.

Sorgt die Größe des Vereins für besondere Herausforderungen?

Auf jeden Fall. Neben den Allgemeinverfügungen gibt es von den einzelnen Fachverbänden teilweise unterschiedliche Vorgaben. Dass es keine einheitliche Perspektive für alle Sportarten gibt, ist die ganz große Schwierigkeit für uns. Auch generell muss eine dauerhafte Perspektive her, wie es möglich wird, wieder gemeinsam Sport zu treiben. aheb

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