VfB liegt mit 18 Zählern im Soll

In der Fußball-Regionalliga, die massiv aufrüstet, hat Auerbach den Klassenerhalt im Blick. Doch es gibt Baustellen im Team.

Auerbach.

Torschütze zum 1:0 gegen den FC Viktoria Berlin, umjubelter Held des Spiels, gefragter Gesprächspartner - und dann auch noch das: Als Danny Wild am Freitagabend den Rasen des VfB-Stadions verließ, musste er auch noch einen Kasten Wasser mit in die Kabine nehmen. "Das schaffe ich auch noch", sagte er. Ganz bodenständig eben. Einer, der anpackt - auch neben dem Platz. Die kleine Szene am Rande sagt viel aus: Beim VfB Auerbach packen alle an. Und das in einer Liga, in der die Unterschiede immer offener zutage treten.

Die Regionalliga hat sich in den vergangenen Monaten erheblich verändert: Sie befindet sich im Rüstungswettkampf. Dazu passte auch die Partie gegen Viktoria Berlin am Freitag. Die Gäste, die mit vielen Euro aus China so bald wie möglich so hoch wie möglich hinauswollen, waren klarer Favorit. Und das mit einer völlig neuen Mannschaft: Nur ein Spieler aus der Elf, die am letzten Spieltag der Vorsaison noch gegen Auerbach spielte, stand in der Startformation. "Nächstes Jahr wird das Geld wohl auch wirksam, dann kommt an Viktoria keiner vorbei. Das wird wie bei RB Leipzig", sagt VfB-Manager Volkhardt Kramer.

Doch all das spielte am Freitag nur eine Nebenrolle. Denn Geld schießt, zumindest für den Moment, noch keine Tore. Sondern das Fußballerherz. Auerbach kämpfte um jeden Zentimeter, rang die Berliner nieder. "Dass wir gegen eine Mannschaft mit so limitierten Mitteln verlieren, ist schon bitter", sagte Gäste-Coach Jörg Goslar despektierlich. Er machte sich damit nicht nur Freunde, auch weil er mit seinem Frust nicht einmal richtig lag. "Also wenn ich mir das 1:0 anschaue, dann war es schon sehr gut herausgespielt", konterte VfB-Coach Sven Köhler. Das 1:0 war tatsächlich einer der besten Spielzüge der Partie: Marcel Schlosser bediente Marc-Philipp Zimmermann, der mit dem Außenrist für Danny Wild vorbereitete. Er behielt die Ruhe, eine Körpertäuschung, der schnelle Abschluss: Fertig war die Pausenführung (38.). Und die hielt dank beherzten Auftretens.

Auerbach hat damit genauso viele Punkte wie die hoch gehandelten Berliner Gäste. "Zum Zurücklehnen ist es zu wenig", sagt Kramer, auch wenn die 18 Zähler genau in die Auerbacher Punkteformel für den Klassenerhalt passen: Je Spiel ein Punkt und noch vier Zähler als Polster obendrauf. Einen maßgeblichen Anteil daran hat der neue Trainer: Sven Köhler holte bislang beinahe das Optimum aus dem Team. Die Mannschaft hat sich spürbar weiterentwickelt. "Es ist bewundernswert, was wir bis jetzt erreicht haben", sagt er. "Aber wir sollten wachsam sein."

Köhler bereitet vor allem der schmale Kader Sorgen. Denn Auerbach verlor zu Saisonbeginn an Qualität. Lukas Novy, mittlerweile Kapitän bei Rot-Weiß Erfurt, Philipp Kötzsch und Alexander Mattern verließen den Verein. "Wir haben drei Stammspieler verloren, dazu kam mit Daniel Tarczal ein Langzeitverletzter", sagt Köhler. Im Moment kann der VfB das abfangen. So spielte André Herold gegen Berlin von Beginn an. "Er hat zwei Jahre fast gar nicht gespielt und war zuvor auch kein Stammspieler", erinnert Manager Kramer. "Wenn er jetzt gegen eine Riesen-Truppe wie die Berliner das zentrale Mittelfeld bespielen kann, ist es für Auerbach einer herausragende Geschichte." Allerdings fehlen dem VfB im Zentrum weitere Alternativen fehlen.

Im Winter wolle sich der Verein in der Breite verstärken, sagt Köhler. Schlägt also der VfB ähnlich stark auf dem Transfermarkt zu wie die Regionalliga-Konkurrenz? Wohl kaum. "Es ist aber abhängig von Daniel Tarczal. Ist er belastbar zum Rückrunden-Start einsetzbar, haben wir bereits einen Neuzugang", sagt Volkhardt Kramer. Wenn nicht, müsse sich der Verein nach Alternativen umschauen. Auch gegen Berlin zeigte sich, dass von der Bank kaum Impulse kommen. So ist es durchaus denkbar, dass der VfB die Konkurrenz beleben wird - durch neue entwicklungsfähige Spieler. Denn in der Tabelle geht es weiter eng zu eng: "Wir haben uns zwar Luft verschafft, aber die Luft bleibt weiter dünn", sagt Danny Wild.

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