VfB nach dritter Pleite erstmal am Boden

Auerbach hat den Start in die neue Saison der Fußball-Regionalliga an die Wand gefahren. Die desolate zweite Halbzeit beim 1:5 am Samstag gegen Hertha BSC II macht nachdenklich.

Auerbach.

Für kurze Zeit war für die Zuschauer auf der Auerbacher Haupttribüne am Samstag das Geschehen auf der Gästebank spannender als das, was sich gerade auf dem Spielfeld ereignete. Knapp über eine Viertelstunde ist beim Regionalligaspiel des VfB Auerbach gegen Hertha BSC II noch zu spielen. Die Partie ist entschieden. Maximilian Pronichev hat einen Foulelfmeter zum 4:1 für die Gäste verwandelt und muss runter vom Feld. Begleitet von einem kräftigen verbalen Tritt seines Trainers Andreas Neuendorf in den Hintern. Pronichev hatte es gewagt, die Anweisungen des Hertha-Trainers - ein anderer Spieler sollte den Elfmeter schießen - zu missachten. Da die Berliner bereits dreimal gewechselt hatten, entschied sich Neuendorf dazu, lieber zu zehnt weiterzuspielen und damit ein Zeichen zu setzen.

Die Szene ist nicht nur aufgrund des hohen Unterhaltungswerts aussagekräftig für das Spiel, sondern auch zur Analyse der Kräfteverhältnisse am Samstag im VfB-Stadion. Neuendorf konnte es sich leisten, gegen einen zu diesem Zeitpunkt völlig konsternierten VfB Auerbach zu zehnt weiterzuspielen. Womöglich hätte er sogar noch einen Spieler vom Feld nehmen können, sein Team hätte trotzdem die drei Punkte aus dem Vogtland entführt. Das zeigt: Der VfB ist nach drei Niederlagen aus der englischen Woche zum Regionalligastart angezählt. 2:10 Tore, keine Punkte - der Fehlstart ist perfekt.

All die Probleme der ersten Regionalligawoche waren im Spiel gegen die Berliner Bundesligareserve geballt zusammengefasst. Entscheidenden Anteil daran, dass Auerbach weiter am Tabellenende steht und Krisenstimmung herrscht, hat das, was hinter dem Torverhältnis steht: Der VfB erzielt - selbst aus besten Chancen - zu wenige Tore und fängt gleichzeitig nach krassen individuellen Fehlern Gegentreffer in Reihe.

"Wir haben wir zu viele Tore zu einfach gefangen", bestätigt VfB-Coach Sven Köhler. Und er schickt eine als Warnung verpackte Aufgabe an sein Team nach: "Wenn wir es nicht schaffen, diese Gegentore zu verhindern, dann wird es schwer, die Klasse zu halten."

Die Art und Weise, wie sich Auerbach die Tore gegen Berlin einfing, hatte kein Regionalligaformat. Leichtsinnige Ballverluste in der Vorwärtsbewegung (0:1 und 1:5), Querpässe im Strafraum (1:3) oder der zweite Elfmetergegentreffer innerhalb von sechs Tagen (1:4) sprechen gegen das VfB-Team. "Die Fehler sind schwer erklärbar", sagt Manager Volkhardt Kramer. "Und sie werden zudem hart bestraft. Wir leisten uns einen leichten Fehler - und sofort klappert es."

Einzig das Gegentor zum 1:2 war mehr der Klasse der Gäste geschuldet als dem Auerbacher Versagen. Ngankams fulminanter Hammer aus 16 Metern schlug zwar direkt über dem Kopf des neuen VfB-Keepers Maximilian Schlosser ein, doch war der verdeckte Schuss zu platziert, als dass Schlosser noch rechtzeitig die Hand hätte hochbekommen können. "Da trifft ihn keine Schuld", sagte Kramer. "Dass Ngankam so einen Schuss auspackt, war nicht zu erwarten."

Das tröstete die Auerbacher kaum, weil ausgerechnet dieser Sonntagsschuss der Knackpunkt der Partie schien. In der ausgeglichenen ersten Halbzeit hatte Auerbach sogar die besseren Chancen. Nur - und das ist die zweite große Baustelle - der Ball will trotz klarer Chancen nicht ins Netz. Thomas Stock und Josef Ctvrtnicek hätten vor der Pause die Vogtländer in Führung bringen müssen. Doch beiden fehlte die Ruhe im Abschluss, die Daniel Tarczal bei seinem Ausgleichstreffer an den Tag gelegt hatte.

Die Pause zerstörte allen Auerbacher Spielfluss. Wie ausgewechselt kam der VfB aus der Kabine und überließ Hertha das Feld. Keine Flanken, kaum Offensivaktionen, viel Passivität - es fühlte sich fast so an, als ob der VfB das Unentschieden von der 46. Minute an über die Zeit bringen wollte. Ein Trugschluss.

"Die Berliner haben natürlich die besseren Fußballer und haben auch mehr Druck gemacht", analysierte Köhler. Die Schlussphase gegen zehn Berliner wollte der VfB-Coach gar nicht mehr in die Bewertung einfließen lassen. "Mit den Niederlagen im Hinterkopf und dem Rückstand weiß jeder, der schon mal Fußball gespielt hat, was bei den Jungs im Kopf vorgegangen ist." Es war zum Wegsehen.

Doch wie geht es nun weiter? "Wir werden in alle Ruhe weiterarbeiten", sagt Volkhardt Kramer. Zusammenhalten und Beieinanderbleiben sind die Vokabeln, auf die er nun setzt. Nur keine Panik, unbedingt die Ruhe bewahren. "Was bleibt uns auch anderes übrig?", sagt er. Zumal mit Erfurt, Lok Leipzig und Cottbus drei schwere Gegner warten. "Gegen Hertha II war die Gefahr groß, dass wir nicht als Sieger den Platz verlassen würden", sagt Kramer. "Und das ändert sich in den nächsten Spielen auch nicht." Allerdings schöpft er schon wieder Mut: "Ich möchte unsere nächsten Gegner nicht zu Übermannschaften stilisieren. Wir denken von Spiel zu Spiel."

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