Wismut-Stürmer aus Plauen wird 85

Fußballer Klaus Zink ging einst als junger Kerl ins Erzgebirge. An seinem runden Geburtstag spricht er über den schweren Start und große Erfolge in Aue.

Plauen/Aue.

Sein Trainingseifer und der sportliche Ehrgeiz sind ungebrochen. "Obwohl ich nicht mehr der Schnellste bin, macht es noch Spaß", sagt Klaus Zink. "Und Tore schieße ich nach wie vor", schickt er schmunzelnd hinterher. Das war schon immer die Stärke des wieselflinken Stürmers, den die Auer 1955 von der damaligen BSG Rotation (später Wismut) Plauen ins Erzgebirge holten. Zwischen 1957 und 1971 erzielte Klaus Zink in 279 Oberliga-Einsätzen für Wismut Aue 83 Tore. Zweimal - 1957 und 1959 - holte er mit seiner Elf, die damals als SC Wismut Karl-Marx-Stadt auflief, den DDR-Meistertitel ins Lößnitztal. Dazu kommen 37 Pokalspiele mit 13 Treffern und neun Europapokal-Partien mit sechs Toren.

Diesen Mittwoch wird der vierfache Vater, der in all den Jahren nie den Kontakt zu seiner Heimatstadt und zum Plauener Fußball hat abreißen lassen, 85 Jahre alt. Und wenn Corona nicht wäre, würde der seit vielen Jahren in Chemnitz lebende Jubilar mit seiner dortigen Senioren-Truppe immer noch einmal pro Woche trainieren. Apropos Fußball: Am Wochenende wird der Jubilar beim Blick aufs Mobiltelefon gehadert haben. Die Spiele der Lila-Weißen verfolgt er per Handy ganz genau und dank Dauerkarte noch lieber im Auer Stadion. Doch Letzteres ist pandemiebedingt derzeit nicht drin. Das jüngste 0:3 gegen Düsseldorf - es hat dem einstigen Wismut-Stürmer nicht geschmeckt. "Aber auch Niederlagen gehören dazu."

Dabei vertritt Klaus Zink schon lange die Ansicht, dass die Spielweisen von damals und heute nicht vergleichbar sind. "Bei uns ging es Mann gegen Mann und immer nach vorn aufs Tor." Geplänkel im Mittelfeld oder gar Rückpässe? Damals Fehlanzeige. Erinnerungen an seine eigene Karriere hat der gebürtige Plauener viele abrufbar. "Ich brauche meist nur das richtige Stichwort." In Aue gehörte er neben den alten Recken und gesetzten Spielern zu den Jüngsten im Kader. "An guten Leuten wie Willy Tröger und Kurt Viertel vorbeizukommen, war beileibe nicht einfach", erzählt er.

Doch Klaus Zink schaffte es und erinnert sich auch an seine Eintrittskarte in die erste Mannschaft. "Nach einem anderthalben Jahr in der Reserve wurde ich in Jena eingewechselt und schoss eine Minute vor Schluss das Siegtor." Es war eine Art Initialzündung. Denn laut FCE-Experte Burkhard Schulz ist Klaus Zink neben Willy Tröger und Harald Mothes einer von nur drei Auer Spielern, die insgesamt mehr als 100 Tore für Wismut erzielten. In der Saison 1968/69 wurde der Stürmer mit 15 Treffern zweitbester Torschütze der DDR-Oberliga.

Neben dem Fußball wurde in Aue auch die Geselligkeit groß geschrieben, erinnert sich der Angreifer. "Da sind wir nicht nur einmal in der Kneipe versackt." Manchmal kam in dieser Zeit die Familie zu kurz, gesteht Klaus Zink und dachte trotzdem immer an seine Mitmenschen. "Wenn es für uns mal Bananen oder Ölsardinen gab, verteilte ich die Sachen gern."

Auch Kontakte zu ehemaligen Mitspielern pflegte er intensiv. "Es waren schöne Zeiten", sagt Klaus Zink, der es mit Blick auf die Liebe am längsten mit seiner Gertraude aushielt. Seit 36 Jahren sind die beiden ein Paar. Der Fußballer hat nach seiner Karriere eine Ausbildung zum Ingenieurökonom absolviert und bei der Wismut in Chemnitz gearbeitet. Er wünscht sich derzeit nichts mehr, als "seine Veilchen" mal wieder live im Erzgebirgsstadion sehen zu können. (mit busch)

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