Trainingsrunden führen zu einem verrückten Rekord

Ein Sechstel aller beim Falkensteiner Neujahrsberglauf gemeldeten Zeiten gehen auf das Konto des Treueners Torsten Forner. Den trieben dazu gleich mehrere Gründe an.

Treuen/Falkenstein.

"In verrückten Zeiten entstehen eben verrückte Dinge", sagt Torsten Forner zu seinen sportlichen Aktivitäten der vergangenen Wochen. Ein bisschen verrückt mutet tatsächlich an, was der 55-Jährige geleistet hat: Von den 101 Zeiten, die beim SV Blau-Weiß Auerbach von den Teilnehmern an dessen 42. Neujahrsberglauf von Ende Dezember bis Anfang Februar gemeldet worden sind, gehen sage und schreibe 17 auf Torsten Forners Kappe. Die Auerbacher hatten auf Grund der Corona-Einschränkungen schweren Herzens darauf verzichtet, den Lauf mit Start und Ziel am Rathaus Falkenstein als das übliche Breitensportspektakel abzuhalten und stattdessen dazu aufgerufen, individuell eine der drei Strecken zu absolvieren.

"In der Zeit zwischen Weihnachten und Anfang des Jahres habe ich nicht gearbeitet. Die Zeit wollte ich sowieso zum Training nutzen. Da bot es sich an, das auf den Strecken des Neujahrsberglaufs zu tun", nennt der Inhaber eines in Treuen ansässigen Ingenieurbüros einen der Gründe, die ihn zu der ungewöhnlichen Laufserie antrieben. Oft ist er spätabends noch einmal losgezogen, um zumindest die kleine Runde von 3 Kilometern zu drehen. "Die mittlere Strecke über 11,5 Kilometer und die lange über 20,7 Kilometer bin ich jeweils nur zweimal gelaufen. Wäre der Lauf regulär ausgetragen worden, hätte ich mich wahrscheinlich für die mittlere Strecke entschieden."

Dass Torsten Forner jede Distanz mindestens zweimal unter die Füße nahm, hat noch einen speziellen Grund: Während der Zeit, in der der Neujahrsberglauf ausgeschrieben war, feierte er seinen 55. Geburtstag. "Damit habe ich die Altersklasse gewechselt und konnte so in zwei verschiedenen Altersklassen jeweils meine Zeiten melden." Und es gab noch einen dritten Beweggrund: "Ich wollte dazu beitragen, dass mein Verein, der Treuener LV, mindestens ein Drittel aller Starts meldet. Das haben wir allerdings ganz knapp verpasst."

Sport ist für Torsten Forner seit jeher ein wichtiger Ausgleich, nicht nur für die berufliche Belastung. Als ehrenamtlicher Ortsvorsteher von Eich und als Treuener Stadtrat mit dem Mandat der Freien Wähler lastet zusätzlich genügend weitere Verantwortung auf seinen Schultern. "Manche Leute behaupten ja, dass sie beim Laufen Lösungen für ihre Probleme finden. Ganz so sehe sich das zwar nicht. Aber zumindest kann man den Kopf frei machen, um danach leichter Lösungen zu finden."

In jungen Jahren hat Torsten Forner Orientierungslauf betrieben, woran ihn die einsamen Runden durch den Vogtlandwald hin und wieder erinnerten. "Da muss man auch auf Druck laufen und gegen sich selbst kämpfen." Gerne zieht er aber auch beim Skilanglauf seine Bahnen, dreht auf dem Mountainbike seine Runden. Er zählt nicht nur beim Neujahrsberglauf zu den Stammgästen, sondern auch bei den Kammläufen in Klingenthal oder bei den Wettkämpfen in Grünbach. Auch bei den Triathlons in Pöhl wischte er schon Staub.

So spannend der Treuener das Laufen allein gegen die Uhr auch findet, sehnt er wie alle doch die Rückkehr zum normalen Sportbetrieb herbei. Die Begegnung mit Gleichgesinnten, die man derzeit nur per Zufall auf der Strecke trifft, ist eben nicht zu ersetzen. Sein Verein setzt schon mal auf die Karte Optimismus. "Wir haben den Termin für unseren Treuener Stadtlauf schon mal geplant. Der wäre am 20. März. Mal sehen, ob das klappt."

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