Vogtländer übernimmt Kaderschmiede

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Francis Weinhold wuchs beim KSV Pausa zu einem Spitzenringer heran, gehörte später lange zu den Leistungsträgern in Markneukirchen. Jetzt übernimmt er Verantwortung für einen großen Bundesstützpunkt.

Pausa.

Der Ringkampfsport ist in Brandenburg mit dem Bundesstützpunkt in Frankfurt (Oder), dem Regionalstandort Luckenwalde und sechs Landesstützpunkten hervorragend aufgestellt. Zahlreiche lizenzierte Trainer und Übungsleiter in den insgesamt 13 Vereinen kümmern sich um die sportlichen Belange der Athleten. Mit dem Bundesstützpunktleiter blieb bislang allerdings eine wichtige Stelle unbesetzt. Der Deutsche Ringer-Bund schaffte nun Abhilfe und berief mit Francis Weinhold einen jungen Vogtländer in diese Funktion. Er regelt künftig alle Belange im Umfeld der Athleten und Trainer, pflegt Kontakte zu allen wichtigen Partnern.

Francis Weinhold, der im Januar seinen 28. Geburtstag feierte, ist mit den örtlichen Verhältnissen bestens vertraut. Er war von 2006 bis 2012 selbst Sportler am Leistungszentrum in Frankfurt (Oder). Das Ringer-Abc erlernte er jedoch beim KSV Pausa, seinen letzten Erfolg holte er für die Vogtländer 2016 mit Bronze bei den Deutschen Meisterschaften in Saarbrücken. Bis vergangenes Jahr kämpfte Weinhold noch in der Bundesliga, war zuletzt für den FC Erzgebirge Aue aktiv. Für die Saison 2020 hatte er beim AV Germania Markneukirchen unterschrieben, wo er allerdings nicht zum Einsatz kam, da die Saison abgebrochen wurde. Bereits von 2011 bis 2016 gehörte der aus dem Zeulenrodaer Ortsteil Leitlitz stammende Ringer der Markneukirchener Mannschaft an.

Mit seiner vogtländischen Heimat verbindet Weinhold nach wie vor viel. "Beim KSV Pausa sind es vor allem mein Jugendtrainer Steffen Petzold sowie Horst Steinert, die viel für mich getan haben. Horst Steinert hat mich selbst bei meiner Studienarbeit unterstützt. Dafür bin ich den beiden, aber auch vielen weiteren sehr dankbar."

In Frankfurt (Oder) und Luckenwalde wartet auf Francis Weinhold ein großes Aufgabengebiet, denn mit Christian John, Franz Richter, Erik Weiß und Francy Rädelt halten sich vier Athleten als Ersatzkader für die Olympischen Spiele in Tokio bereit. Dazu kommt Erik Thiele, der sich ebenso wie Lisa Ersel noch große Hoffnungen auf ein Olympiaticket bei den anstehenden Qualifikationsturnieren in Budapest und Sofia macht, sowie Luzie Manzke, die nach einer Verletzung um den Anschluss kämpft und die Weltmeisterschaft im Oktober in Oslo im Auge hat. "Andrej Ginc überzeugte zudem vor einigen Tagen beim Grand Prix von Kroatien mit Bronze und hat nun gute Chancen, das Limit bis 63 Kilogramm bei den anstehenden Europameisterschaften in Warschau zu besetzen", freut sich Francis Weinhold über die jüngsten Erfolge der Athleten aus seinem Bundesstützpunkt.

"Wir sind gut aufgestellt, in allen drei Stilarten gibt es viel Potenzial. Aber es ist auch wichtig, das in uns gesetzte Vertrauen mit sportlichen Leistungen zu bestätigen, denn wir haben hier in Brandenburg beste Bedingungen für den Leistungssport", ist sich Francis Weinhold im Klaren.

