"Wir sollten nicht alles infrage stellen"

Fußball: Auerbachs Trainer Sven Köhler zur Niederlage gegen Regionalliga-Schlusslicht Rathenow und zu den kommenden schweren Gegnern

Auerbach.

Eine englische Woche mit hammerharten Gegnern kommt auf die Regionalligafußballer des VfB Auerbach zu. Am Sonntag, 13.30 Uhr laufen sie beim Tabellenvierten Wacker Nordhausen auf. Am Mittwoch, 19Uhr gibt Tabellenführer Chemnitzer FC seine Visitenkarten im VfB-Stadion ab, am Samstag, 6. April, 13.30 Uhr kommt mit dem Tabellendritten Hertha BSC II der nächste Hochkaräter ins Vogtland. Und das in einer Situation, in der die Spieler des VfB noch an der bitteren Niederlage gegen das Schlusslicht Rathenow knabbern. Marcus Schädlich fragte bei Trainer Sven Köhler nach der Stimmungslage.

"Freie Presse": Der Frust nach der 2:3-Niederlage gegen Rathenow steckte sicher tief. Wie lange haben Sie gebraucht, das zu verarbeiten?

Sven Köhler: Definitiv länger als bei vielen anderen Niederlagen. Wenn du in Auerbach in der Regionalliga Trainer bist, dann gehören Niederlagen dazu, vielleicht auch ein paar mehr als mit ambitionierten Teams. Aber die Niederlage am Freitag hat wehgetan. Vor allem die Art und Weise hat mir zugesetzt.

Was hat besonders geschmerzt?

Zunächst, dass wir nach einem sehr guten Beginn das Spiel aus der Hand gegeben haben. Dass wir mit viel Willen noch ein 2:2 gemacht haben, es aber nicht halten konnten, war das Bedauerliche. Das dritte Gegentor war unnötig.

Welche Auswirkungen hat die Niederlage? War es ein Tiefpunkt?

Wir sollten grundsätzlich nicht alles infrage stellen. Wenn ich das Rathenow-Spiel ausklammere, liegen wir voll im Soll. Wer an etwas Anderes geglaubt hat, der ist ein Träumer. Uns haben zu Saisonbeginn wichtige Spieler verlassen, wir hatten viele Verletzte und standen bis vor dem Rathenow-Spiel trotzdem genau dort, was leistungsmäßig auch drin war. Wer das anders sieht, verkennt die Tatsachen. Natürlich ist die Situation nach der Niederlage gegen Rathenow schwerer geworden.

Es gibt kritische Stimmen, die der Mannschaft fehlenden Kampfeslust vorwerfen. Was entgegen Sie diesen Kritikern?

Die Kritik kam auf, als wir nach dem 0:1 schlecht gespielt haben. Dass Unzufriedenheit aufkommt, wenn du daheim gegen den Tabellenletzten zurückliegst, ist etwas Normales. Aber die Jungs haben stets mit ihrer Art gezeigt, dass es nicht an der Einsatzbereitschaft liegt. Das ist ein schnell genommenes Argument bei Fußballern. Ich würde es nicht heranziehen. Wir machen im Moment einfach zu viele einfache Fehler, die zu Gegentoren führen.

Wie kam der Bruch im Spiel zustande?

Wir haben uns zu sehr darauf verlassen, dass es nach dem guten Beginn einfach so weitergeht. Zudem sind die Rathenower eine Mannschaft mit guten Individualisten. Aber wir haben uns in der Pause gefunden. In der zweiten Halbzeit kann ich der Mannschaft in kämpferischer Hinsicht keinen Vorwurf machen. Dass wir bei einem solchen Spielverlauf viele lange Bälle spielen, liegt in der Natur der Sache nach einem 0:2-Rückstand.

Es ist allerdings auffällig, dass die Spielkultur in den vergangenen Wochen etwas gelitten hat. Stimmen Sie dieser These zu?

Dass es fußballerisch in der zweiten Halbserie bislang noch nicht so gut aussieht wie in der Hinserie, sehen wir genauso. Es hängt aber mit der Situation zusammen. Wir haben viele Gegentore gefangen, auch aus eigenem Ballverlust. Hinzu kommt, dass wir zweimal 0:2 zurücklagen, dann fehlt vielleicht auch die innere Überzeugung, das mit spielerischen Mitteln aufzuholen. Von der Aufstellung her spielen wir im Zentrum mit Daniel Tarczal und Amer Kadric mit zwei Fußballern, die eher spielorientierte Akteure sind.

Beide stecken allerdings in einem Formtief.

Das würde ich so nicht direkt sagen. Es liegt immer an der inneren Überzeugung, was ich mir in diesem Moment zutraue. Daniel Tarczal wird über taktische Disziplin zu seinem Spiel finden. Amer ist einer, der dem Fußball alles unterordnet. Er ist unglaublich fleißig. Vielleicht will er in der einen oder anderen Situa tion zuviel. Er weiß, dass von ihm die spielerischen Elemente erwartet werden. Das ist eine hohe Verantwortung für einen jungen Spieler. Zudem muss ich betonen: Der Kader ist im Vergleich zum Vorjahr - ohne Mattern und Kötzsch - im zentralen Mittelfeld dünner besetzt.

Wie geht die Mannschaft mit der Kritik um?

Wenn du daheim gegen Rathenow verlierst, ist die Kritik berechtigt. Wir haben es für uns auch ausgewertet und gesehen, dass es eine unnötige Niederlage war. Wir haben nicht das abgerufen, was wir können. Mit den Niederlagen gehen wir konstruktiv um. Es ist doch nicht so, dass bei Niederlagen alles schlecht und bei Siegen alles schön ist. Der Mittelweg ist wichtig.

