Der positive Druck beflügelt

Die Zwickauer Handballerinnen stehen in der 2. Bundesliga so gut da wie lange nicht. Das Heimspiel am Samstag wird damit zu einer richtigen Spitzenpartie.

Zwickau.

Norman Rentsch musste in dieser Woche beim Training des BSV Sachsen Zwickau ein wenig improvisieren. Mit Torhüterin Charly Zenner fehlte dem Coach der Zweitliga-Handballerinnen ein wichtiger Baustein seiner Mannschaft. Der Grund dafür freut Rentsch sehr: "Charly war diese Woche beim Sichtungslehrgang der U-20-Nationalmannschaft in Kienbaum. Das ist eine tolle Anerkennung für ihre Leistungen in den vergangenen Wochen." Beim Abschlusstraining am Freitagabend wird der Trainer alle Spielerinnen wieder an Bord haben, um die letzten Dinge vor dem Heimspiel am Samstag, 17 Uhr gegen den TSV Nord Harrislee zu besprechen.

Gegen das Team aus der Nähe von Flensburg erwartet die Zuschauer in der Sporthalle Neuplanitz ein richtiges Spitzenspiel. Mit 8:4 Punkten sind die Gäste aktuell Tabellenfünfter, der BSV steht mit 10:2 Punkten sogar auf Rang 3. So gut lief es für die Zwickauerinnen in der 2. Bundesliga lange nicht. In der aktuellen Lage fällt es den Spielerinnen nicht schwer, sich immer wieder neu zu motivieren. "Das ist der große Unterschied im Vergleich zu den letzten zwei Jahren. Der Tag nach einem Spiel oder auch montags das Training sind überhaupt nicht verkrampft. Es macht einfach richtig Spaß und die Stimmung im Team ist super", sagt Rückraumspielerin Petra Nagy beim Pressecafé des BSV in der Physiotherapie-Praxis Demmrich in Cainsdorf.

Vor zwei Jahren wechselte die Ungarin von Bundesligist Bad Wildungen nach Zwickau. Während sie sportlich schnell ankam in der Mannschaft, lief es beruflich nicht ganz wie erhofft. "Ich wollte eigentlich als Physiotherapeutin arbeiten, die Ausbildung hatte ich bereits in Ungarn abgeschlossen. Aber das wurde hier in Deutschland nicht komplett anerkannt. Und als ich das Anatomiebuch auf Deutsch aufgemacht habe, hab ich es gleich wieder zugeklappt", erzählt die 26-Jährige und muss dabei schmunzeln. Seit Sommer dieses Jahres nun macht Petra Nagy eine Ausbildung zur Erzieherin. Dass sie die in Zwickau auch beenden wird, steht kaum zur Debatte. Im Frühjahr verlängerte sie ihren Vertrag beim BSV bis 2022, am liebsten würde Nagy hier nach eigener Aussage bis zur Rente bleiben: "Für mich spielt vor allem eine Rolle, dass ich mich bei einem Verein wohlfühle. Und nicht unbedingt das Geld, das ich verdienen kann."

Und dass es passt bei den Zwickauerinnen, das betont Petra Nagy beim Pressegespräch immer wieder. So eine harmonische Mannschaft habe sie in ihrer Handballkarriere noch nie erlebt, erzählt sie zum Beispiel. "Man freut sich einfach über die guten Leistungen der anderen, auch wenn man selbst vielleicht nicht so einen guten Tag hat. Das ist ein gesunder Konkurrenzkampf im Team. Wir sind einfach eine Familie und das auch außerhalb der Halle", betont die 26-Jährige.

Auf das Heimspiel gegen Harrislee freut sich Petra Nagy nicht nur, weil der BSV zuletzt zweimal auswärts antreten musste. Sie hofft zudem auf die größte Kulisse ihrer bisherigen Zeit in Zwickau. Dass die Halle richtig voll wird, das wünscht sich auch Norman Rentsch. "Minimum 600 Leute sollen es schon werden. Wir verkaufen am Samstag für vier Euro ein Fanshirt. Es wäre toll, wenn wir auf der Tribüne eine rote Wand haben", so der Trainer. Seiner Mannschaft gibt er für die Partie mit, sich auf die eigene Leistung zu konzentrieren. Gerade in der Abwehr will der BSV sein Spiel durchbekommen. Bei den Gästen sieht Rentsch die Torgefahr vor allem im Rückraum: "Diese Zone müssen wir dichtmachen." Dass nach fünf Punktspielsiegen nacheinander viele Anhänger jetzt den sechsten Erfolg erwarten, stört den Coach nicht. "Wir müssen beim Thema Druck ja unterscheiden. Im Moment ist es für uns positiver Druck und kein Existenzdruck. Das nimmt meine Mannschaft gern an und das beflügelt sie."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...