WM in Katar ist das ganz große Ziel

Mit Platz 2 bei der Deutschen Meisterschaft über 10.000 Meter ist Leichtathlet Sebastian Hendel in die Bahnsaison gestartet. Mit dem neuen Titelträger versteht er sich blendend.

Reichenbach.

Konkurrenten auf der Tartanbahn müssen sich nicht zwangsläufig auch außerhalb der Sportstätten in herzlicher Abneigung aus dem Weg gehen. Wenn es dafür noch eines Beweises bedurfte, so erbrachten ihn in den vergangenen Tagen die Deutschen Meister im 10.000-Meter-Lauf von 2018 und 2019, Sebastian Hendel vom LAV Reichenbach und Richard Ringer vom LC Rehlingen. Bereitwillig bot Letzterer dem Titelverteidiger aus dem Vogtland an, bei der Anreise zur Deutschen Meisterschaft am Samstag in Essen bei ihm im Saarland zu übernachten. Hendel kam vom dreiwöchigen Höhentrainingslager aus dem schweizerischen St. Moritz und nahm das Angebot dankend an.

"Man kennt sich ja durch viele Wettkämpfe in der Vergangenheit, wir haben auch schon zusammen trainiert und ein recht gutes Verhältnis", sagt Hendel. Er lässt dabei durchblicken, dass sich die beiden Langstreckenasse auch über die Taktik beim Meisterschaftslauf absprachen. Dass sie von Beginn an Druck machten und sich beim Tempomachen auch immer wieder abwechselten, trug dazu bei, dass das Feld beizeiten gesprengt war und am Ende nur noch eine vierköpfige Spitzengruppe blieb.

Von der setzte sich Ringer auf den letzten beiden Kilometer scheinbar leichtfüßig ab. "Das war vorher klar, dass ich da nicht mithalten kann. Richard war voriges Jahr der schnellste Europäer über 10.000 Meter, da bin ich noch ein Stück weg", ordnet Sebastian Hendel seinen zweiten Platz ein, den er im Zielsprint sicherte. Bei seinem Titelgewinn im vergangenen Jahr war Ringer nicht am Start gewesen.

Für den 23-jährigen Vogtländer war Essen der Auftakt zur Bahnsaison. "Dafür bin ich halbwegs zufrieden. Immerhin konnte ich meine Bestzeit um eine Sekunde unterbieten. Dabei waren die Voraussetzungen nicht optimal. In St. Moritz konnte ich wegen einer Erkältung anderthalb Wochen nicht voll trainieren, und auch die Umstellung von der Höhe auf das niedrig gelegene Essen hat mir ein paar Probleme bereitet." Er sieht also durchaus noch Luft nach oben. Seine Bestzeit steht jetzt bei 28:43,67 Minuten, sein Ziel ist es, dieses Jahr unter 28:15 zu laufen. "Das wäre in etwa eine Verbesserung wie voriges Jahr. Da habe ich die Deutsche Meisterschaft in 29:16 gewonnen, ein paar Wochen später bin ich in Leiden in den Niederlanden 28:44 gelaufen."

Mit Silber von Essen hat sich der Überraschungsmeister von 2018, mit dem damals nur wenige rechneten, nachhaltig in der deutschen Elite etabliert. Das strebt er jetzt auch für die 5000 Meter an, bei denen der Reichenbacher ebenfalls Titelverteidiger ist. Auf dieser Strecke geht es Anfang August in Berlin um die Deutsche Meisterschaft. "Mein Fokus liegt dieses Jahr sowieso auf den 5000 Metern. Mein großes Ziel ist es, mich für die Weltmeisterschaften Ende September/Anfang Oktober in Katar zu qualifizieren."

Einen ersten Fingerzeig soll das Meeting am 22. Juni in Tübingen geben, bei denen Sebastian Hendel über 5000 Meter startet. Am 6. Juli folgt der Europacup über 10.000 Meter in London, für den er sich mit Platz 2 bei der Deutschen Meisterschaft qualifizierte. Komplett durchgeplant ist die Saison noch nicht. "Das ist für mich schwierig, immerhin studiere ich ja auch noch und habe Familie. Das alles unter einen Hut zu bringen, erfordert schon sehr viel Aufwand."

Apropos Familie: Auch Ehefrau Kristina konnte am Wochenende ein Erfolgserlebnis feiern. Sie trat für ihr Heimatland Kroatien im holländischen Leiden über 10.000 Meter an. Beim Golden Spikes Meeting stellte sie als Zweite hinter der einheimischen Jasmijn Lau in 33:35,36 Minuten eine persönliche Bestleistung auf und drückte den Vogtlandrekord von Kristina Otto vom VfB Lengenfeld aus dem Jahr 1999 um mehr als vier Minuten. "Ganz zufrieden ist Kristina mit der Zeit nicht. Es herrschten dort sehr schwierige Bedingungen, vor allem der Wind, der dort mit 50 Kilometer in der Stunde wehte, machte den Läuferinnen zu schaffen."

Sebastian Hendel hofft, dass seine Frau bald für Deutschland starten kann. "Der Internationale Leichtathletikverband hat die Bedingungen für einen Länderwechsel deutlich verschärft, weil einige Nationen in der Vergangenheit reihenweise starke Leichtathleten einbürgerten." Zumindest erhält Kristina Hendel im August den deutschen Pass. "Dann lebt sie seit drei Jahren in Deutschland. Und sie hat auch den Integrationskurs besucht, der verlangt wird. Damit darf sie zumindest künftig bei Deutschen Meisterschaften starten."

Ob nun Kroatin oder Deutsche ist letztlich egal, für Sebastian Hendel ist das familiäre Umfeld wichtig. Frau und Sohn - die ihn auch zumindest zeitweise nach St. Moritz begleitet hatten -, die Eltern, nicht zuletzt Vater Udo, der auch sein Trainer ist, haben großen Anteil an seiner Entwicklung. "Ohne sie könnte ich nicht so erfolgreich sein", ist sich der 23-jährige Reichenbacher sicher.

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