Auf Königsjagd im Internet

Der Niederlungwitzer Bastian Benicke hat das Schachspielen einst auf Kuba gelernt. Trotz der aktuellen Ausgangsbeschränkungen nahm er jüngst an einer Deutschen Meisterschaft teil.

Niederlungwitz.

Es wirkte wie ein perfekter Plan. Einer, der etliche Züge in die Zukunft gedacht war. Dabei war alles ein großer Zufall. Vier Tage bevor die Weltgesundheitsorganisation die Ausbreitung des Coronavirus als Pandemie einstufte, startete der Deutsche Schachbund (DSB) am 7. März die Neuauflage seiner nationalen Internet-Meisterschaft. Die bis dato letzte Auflage der Erwachsenen fand 2005 statt. "Unser Präsident Ullrich Krause hatte schon 2017 in seinem Wahlprogramm angekündigt, Vereins- und Online-Schach besser zu verknüpfen", sagt Frank Jäger, der DSB-Beauftragte der Titelkämpfe. Eigentlich sollte das Online-Turnier schon im Herbst 2019 ausgetragen werden. Doch der Termin wurde nochmals verschoben - und bot somit auch Bastian Benicke aus Niederlungwitz die Möglichkeit, seine Schachkünste in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und sozialer Distanzierung unter Beweis zu stellen. Auch wenn es nicht zum Sprung in die Zwischenrunde reichte, "hat es auf jeden Fall Spaß gemacht und war sehr witzig", sagt Benicke.

Normalerweise sitzt der Niederlungwitzer für den Glauchauer SC in der 2. Landesklasse am Schachbrett. Der Spielbetrieb ist allerdings bis zum 19. April ausgesetzt. Auch das reguläre Training findet derzeit nicht statt. "Da bieten sich die Turniere im Internet jetzt an", sagt Benicke. Der 22-Jährige studiert an der BA Glauchau Wirtschaftsinformatik. In dem dualen Studiengang arbeitet er während der Praxis-Zeiten als Ingenieur für Apps. Der Sprung zum Online-Schach lag nahe. Schon vor der Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft nahm Benicke im Internet an Turnieren teil und nutzte Schachprogramme für sein Training. Die aktuelle Software für die offenen Titelkämpfe kaufte er sich zu Weihnachten. Gespielt wurde im Blitz-Format mit drei Minuten Bedenkzeit und zusätzlichen zwei Sekunden, um den Zug auszuführen. Für die Umsetzung verteilte Benicke ein Lob: "Das war sehr gut."

Bei zwei der vier Vorrundenturniere saß Benicke vor dem Rechner. Mit Platz 200 (von 272 Teilnehmern) und 301 (von 350 Teilnehmern) war nach der Vorrunde für den Niederlungwitzer Schluss. "Die eine oder andere Niederlage war unnötig. Aber die Gegner waren stark. Es haben eher die besseren Schachspieler teilgenommen", sagt er.

Auch wenn die Online-Turniere eine Bereicherung sind - insgesamt zieht der Denksportler die klassische Variante vor. "Im Internet ist es ein anderes Gefühl, wenn man keinen direkten Kontakt zum Gegenüber hat", erklärt Benicke. Mit Mimik und Gestik "reagiert man immer auf die Züge des Gegners" - und verrät dadurch vielleicht etwas von seinen Plänen. Auf diese Variante hatte er das Schachspielen auch kennengelernt. Ausgangspunkt war ein gemeinsamer Urlaub 2008 mit seinem Onkel in Kuba. "Dort spielt ja fast jeder Schach", sagt Benicke. Als die beiden Urlauber für den Großvater des damals Elfjährigen ein Brett als Geschenk kauften, nahmen sie auch für sich selbst eines mit. "Wir haben fast jeden Abend gespielt", sagt Benicke. Schnell fand er Spaß an dem Sport und trat ein Jahr später dem Glauchauer SC bei.

Dort spielt der Niederlungwitzer mittlerweile in der 1. Mannschaft. Bis zur Unterbrechung des Spielbetriebs waren in der 2. Landesklasse (Staffel C) sieben von neun Spieltagen absolviert. "Die Klasse zu halten, ist immer unser Ziel. Und der Abstieg ist nicht mehr möglich", sagt Benicke. Wenn es wieder an die Bretter geht, möchte der 22-Jährige in der Mannschaft zukünftig weiter aufsteigen und Spaß haben. Darüber hinaus ist er seit einem Jahr auch als Jugendtrainer beim GSC aktiv.


Wie Betrüger entlarvt werden

544 Teilnehmer hatten sich für die Vorrunde der Deutschen Internet-Meisterschaft angemeldet. Jeder davon saß übers ganze Land verteilt an einem eigenen Rechner. Wie werden bei einer solchen Masse Betrugsversuche wie die Verwendung einer Schach-Software verhindert? "Es ist ein Blitz-Turnier mit nur drei Minuten Bedenkzeit für einen Zug", sagt der Turnierbeauftragte vom Deutschen Schach-Bund, Frank Jäger. "Und da macht jeder Fehler. Zum Beispiel, wenn man eine schlagbare Figur übersieht." Neben den Fehlerraten werden die Züge der Teilnehmer mit denen einer Schach-Software abgeglichen. Zu wenig Fehler oder zu hohe Übereinstimmung mit der Software sprechen für Betrug.

Die zwölf Finalisten wurden am Samstag in einer Zwischenrunde ermittelt. Zuvor fanden vier Vorrundenturniere statt, wobei die Teilnahme an mehreren Runden möglich war. Die Endrunde ist für den 9. Mai in Magdeburg angesetzt. Die Finalisten sollen dabei alle im selben Raum sitzen. Ob die Endrunde wie geplant stattfinden kann, steht noch nicht fest. (ewer)


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