Was muss genau muss das Team nun besser machen?

Die Fehlerquote ist zu hoch, und wir machen es dem Gegner zu einfach, zu Toren zu kommen. Ich will es nicht aufs fehlende Spielglück schieben. Wir müssen erkennen, dass jede Situation zu Torgefahr führen kann, gerade in den kommenden Spielen gegen Gegner, die andere Ambitionen als wir haben.

Ist es ein Vorteil, wenn der VfB innerhalb von elf Tagen mit Nordhausen, Chemnitz, Hertha BSC II und Erfurt auf vier der fünf Spitzenteams der Liga trifft? Vom VfB erwartet man keine vier Siege...

Das kann man so oder so sehen. Am Ende liegt es an uns, wie es uns gelingt, unsere Leistung zu bringen. Klar sind die Erwartungen andere als gegen Rathenow. Aber trotzdem müssen wir Punkte holen. Entscheidend ist, dass eine Entwicklung erkennbar ist und wir aus Fehlern lernen. Völlig klar ist: Guter Fußball entsteht durch Erfolgserlebnisse.

Wie schätzen Sie Nordhausen ein?

Die Nordhäuser verfügen über eine individuell sehr gut besetzte Mannschaft. Am Mittwoch haben sie rotiert, ohne dass ein Qualitätsverlust erkennbar war. Der 4:1-Sieg spiegelt allerdings nicht den Spielverlauf wider. Fraglos treffen wir auf eine gute Mannschaft. Wir müssen mit unseren Tugenden dagegenhalten. Im Heimspiel haben wir es beim 1:1 sehr gut gemacht.

Das ist der Maßstab?

Sicher wird Nordhausen einige gefährliche Aktionen haben. Wir müssen ordentlich dagegenhalten und Nadelstiche setzen wie im Hinspiel.

Wie wichtig ist, dass Marcin Sieber nach seiner Gelbsperre zurückkehrt?

Ausfälle tun uns mehr weh als anderen Teams. Und wenn in einem Abstiegsduell mit Danny Wild und Marcin Sieber zwei wichtige Spieler fehlen, ist das schwer. Wir freuen uns, dass Marcin wieder mit dabei ist. Danny fällt weiterhin aus. Alle anderen sind dabei.

Nimmt sich das Team eine gewisse Punktzahl gegen die nächsten vier Gegner vor? Die Namen sind ja groß.

Nein. Wir haben schon mitbekommen, dass uns einige gar keinen Punkt zutrauen. Das zu widerlegen, ist unser Ziel.

Spielt die Vertragsverlängerung von Marc-Philipp Zimmermann und Sebastian Schmidt eine Rolle. Ist das ein Zeichen?

Die Vertragsverlängerungen zeigen, dass wir eine solide Arbeit leisten. Nochmals: Beide sind keine Profis und verdienen sich auch keine goldene Nase. Marc-Philipp steckt in der Polizeiausbildung, Sebastian arbeitet in einer Telefonberatung. Wenn ich dann höre, dass Fans von diesen Spielern das Geld für eine Auswärtsfahrt zurückhaben wollen, dann fehlt mir dafür das Verständnis. Die Jungs sind charakterlich in Ordnung und wissen, welchen Weg der VfB gehen kann.


Letzte Spieltermine der Regionalliga stehen fest - Vorverkauf für Partie gegen Chemnitzer FC

Der Nordostdeutsche Fußball-Verband hat die Ansetzungen für die Regionalliga bis zum 34. Spieltag bekanntgegeben. Auf die Auerbacher kommen an den letzten sechs Spieltagen ein Donnerstags-, drei Samstags- und zwei Sonntagsspiele zu. Konkret spielt der VfB zu folgenden Terminen:

- am Sonntag, 14. April, 13.30 Uhr beim FC Oberlausitz

- am Donnerstag, 18. April, 19 Uhr zu Hause gegen den ZFC Meuselwitz

- am Samstag, 27. April, 13.30 Uhr beim FC Viktoria Berlin

- am Samstag, 4. Mai, 13.30 Uhr zu Hause gegen den Bischofswerdaer FV

- am Sonntag, 12. Mai, 13.30 Uhr bei Union Fürstenwalde

- am Samstag, 18. Mai, 13.30 Uhr zu Hause gegen den SV Babelsberg.

Mit Marc-Philipp Zimmermann und Sebastian Schmidt haben zwei Leistungsträger der Regionalligamannschaft des VfB Auerbach ihre laufenden Verträge um zwei weitere Jahre bis Ende der Saison 2021 verlängert. Beide Verträge laufen unabhängig von der jeweiligen Klassenzugehörigkeit des VfB. Beide Spieler haben wesentlich zu den sportlichen Erfolgen ihres Teams beigetragen und möchten mit ihrer Vertragsunterschrift auch ein Zeichen für den Zusammenhalt der Mannschaft setzen. "Es werden in den nächsten Tagen weitere Vertragsverlängerungen folgen", kündigte VfB-Manager Volkhardt Kramer an. "Damit steht auch schon jetzt auf wesentlichen Positionen das Gerüst der Mannschaft für die kommende Saison."

Aufgrund der großen Kartennachfrage für das Regionalliga-Nachholspiel gegen den Chemnitzer FC am Mittwoch, 3. April, 19 Uhr hat sich der VfB Auerbach entschlossen, einen Vorverkauf einzurichten. In Chemnitz erfolgt dieser bei den bekannten Vorverkaufsstellen des CFC. In Auerbach gibt es die Karten im Vorverkauf im Kramer Sport Eck, Neumarkt 5. Vor allem den Interessenten für Tribünenkarten empfiehlt der Verein, diese schon im Vorverkauf zu erwerben. (masc)

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