Von Blau-Weiß Reichenbach bis in die Champions League

Erik Schreyer steckt in der Tischtennis-Bundesliga mit Post Mühlhausen mitten in seiner zweiten Saison als Cheftrainer. Das größte Spiel in der Vereinsgeschichte der Thüringer war auch für ihn ein besonderes. Und ein dramatisches noch dazu.

Mühlhausen.

Erik Schreyer hat als Aktiver und als Trainer schon viele große Spiele in der Halle am Kristanplatz in Mühlhausen erlebt. Doch was am Freitagabend abging, als der einzige ostdeutsche Bundesligist im vorletzten Gruppenspiel der Champions League den russischen Meister TTC Fakel Orenburg erwartete, dürfte kaum noch zu toppen sein. "Orenburg hat viermal die Champions League gewonnen und mit Dimitrij Ovtcharov und Vladimir Samsonow zwei Legenden im Aufgebot. Die Halle war seit drei Monaten ausverkauft und proppevoll. Wenn du dann in der Königsklasse vor dem Spiel die Nationalhymne hörst, ist das ein absoluter Gänsehautmoment", schwärmt Erik Schreyer.

Sein Team hatte die Bundesliga-Hinrunde auf Platz 2 abgeschlossen und bot auch Orenburg einen großen Fight, dessen Dramatik und dessen Emotionen der klare Endstand von 0:3 nicht einmal ansatzweise erahnen lässt. Alle drei Spiele gingen erst im fünften Satz an die favorisierten Gäste. Daniel Habesohn brachte Dimitrij Ovtcharov bei seiner 2:1-Satzführung in Bedrängnis, Ovidiu Ionescu musste sich Marcos Freitag 9:11 im Entscheidungssatz beugen, und Lubomir Jancarik vergab gegen Vladimir Samsonow sogar einen Matchball im vierten Satz. "Das war so am Ende natürlich sehr bitter. Aber ich kann unseren Spielern kaum einen Vorwurf machen. Gegen die abgeklärten Weltklassespieler hat höchstens etwas Kaltschnäuzigkeit gefehlt", sagte Post-Cheftrainer Erik Schreyer.

Der 31-Jährige Vogtländer, der im Mai mit einer Top-Note seine A-Trainer-Lizenz machte, war in den einminütigen Satzpausen am Freitag ganz unterschiedlich gefordert. "Du musst beim Coaching auf die verschiedenen Charaktere eingehen. Daniel Habesohn ist unser Doktor Tischtennis. Er redet in den Pausen meist selbst sehr viel, wir tauschen uns aus. Lubomir Jancarik dagegen ist ganz ruhig und hört mir nur zu. Und bei Ovidiu Ionescu ist es wichtig, ihn mental zu stärken", sagt der Waldkirchener, der in der Jugend einst bei der SG Blau-Weiß Reichenbach zum Topspieler reifte.

Bereits morgen Abend wartet auf die Tischtennis-Asse des Post SV Mühlhausen die nächste Herausforderung. Im letzten Gruppenspiel der Champions League beim schwedischen Vertreter Eslöv geht es um den Einzug ins Viertelfinale. "Alle sind voll fokussiert. Das wäre für uns ein historischer Triumph", sagte Erik Schreyer gestern beim Kofferpacken. Doch die drei Teams hinter Spitzenreiter Orenburg liegen noch ganz dicht beieinander. Auch in der Tischtennis-Bundesliga ist nach den Ergebnissen des vergangenen Wochenendes wieder viel Spannung drin. "Es ist unser Ziel, so lange wie möglich um die Playoffs mitzuspielen", sagt Erik Schreyer. Er hatte Mühlhausen in der Vorsaison auf Rang 6 geführt. So gut war Post Mühlhausen noch nie.

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