Wasserballer feiert seltenes Jubiläum

Der Plauener Karlheinz Krause ist seit dem 1. Oktober 1950 aktiver Sportler. Doch nun könnte nach sieben sehr erfolgreichen Jahrzehnten Schluss sein.

Plauen.

Es ist ein beeindruckendes und ganz seltenes Jubiläum, das Karlheinz Krause kürzlich feiern durfte: Seit über 70 Jahren steigt der gebürtige Plauener regelmäßig ins Becken und ist im Wassersport erfolgreich aktiv. Angefangen hatte alles, als er 13 Jahre alt war und sich seine Mutter Wilfriede Sorgen um seine Zukunft machte. "Ich habe als Jugendlicher Dinge gemacht, die zwar nicht schlimm, aber ungesetzlich waren", erinnert sich der 83-Jährige an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Mutter sprach mit dem Sohn eines Bäckers, bei dem Krause damals arbeitete, einem guten Wasserballspieler, und bat ihn, ihren Sohn für diesen Sport zu begeistern. Der nahm ihn mit zum Training, wo er mit bekannten Wasserballern wie Kurt Söll zusammenkam und sogar trainierte, die in der Nationalmannschaft gespielt haben.

"Das hat mich natürlich begeistert, das war für mich etwas Außergewöhnliches und auch eine besondere Auszeichnung, mit solchen Größen trainieren zu können", sagt der ausgebildete Taucher. Doch einfach waren die Übungseinheiten für den damals 13-Jährigen nicht. "Ich konnte am Anfang nur etwas Brustschwimmen und musste das Kraulen erst noch erlernen." Um mit seinen Mitspielern mithalten zu können, ging Krause jeden Tag nach der Schule ins Stadtbad und trainierte alle vier Schwimmarten.

Nach geraumer Zeit durfte Karlheinz Krause mit den Pionieren spielen, gewann 1952 die jährlich ausgetragene Spartakiade und wurde Vogtlandmeister. Sein erster Trainer war Rudi Tanneberger, der Anfang der fünfziger Jahre als über 40-Jähriger selbst noch mitspielte. Bereits 1954 gehörte "Ming", wie Krause von seinen Sportkameraden genannt wird, der ersten Mannschaft an, die 1956 in die Oberliga aufstieg. Das war jedoch mit der Auflage verknüpft, dass die Akteure nur eine Spielberechtigung bekommen, wenn sie die 100 Meter in unter 70 Sekunden schwimmen. "Daran hatte ich lange zu knaupeln. Meine beste Zeit lag dann bei 1:08,4", berichtet der Verteidiger.

"In dieser Zeit erlebte ich allerdings ein finanzielles Desaster, denn mein Verdienst als Schneidergehilfe war viel zu schwach, um weiter auf so hohem Niveau Wasserball spielen zu können." Schließlich ging es zu den Partien nach Berlin, Magdeburg oder Rostock oft schon am Freitag, erst am Montag kam man erschöpft zurück. Erneut war es der Bäckerssohn, der half, indem er Karlheinz Krause eine Anstellung beim Gesundheitswesen der Stadt Plauen als Hygieneaufseher verschaffte. "Meine Geldsorgen waren erledigt, die Arbeit machte mich glücklich, und Freistellungen für Spiele sowie besondere Trainingseinheiten wurden mir anstandslos gewährt", ist der studierte Wasserwirtschaftler noch heute dankbar. 1956 löste sich sein Schwimmverein Einheit auf. Einige Sportler waren in den Westen geflüchtet, andere wegen ihrer Arbeit versetzt, sodass die Mannschaft nicht mehr spielfähig war. Die verbliebenen Aktiven wechselten zu Motor Plauen.

Weil die DDR-Führung das Leistungsniveau im Wasserball erhöhen wollte, wurde in den sechziger Jahren eine Verbandsliga gegründet, in der die besten Riegen der Oberliga spielten, um daraus die Nationalmannschaft bilden zu können. Auch Karlheinz Krause war zwei Jahre in dieser höchsten Spielklasse aktiv. Doch als die Wasserball-Nationalmannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko-Stadt sprichwörtlich baden ging, wurde diese Liga wieder aufgelöst.

Fortan lag das Augenmerk der sportlichen Förderung bei den Schwimmern, weil man ihnen eine deutlich größere Chance auf den Gewinn von Medaillen einräumte. Für die Wasserballer hatte das zur Folge, dass die Zeiten im Schwimmbad für ihre Trainingseinheiten massiv gekürzt wurden. "Das war ein schwerer Rückschlag", erinnert sich Krause. Dennoch blieb er dabei, feierte bis 1999, als er im Alter von 62 Jahren seine aktive Laufbahn beendete, einen DDR-Vizemeistertitel, 16 Bezirks- oder Regionalmeistertitel sowie 14 Pokalsiege.

Noch 1999 fand er sich allerdings bei den Schwimmern wieder, als er bei einem Wettkampf im tschechischen Usti unter 44 internationalen Teilnehmern über 100 Meter Freistil den zehnten Platz belegte. In den folgenden Jahren nahm er regelmäßig an Senioren-Schwimmwettkämpfen teil. "Ich habe nie extra dafür trainiert. Ich habe von fast 50 Jahren Training im Wasserball gezehrt, meine Zeiten sind über die Jahre nur um Sekundenbruchteile schlechter geworden", erzählt der Jubilar. Wöchentlich eine Stunde trifft er sich mit ehemaligen Mitspielern zum Wasserfußballspielen im Stadtbad, wofür extra der bewegliche Boden angehoben wird. Seinen bisher letzten Wettkampf hat er im Januar bestritten und dort über 50 Meter Freistil und Brust den ersten Platz belegt.

Seither bremst auch ihn die Corona-Pandemie aus. "Wenn wir wieder normal trainieren können und es noch genügend Mitspieler gibt, würde ich auf jeden Fall wieder mitspielen", hofft Krause auf weitere Wasserfußballspiele im Stadtbad. Mit den Schwimmwettkämpfen wird allerdings wohl endgültig Schluss für ihn sein, denn es finden sich kaum noch Mitstreiter, die an solchen Ausscheiden teilnehmen.

Höhepunkt seiner sportlichen Karriere war 2013 die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der Masters in Hamburg, wo er mit 76 Jahren der älteste Wasserballer war und den Vizemeistertitel in der Altersklasse der über Siebzigjährigen bejubeln konnte. "Das war etwas ganz Besonderes und dass ich die körperlichen Herausforderungen so gut durchstehen konnte, hat mich sehr stolz gemacht."

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