Verabschiedung von den Fans fällt aus

Die letzten Heimspiele der Volleyball-Regionalligateams aus Oelsnitz und Reichenbach sind durch die Coronakrise ersatzlos gestrichen. Das ist für beide Vereine nicht nur sportlich bitter.

Oelsnitz/Reichenbach.

Im Gegensatz zu anderen Sportarten war der Schritt im deutschen Volleyball nach der Verschärfung der Corona-Krise radikal: Am 12. März stellte der Verband den Spielbetrieb in der 3. Liga sowie der Regionalliga mit sofortiger Wirkung ein. Betroffen davon sind auch die Männer des VSV Oelsnitz sowie die Frauen des FSV Reichenbach. Die Auswirkungen für die beiden vogtländischen Vereine aber sind unterschiedlich, vor allem mit Blick auf die Tabelle.

Nach 14 von 16 Spieltagen sind die Oelsnitzer Fünfter der Regionalliga Ost. Daran hätte sich auch bei einer Austragung der restlichen beiden Begegnungen gegen den Tabellenzweiten Dresdner SSV sowie gegen Schlusslicht Neuseenland Volleys Markkleeberg wohl nichts mehr geändert. "Am Ende wäre es wahrscheinlich beim fünften Platz geblieben", sagt VSV-Trainer Alexander Krug. Das Saisonziel Rang 4 hat das Team damit zwar verfehlt, mit dem Ergebnis kann Krug nach dem schwierigen Saisonverlauf aber leben.

Aufgrund langwieriger Verletzungen - Sascha Singer und Stephen Sehr bestritten keine einzige Partie - und weiterer Ausfälle wurden die Anschlusskader aus der zweiten Mannschaft, die in der Landesklasse spielt, weitaus öfter ins kalte Regionalligawasser geworfen als ursprünglich vorgesehen "Auch das ist ein Grund, warum wir manchmal nicht die Leistung aufs Parkett gebracht haben, die ich mir gewünscht hätte. Krass gesagt, sollten da schon Spieler Verantwortung übernehmen, die selbst erst mal mit dieser Spielklasse klarkommen mussten. Im Nachhinein betrachtet, haben die jungen Leute es ganz gut gemeistert", so Krug.

Sportlich noch viele offene Fragen gibt es bei den Volleyballerinnen des FSV Reichenbach. Der Regionalliga-Aufsteiger belegt einen Abstiegsplatz. Theoretisch hätte für die Mannschaft von Trainer Frank Sommer aber noch die Chance auf den Klassenerhalt bestanden. "Es ist verständlicherweise noch vieles in der Schwebe. Nimmt man den Ist-Stand der Tabelle für die weitere Planung, wird die Saison annulliert - da sind verschiedene Szenarien denkbar. Im Grund wartet jetzt jeder glaube ich auch erst einmal, wie sehr die Krise durchschlägt", sagt Frank Sommer. Schon vor einigen Wochen hatte man beim FSV einen möglichen Abstieg nicht als schlimmstes Ergebnis der Saison betrachtet. Schade findet der Coach das abrupte Ende vor allem mit Blick auf die Fans. Für das letzte Heimspiel hatte sich die Mannschaft ein paar Sachen ausgedacht, um sich von den Anhängern zu verabschieden. Das fällt nun aus.

Ähnlich ist die Lage beim VSV Oelsnitz, der sogar noch zwei Heimspiele auf dem Programm hatte. Die Absage trifft den Verein auch aus wirtschaftlicher Sicht hart. "Wir können die Entscheidung alle verstehen. Für uns als kleiner Verein sind die Partien in eigener Halle aber eine wichtige Einnahmequelle. Die Eintrittsgelder und die Einnahmen aus dem Imbissverkauf fehlen natürlich. Wir müssen versuchen, das irgendwie zu kompensieren", sagt Alexander Krug, der neben der Trainertätigkeit auch Vorstandsmitglied und Sportlicher Leiter der Oelsnitzer ist, zumal der Verein verspricht, die Inhaber einer Jahreskarte für die entgangenen beiden Partien zu entschädigen. Apropos Publikum: Von dem habe sich die Mannschaft gar nicht richtig verabschieden können. "Deshalb auf diesem Weg noch einmal ein riesiges Dankeschön an unsere Zuschauer und an unsere Gönner, die uns auch in dieser leider unvollendeten Saison vorbildlich unterstützt haben", lobt Krug. In der nächsten soll es sportlich dann wieder ein wenig besser laufen.

Mit den Planungen für die neue Spielzeit kann sich der VSV nun etwas früher als gedacht beschäftigen. Eine Bestandsaufnahme soll zunächst zeigen, wer nächste Saison weiter zur Verfügung steht. "Dann reden wir zeitnah mit externen Kandidaten. Wir schauen aber genau hin, ob derjenige auch zu uns passt. Natürlich haben wir nicht die finanziellen Möglichkeiten, die sich mancher vielleicht wünschen mag. Derjenige muss dann schon wirklich gerne bei uns spielen wollen, vielleicht ja auch wegen unseres tollen Publikums", betont Alexander Krug.

So weit ist man beim FSV Reichenbach noch nicht. "Ich konnte noch nicht mit den Spielerinnen sprechen, wie ihre Planungen aussehen. Da der Trainingsbetrieb ja ebenfalls ruht und wir auf Nummer sicher gehen wollen, sehen wir uns alle im Moment nicht mehr. Deshalb ist für die neue Saison noch nichts klar", sagt Frank Sommer.

Betroffen von der Coronakrise ist auch eine geplante Veranstaltung des VSV Oelsnitz. Im April wollte der Verein sein 30-jähriges Bestehen feiern. Das ist nun erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben.


Oberlosaer blicken voraus

Als ein komisches Gefühl bezeichnet Steffen Laudel von den Volleyballern des SV 04 Oberlosa die derzeitige Situation. "Wir haben bisher eine sehr gute Saison gespielt. Und dann weißt du plötzlich nicht, wie sie zu Ende geht", sagt der Nachwuchsleiter mit Blick auf die Frauenmannschaft. Der Aufsteiger spielt in der Sachsenliga von Beginn an vorn mit und hätte in den verbleibenden drei Partien auf jeden Fall noch die Chance auf Rang 2 gehabt. Jetzt aber ist die Saison für den Tabellenvierten wie auch alle anderen Mannschaften aufgrund der Coronakrise gelaufen. "Ich glaube nicht, dass die Spiele noch nachgeholt werden. Für uns ist es nur insofern nicht ganz so schlimm, weil wir weder mit Auf- noch mit Abstieg etwas zu tun haben", so Laudel. Den Sport sieht er wie viele andere Verantwortliche in Vereinen und Verbänden jetzt als absolut nebensächlich an. Trotzdem macht er sich natürlich Gedanken für die Zukunft der Oberlosaer Mannschaft: "Nach aktuellem Stand bleibt das Team zusammen. Wir wollen auch schauen, welche Spielerinnen wir aus dem Nachwuchs schon hochziehen können." (aheb)


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