Gleich mehrere ehemalige Trainingsgefährten des Vogtländers haben in der Vergangenheit eine Trainerlaufbahn eingeschlagen. Zu ihnen zählt auch das Pausaer Trainergespann Werner Schellenberg und Anatolij Judin. Erleichtert es die Arbeit am Stützpunkt, noch einen guten Draht in viele Vereine zu haben? "Natürlich sind die Kontakte zu den ehemaligen Weggefährten sehr wichtig. Ich selbst habe ja 2016 eine Trainingsgruppe geleitet während meines Lehramtsstudiums in Potsdam und später als Referent für Aus- und Weiterbildung beim Ringerverband Brandenburg auch viele Trainer angeleitet. Bis vergangenes Jahr habe ich noch in der 1. Bundesliga gekämpft, wollte mich mit den Besten messen. Nach dem Studium stand für mich die Frage, in den Lehrerberuf zu gehen oder im Leistungssport zu arbeiten. Ich habe das Feuer für den Leistungssport nie verloren und mich letztlich für diese Tätigkeit entschieden. Ich kenne das Potenzial in Brandenburg und freue mich auf die Arbeit."

Francis Weinhold weiß, dass es in Brandenburg viele Familien gibt, die den Ringkampf leben, ehemalige Trainingsgefährten, die nun selbst Kinder haben, die sich auch dem Ringen verschrieben haben. "Für sie eine führende Rolle einzunehmen, ist für mich Berufung, Motivation und Herausforderung zugleich. Dazu kommen viele Bundeskader in allen Stilarten und ein starkes Trainerteam - am Ende ist Erfolg ist ein Gemeinschaftsprodukt. Ich will mit Hilfe der vorhandenen Gegebenheiten jungen Athletinnen und Athleten, die an den Bundesstützpunkt kommen, die Möglichkeit bieten, ihre sportlichen Ziele zu verwirklichen", nennt er die aus seiner Sicht vordringlichsten Aufgaben.


Start im September geplant

Geht es nach den Wünschen der Vereine, dann starten die mitteldeutschen und sächsischen Ringerligen im September erneut. Dies ist das Ergebnis einer Videoberatung, die der zuständige Referent Henning Tröger jetzt organisiert hat. "Ausnahmslos alle Vereine haben zugesagt, ihre Mannschaften an den Start zu schicken", betonte Tröger. Ende Januar war die Meldefrist für die Vertretungen aus den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen abgelaufen. Das für den Referenten positive Resultat der Abfrage ließ ihn zu der Erkenntnis gelangen, "dass wir nun die Saison so vorbereiten, als würden wir im September beginnen".

Sollte dies so sein, dann stehen die Wettbewerbe in der Regionalliga Mitteldeutschland unter mehr Spannung als zuletzt. Der Grund: Der Deutsche Ringer-Bund will die 2. Bundesliga wieder etablieren, obwohl er diese nach der Saison 2016 ausradiert hatte. Somit müsste der Regionalligameister nicht direkt in die 1. Bundesliga aufsteigen. Wie dem auch sei, die Ringkämpfer sind guter Dinge, wenngleich in den Bundesländern unterschiedliche Regularien herrschen. "Wir dürfen mit Nachwuchskadern trainieren, dafür die Männer nicht. Und unsere Wettkampfhalle ist jetzt ein Impfzentrum", sagte Jörn Schröter aus Luckenwalde. "Bei uns können nur Bundeskader auf die Matten am Stützpunkt Leipzig", sagte hingegen Joachim Kühn zu den Verhältnissen im Freistaat Sachsen. Nur zwei Beispiele, die zeigen, wie kompliziert die Lage derzeit ist.

Es läuft darauf hinaus, eine Regionalliga mit acht Mannschaften sowie eine Landesliga mit zehn Vertretungen zu bilden. Für Letztere war die überwiegende Mehrheit, für eine Lösung mit zwei Staffeln und anschließenden Überkreuzvergleichen fand sich dagegen keine Mehrheit. In der Regionalliga mit Teams aus Thalheim, Gelenau, Luckenwalde, Berlin, Pausa/Plauen, Potsdam, Frankfurt und Leipzig soll es das normale System mit Heim- und Auswärtsduellen geben.

Bereits im Herbst hatten die Ringer Mannschaftsmeisterschaften gestartet und mit umfangreichen Hygienekonzepten unterfüttert. Dennoch musste nach zwei Runden ein Schlussstrich gezogen werden. Dass es ihnen aber ernst ist, dafür steht die Stimme des Gelenauer Vorsitzenden Jens Fischer: "Wir machen alles mit, was wir stemmen können." (mas)

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