WM-Traum geht vorerst noch nicht auf

Gina Spranger vom Boxteam Oelsnitz hat vor wenigen Tagen mit Silber bei den Deutschen Meisterschaften für Aufsehen gesorgt. Jetzt ist die 18-Jährige gar auf dem Sprung in den Nationalkader.

Leubnitz.

In Sachen Frauenboxen hat Oelsnitz schon einige Meilensteine gesetzt. Mit Stefanie Egelkraut hatte das heutige Boxteam Oelsnitz die erste lizenzierte Boxerin Sachsens im Kader, die Oelsnitzerin Franziska Böhme holte den ersten überhaupt ausgeboxten Sachsenmeistertitel der Frauen. Maria Thomas und Madina Ualikanova erkämpften Medaillen bei Deutschen Meisterschaften. Was allerdings nun Gina Spranger hinlegt, ist schon eine Klasse für sich.

Die 18-Jährige holte als zuvor völlig unbekannte Athletin Mitte Oktober in Cottbus die Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften in der Klasse bis 60 Kilogramm in der Kategorie weibliche Jugend. "Sie kam wie Phönix aus der Asche", staunte der Deutsche Frauen-Bundestrainer David Hoppstock nicht schlecht. Und versprach flugs, dass die junge Leubnitzerin ab sofort bei allen Trainingslehrgängen des deutschen Nationalkaders der Frauen dabei sein werde. Ginge es nach ihm, wäre Gina Spranger sogar im November bei den Weltmeisterschaften in Indien für Deutschland in den Ring gestiegen. Doch umstrittene Melde-Modalitäten der Weltverbände verhinderten das letztlich.

"Darüber bin ich schon sehr traurig, da wäre ich wahnsinnig gerne dabei gewesen", sagt Gina Spranger. Andererseits freue sie sich riesig über die Silbermedaille. "Ich hatte nie geglaubt, dass ich mich dort bis ins Finale vorkämpfen könnte. Dass ich dann verloren habe, ging schon in Ordnung", so die junge Vogtländerin. Ihre Gegnerin Sophie Alisch aus Schwerin sei einfach besser gewesen: "Ich bin megastolz auf Silber und habe bei meinem Debüt eine Menge Erfahrungen sammeln können. Und dass mich der Bundestrainer jetzt schon für würdig erachtet, bei einer Weltmeisterschaft zu starten, ist ein große Ehre."

Im nächsten Jahr will Gina Spranger wieder bei den deutschen Titelkämpfen antreten, dann aber ganz oben auf dem Treppchen stehen. Bis dahin hat sie einen nicht ganz so einfachen Spagat zu bewältigen. Nachdem sie im Frühjahr am Plauener Lessing-Gymnasium ihr Abitur abgelegt hat, studiert die Vogtländerin nun in Dresden Sozialpädagogik und Management. Trotzdem will die sportliche junge Dame - sie ist übrigens die Tochter des früheren Fußballprofis Arnd Spranger (Chemnitzer FC, FSV Zwickau und VFC Plauen) - weiter intensiv an ihrer Boxkarriere arbeiten.

Darüber freut sich ihr erfahrener Trainer Frank Süß sehr. "Gina ist eine Kämpferin vor dem Herrn, sehr fleißig und richtig verrückt aufs Boxen", sagt er. "Sie boxt sehr aggressiv, greift viel an und ist eben ein echter Kämpfertyp. Technisch fehlen ihr zwar noch ein paar Feinheiten, aber daran werden wir in den nächsten Monaten arbeiten." Allerdings meint Süß auch, dass Spranger schon viel weiter sein könnte, wäre sie eher nach Oelsnitz gewechselt.

Die Leubnitzerin, die ein Verwandter vor fünf Jahren erstmals zum Boxtraining mitnahm, war zuvor für den Post SV Plauen aktiv gewesen. Da der aber seine Mitgliedschaft im Boxverband aufgekündigt hat, dürfen seine Athleten keine offiziellen Wettkämpfe bestreiten. Süß, der das so vergeudete Talent schnell erkannte, lotste seine neue Vorzeige-Athletin im November 2015 zum Boxteam Oelsnitz. Allerdings fiel die mittlerweile amtierende Sachsenmeisterin dort anfangs ein halbes Jahr lang verletzt aus, ehe sie vor rund einem Jahr ins Training einsteigen und nun so richtig durchstarten konnte.

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